Schlechter Handy-Empfang in den Ferien nervt Schweizer

Warum im Ausland plötzlich der Kontakt schlechter wird oder gar ganz abbricht.

Kann man in den Ferien plötzlich nicht mehr nach Hause telefonieren, ist das besonders ärgerlich. Foto: Don White (Alamy Stock Photo)

Kann man in den Ferien plötzlich nicht mehr nach Hause telefonieren, ist das besonders ärgerlich. Foto: Don White (Alamy Stock Photo)

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Es ist nicht das erste Mal, dass Salt-Kunde C. R.* in Italien weilt. Er ist geschäftlich oft dort unterwegs und wohnt gerade in einem Dorf in Perugia, einer Provinz im Zentrum des Landes. Es sei ein kleiner Ort. Trotzdem habe er dort und auch im Rest Italiens mit seinem Europa-Plus-Abo bis vor einem ­Monat ein sehr gutes Telefonsignal von Vodafone oder TIM gehabt, schreibt der Kunde in einer E-Mail.

Doch das habe sich geändert. Seit kurzem habe er an verschiedenen Orten gar keinen oder nur schlechten Empfang. E-Mails herunterzuladen oder im Internet zu surfen, sei nicht mehr möglich, da auch in grossen Städten nur noch ein E-Signal zur Verfügung stehe. Seine Frau, ebenfalls Salt-Kundin, kämpfe mit denselben Problemen. C. R. wandte sich deshalb an den Kundendienst von Salt. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass alles in Ordnung sei, er solle das Smartphone ein- und ausschalten. Auch auf dem Vergleichsportal Dschungelkompass.ch beschwerten sich Anfang Juli zwei Salt-Kunden über schlechten Empfang in Italien.

C. R. fragt sich, ob die Probleme mit einer Änderung bei den Roamingpartnern zu tun haben, mit denen Salt in Italien zusammenarbeitet. Die Telecomfirmen schliessen eigene Abkommen mit ausländischen Gesellschaften ab. Die Kunden können nur auf die Netze zugreifen, mit denen ihr Schweizer Anbieter einen Vertrag ausgehandelt hat. C. R. teilte dem Salt-Kundendienst seine Vermutung über Facebook mit. Dort wurde ihm gesagt, dass in Italien aktuell nur zwei Anbieter verfügbar seien, Tre und Wind. Zwischen August und September werde sich die Lage wieder ändern.

Tre und Wind haben Anfang Jahr fusioniert, betreiben ihre Netze vorderhand aber noch eigenständig. Sie konkurrieren nun mit den bisher führenden italienischen Anbietern TIM und Vodafone. Laut dem Fachportal «Open Signal» schneiden Tre und Wind in Bezug auf die Verfügbarkeit von 3G und 4G schlechter ab als die Konkurrenz.

Verträge wechseln ständig

Wegen der Feriensaison sei die Anzahl der Kundenanfragen zu diesem Thema derzeit etwas höher, schreibt Salt auf Anfrage. Es gebe «keine hundertprozentige Abdeckungsgarantie überall in Italien». Mit welchen Anbietern momentan Verträge bestehen und ob es Änderungen gab, kommentiert Salt nicht im Detail. «Verträge laufen aus, und neue Verträge werden abgeschlossen», schreibt die Medienstelle. Momentan habe Salt zwei namhafte italienische Roamingpartner. «Wir sind fortlaufend bemüht, beste Roamingabdeckung in Italien zu bieten, und werden gegebenenfalls einen dritten Roamingpartner aufschalten.» Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Veri­vox findet: «In einem so beliebten Reiseland wie Italien sollten die Schweizer Firmen möglichst mit allen Telecom-Anbietern zusammenarbeiten.» Bei den Konkurrenten Swisscom und Sunrise ist das laut deren Angaben der Fall.

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In der Regel erführen die Kunden nicht, mit welchen Partnern ihre Telecomfirmen Verträge abschliessen, sagt Jean-Claude Frick vom Vergleichsdienst Comparis. Ob die Probleme der Salt-Kunden tatsächlich mit einem Wechsel bei den Roamingpartnern zu tun haben, lasse sich deshalb nicht mit Sicherheit sagen. Denkbar sei auch eine Überlastung der Antennen an einzelnen Orten, wodurch sich aber nur lokale Probleme ergeben würden. Tatsächlich seien in Europa viele Verträge neu verhandelt worden, nachdem das Europaparlament im Frühling beschlossen habe, die Roaminggebühren abzuschaffen.

Mehr Kunden, mehr Macht

Es spiele auch eine Rolle, wo der Smartphone-Nutzer sich gerade befinde, sagt André Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz. «Es ist möglich, dass der Partner des Telecom-Anbieters ausgerechnet dort keinen guten Empfang garantieren kann, andernorts aber schon.» Dasselbe könne auch den Kunden anderer Schweizer Anbieter passieren. Oder Touristen, welche die Schweiz besuchten und hier nicht auf alle Netze zugreifen könnten. Bähler kamen bis jetzt keine ähnlichen Klagen von Salt-Kunden zu Ohren.

Grundsätzlich hätten grössere Telecomfirmen bei den Verhandlungen mit ausländischen Partnern einen Vorteil, sagt Comparis-Experte Frick. «Jeder Anbieter wirft seine Marktmacht in die Waagschale: Je mehr Kunden er hat, desto grösser ist die Chance, dass diese dereinst auch das Netz des Partners nutzen.» Die Marktführerin Swisscom etwa habe in diesem Verhandlungspoker allein durch ihre Grösse einen Vorteil gegenüber kleineren Anbietern wie Salt. Auch die lange Präsenz komme ihr zugute: «Wer über jahrelange Partnerschaften verfügt, hat es beim Verhandeln leichter als jüngere Player.» Die ausländischen Firmen haben laut Frick zwar trotzdem ein Interesse daran, auch mit kleineren Anbietern zu arbeiten, um möglichst breit vertreten zu sein. «Die Bedingungen dürften aber weniger attraktiv sein.» Die grossen Anbieter hätten deshalb eigentlich immer mehr Vertragspartner.

C. R. hat seine Probleme nun auf eigene Faust gelöst. Er kaufte sich ein Prepaid-Handy von Vodafone.

* Name der Redaktion bekannt

Erstellt: 18.07.2017, 21:42 Uhr

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