«Wenn Sawiris das Geld ausginge, käme ein reicher Chinese»

Ist das Projekt von Samih Sawiris in Andermatt eine kluge Investition oder ein Risiko? Dazu Tourismusexperte Ernst Wyrsch.

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Neue Unterlagen der Andermatt Swiss Alps AG (ASA) zeigen, dass der ägyptische Investor Samih Sawiris mit seinem Entwicklungsprojekt in Andermatt seit 2013 nur Verluste erlitten hat. Auch die finanzielle Situation seines Luxushotels The Chedi ist angespannt. Es ist nur zu knapp einem Drittel ausgelastet und hatte in gut zwei Jahren vier verschiedene Geschäftsleiter. Tourismusexperte Ernst Wyrsch erklärt im Interview, weshalb er trotzdem an das Projekt glaubt.

Ist das Tourismusprojekt in Andermatt eine gute Investition oder ein Risiko?
Beides. Entscheidend ist, in welchen Perspektiven man denkt. In zehn bis fünfzehn Jahren wird es sich auszahlen, wenn man die Ausdauer und den Willen hat und das Projekt nicht zerredet. Hier liegt jedoch gerade das Problem. Der Schweizer liebt es, Visionäre wie Sawiris zu zerpflücken. Diese Zweifler erschweren das Ganze, denn jede negative Nachricht über ein Projekt hält Geldgeber und sogar Gäste ab. Ein gewisses Risiko ist aber sicherlich da, weil sich die Schweizer Wirtschaft und der Tourismus in einer Baisse befinden, die man beim Start des Projekts so nicht voraussehen konnte.

Bis jetzt hat das Projekt nur Verluste geschrieben. Wirtschaftsprüfer haben signifikante Zweifel an einem erfolgreichen Abschluss. Sollte Sawiris daraus Konsequenzen ziehen?
Ich denke nicht. In der Schweiz werden grundsätzlich alle Businesspläne zu positiv formuliert, damit man überhaupt eine Möglichkeit hat, Investoren anzulocken und an Geld zu kommen. Sawiris’ Projekt wurde ursprünglich ebenfalls optimistisch formuliert, und nun muss er angesichts von dessen Entwicklung mehr Eigenkapital einbringen als geplant. Aber er konnte das Ganze finanziell auffangen.

Trotzdem bleiben die Gäste aus. Sawiris’ Luxushotel The Chedi ist nur zu 29,5 Prozent ausgelastet.
Ja, aber man muss Folgendes sehen: In einer Destination mit klingendem Namen wie Zermatt oder St. Moritz braucht man viel weniger Zeit, weil man von der Aufbauarbeit profitieren kann, die in der Vergangenheit geleistet wurde. Andermatt hingegen war skitechnisch in einem Dornröschenschlaf, ein richtiger No-go-Place mit viel zu veralteten Anlagen. Das Projekt will aus einer Schatten- eine Premierdestination machen. Das Luxussegment ist ein wachsender Markt, jeden Tag gibt es einen Millionär mehr. Diese zahlungskräftigen Gäste muss man erst mal für Andermatt begeistern. Das kostet Zeit und Geld.

Aber ist Andermatt mit diesen Voraussetzungen denn der richtige Ort?
Ich gehe davon aus, dass Sawiris eine andere Überlegung gemacht hat. Er ist spottgünstig zu Land gekommen und kann daraus ein wertvolles Produkt machen, das er später verkaufen oder selbst behalten kann, wenn es ertragreich ist. Was ihm nun natürlich ungelegen kommt, ist einerseits die katastrophale Entwicklung des Tourismus in seinem Heimatland Ägypten, wo er sich engagiert und jetzt sicher Geld abfliesst. Andererseits verliert auch die Schweiz im weltweit wachsenden Tourismus Marktanteile.

Keine guten Aussichten. Wovon hängt es nun in erster Linie ab, ob das Projekt doch noch erfolgreich umgesetzt werden kann?
Nur von zwei Sachen: Geduld und Sauerstoff. Und Sauerstoff heisst in diesem Zusammenhang genügend Rückstellungen, damit die finanzielle Baisse überwunden werden kann. Das dauert mindestens fünf bis sechs Jahre. Die Kritik am Projekt wird deshalb anhalten. Aber The Chedi wurde nicht zufällig zum besten Hotel in der Schweiz gewählt. Da läuft so viel richtig, und trotzdem sind die Zweifler an diesem Projekt in der Mehrheit.

Sehen Sie einen Ausweg oder Plan B, falls sich das Ganze negativ weiterentwickelt?
Das Projekt kann gar nicht scheitern. Ein Fehlschlag ist unmöglich. Wenn Sawiris tatsächlich das Geld ausginge, würde ein reicher chinesischer, indischer oder arabischer Investor einspringen, das Ganze kaufen und weiterentwickeln. Es handelt sich um ein gut überlegtes Projekt, das kann man nicht mehr stoppen. Für Andermatt sehe ich in der Zukunft keine Probleme. Der Ort wird immer ein guter Anlageplatz sein für Leute, die viel Geld haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.12.2015, 14:53 Uhr

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