Wenn Staatsbahnen Wettbewerb spielen

Die BLS fährt künftig auf drei Linien im Fernverkehr. Das bringt den öffentlichen Verkehr nicht voran.

Simonetta Sommarugas Kompromiss hat möglicherweise einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen den beiden Staatsbahnen verhindert. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Simonetta Sommarugas Kompromiss hat möglicherweise einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen den beiden Staatsbahnen verhindert. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Die BLS erhält nun doch keine eigene Konzession für den Fernverkehr auf den Schienen, wie ursprünglich angedacht. Künftig müssen die beiden Staatsbahnen SBB und BLS zusammenarbeiten, die Berner fahren auf drei Linien im Fernverkehr unter der Konzession der SBB. Ein Kompromiss, den Bundesrätin Simonetta Sommaruga durchsetzte. Sie hat wohl einen jahrelangen Rechtsstreit verhindert.

Sommaruga fährt damit auch ihrem Direktor des Bundesamts für Verkehr in die Parade. Unter Peter Füglistaler wurde die Idee vom Wettbewerb auf den Schienen vorangetrieben. Er, der bei vergangenen Medienkonferenzen zur Fernverkehrskonzession jeweils seinen grossen Auftritt hatte, war bei der gestrigen Präsentation nicht dabei. Ein deutliches Zeichen: Füglistaler konnte unter Doris Leuthard frei schalten und walten. Das ist vorbei.

«Die Vergabe der Konzession war bloss ein Geplänkel zwischen hoch subventionierten Staatsbahnen.»

SBB-Chef Andreas Meyer hingegen kann sich freuen: Die prekäre Situation beim SBB-Rollmaterial wird mit dem Kompromiss entschärft, und die Linien, die nun an die BLS gehen, tun den Bundesbahnen nicht weh.

Und was haben die Passagiere von der ganzen Vergabe? Sie profitierten zum Beispiel von einem verbesserten Angebot, heisst es. Es ist die Rede von mehr Steckdosen in den neuen Zügen der BLS, von einem besseren Essensangebot. Die SBB wollen verbesserte mobile Arbeitsplätze in den Zügen einrichten. Das sind nur Details. Ein zentraler Punkt aus Sicht der Passagiere wurde dagegen verworfen. Zugbegleiter werden, anders als versprochen, nicht im gesamten Fernverkehr der BLS eingesetzt.

Gewinner der Konzessionsvergabe sind also rar. Das hat mit dem Kompromiss an sich nichts zu tun. Sondern vielmehr mit der Tatsache, dass von Anfang an ein richtiger Wettbewerb nicht das Ziel war. Das Bundesamt spielte bloss Wettbewerb. Eine Öffnung des öffentlichen Verkehrs, wie es im Ausland teilweise passierte, kam nie infrage. Aber nur dann hätte der Konkurrenzkampf spielen können. So war es nun aber bloss ein Geplänkel zwischen hoch subventionierten Staatsbahnen.

Erstellt: 22.08.2019, 22:10 Uhr

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