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«Wir wollen kein Geld, wenn der Patient frühzeitig stirbt»

Roche-Chef Severin Schwan zeigt sich in einem Interview offen für die erfolgsabhängige Vergütung von Medikamenten und kündigt mehrere Hundert neue Jobs in der Schweiz an.

thu
Zeigt sich offen für Kooperationen mit Google & Co.: Roche-CEO Severin Schwan auf der Terrasse neuen Roche-Turms. (18. September 2015)
Zeigt sich offen für Kooperationen mit Google & Co.: Roche-CEO Severin Schwan auf der Terrasse neuen Roche-Turms. (18. September 2015)
Gaetan Bally, Keystone

Der Basler Pharmakonzern Roche befürwortet bei teuren Krebsmitteln abgestufte Preise. Im Interview mit der «SonntagsZeitung» sagt Konzernchef Severin Schwan: «Wir sind offen für Vergütungssysteme, bei denen der Nutzen unmittelbar mit der Vergütung gekoppelt wird. Das heisst, wir würden einen höheren Preis erhalten, je länger ein Patient trotz eines Tumors am Leben bleibt. Stirbt er frühzeitig, erhält der Hersteller nichts.» Heute werde der Hersteller einfach pro gelieferte Packung vergütet.

In Italien gibt es gemäss Schwan erste Ansätze, bei denen es Roche gelungen sei, Vergütungsmodelle nach dem Nutzen einzuführen. «Ich kann mir vorstellen, dass solche differenzierten Ansätze über die Zeit auch in anderen Ländern kommen», sagte er. Die Krankenkassen in der Schweiz seien grundsätzlich offen dafür. Die Umsetzung sei aber mit vielen Hürden verbunden.

Seit heute offiziell das höchste Gebäude der Schweiz: Der 178 Meter hohe Roche-Turm wird am Freitag offiziell eingeweiht.
Seit heute offiziell das höchste Gebäude der Schweiz: Der 178 Meter hohe Roche-Turm wird am Freitag offiziell eingeweiht.
Reto Oeschger
Der Blick von der Terrasse des obersten Stocks bietet einen Blick auf Basel und weiter bis nach Frankreich.
Der Blick von der Terrasse des obersten Stocks bietet einen Blick auf Basel und weiter bis nach Frankreich.
Reto Oeschger
Hier geht es in den Turm: Eingangsbereich des Roche-Turms mit einem Boden, der aus Rhein-Kieseln besteht.
Hier geht es in den Turm: Eingangsbereich des Roche-Turms mit einem Boden, der aus Rhein-Kieseln besteht.
Reto Oeschger
Das Auditorium im Bau 1 soll Platz für Veranstaltungen und Kongresse bieten.
Das Auditorium im Bau 1 soll Platz für Veranstaltungen und Kongresse bieten.
Reto Oeschger
Sogenannte Kommunikationszonen sollen den Austausch zwischen den Mitarbeitern fördern.
Sogenannte Kommunikationszonen sollen den Austausch zwischen den Mitarbeitern fördern.
Reto Oeschger
Die Innenarchitektur trägt die klare Handschrift des Büros Herzog & de Meuron.
Die Innenarchitektur trägt die klare Handschrift des Büros Herzog & de Meuron.
Reto Oeschger
Längst nicht nur Grossraumbüros: Im Roche-Turm gibt es zahlreiche Einzelbüros und Rückzugsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.
Längst nicht nur Grossraumbüros: Im Roche-Turm gibt es zahlreiche Einzelbüros und Rückzugsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.
Reto Oeschger
Holzböden und viel Weiss gehören zu den prägenden Merkmalen im Innern des Roche-Turms.
Holzböden und viel Weiss gehören zu den prägenden Merkmalen im Innern des Roche-Turms.
Reto Oeschger
Nicht alle Lifte führen bis ganz nach oben, manchmal ist auch Umsteigen angesagt: Querschnitt des Roche-Turms.
Nicht alle Lifte führen bis ganz nach oben, manchmal ist auch Umsteigen angesagt: Querschnitt des Roche-Turms.
Reto Oeschger
Die Cafeteria im obersten Stock des Turms ist für alle Roche-Mitarbeiter zugänglich.
Die Cafeteria im obersten Stock des Turms ist für alle Roche-Mitarbeiter zugänglich.
Reto Oeschger
Laut Roche verbraucht der Turm wenig Energie, er soll den bekannten Minergie-Standard klar übertreffen.
Laut Roche verbraucht der Turm wenig Energie, er soll den bekannten Minergie-Standard klar übertreffen.
Reto Oeschger
Die Seitenwände des Möbelherstellers Vitra Design wurden speziell für den Roche-Turm entwickelt und sollen den Bürolärm dämpfen.
Die Seitenwände des Möbelherstellers Vitra Design wurden speziell für den Roche-Turm entwickelt und sollen den Bürolärm dämpfen.
Reto Oeschger
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Roche hat vor wenigen Tagen seinen neuen Hauptsitz im Basler Roche-Turm eingeweiht.

Roche ist auch bereit, Rabatte zu gewähren, wenn mehrere teure Krebsmedikamente in Kombinationstherapien verabreicht werden, die oft mehrere hunderttausend Franken kosten. «Wir sind da durchaus kompromissbereit», sagt Schwan. Bei einer der ersten Kombinationstherapien, die für Brustkrebs zugelassen ist, einigte sich Roche mit den Krankenkassen auf einen Rabatt von gut 20 Prozent.

Mehr Produktion in der Schweiz

Roche hat die Zahl der Arbeitsplätze in der Schweiz in den letzten zehn Jahren um 4500 auf 14'000 erhöht. Das werde angesichts des guten Geschäftsgangs weitergehen, kündigt Schwan an: «So, wie es ausschaut, werden wir dieses Jahr in der Schweiz mehrere Hundert neue Arbeitsplätze schaffen.» Auf die Frage, ob Roche wegen des starken Frankens und der erstmals seit Jahren rückläufigen Pharmaexporte Arbeitsplätze ins Ausland verlagere, sagte Schwan: «Nein. Roche ist vom Exportrückgang nicht betroffen.» Die Produktionskapazitäten in der Schweiz würden weiter ausgebaut.

Nach Novartis kann sich auch Roche Kooperationen mit den grossen Informatikfirmen vorstellen. «Wir sind offen, mit Firmen wie Google oder anderen zusammenzuarbeiten», sagt Schwan. «Sie bringen viel Wissen ein, wenn es um die Analyse grosser Datenmengen geht, und wir können das medizinische Know-how einbringen. Es gibt Gespräche mit den verschiedensten IT-Firmen.» Im Oktober stellt Roche die detaillierten Daten für ihr neues Multiple-Sklerose-Medikament vor. «Das wird ein wichtiger Umsatzträger für uns, weil wir nachweisen konnten, dass das Medikament sehr wirkungsvoll und gleichzeitig sicher ist», sagt Schwan. Da er die Daten schon kenne, sei er überzeugt, dass sie sowohl in medizinischen Kreisen als auch bei der Finanzgemeinde auf positives Echo stossen werden.

(SDA)

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