Whatsapp-Gründer rechnet mit Zuckerberg und Sandberg ab

Brian Acton hatte sich für ein werbefreies Netzwerk eingesetzt. Doch Facebooks Führungsriege wollte mehr Geld verdienen.

Wurde nach eigenen Angaben «gecoacht», um eine Zusammenführung der Nutzerdaten seines Unternehmens mit Facebook vor den EU-Behörden als schwierig darzustellen: WhatsApp-Gründer Brian Acton. (25. Oktober 2016)

Wurde nach eigenen Angaben «gecoacht», um eine Zusammenführung der Nutzerdaten seines Unternehmens mit Facebook vor den EU-Behörden als schwierig darzustellen: WhatsApp-Gründer Brian Acton. (25. Oktober 2016) Bild: Mike Blake/Reuters

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Als Whatsapp Anfang August ankündigte, erstmals Werbung schalten zu wollen, war Brian Actons Vision endgültig gescheitert. Der Gründer des Messengers hatte Whatsapp, das mittlerweile Facebook gehört, schon ein Jahr zuvor verlassen. Er hatte die App immer frei von Anzeigen halten wollen, denn die sind für ihn die Pest.

Doch Facebooks Chefs Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg setzten sich durch. Sie wollten endlich Geld mit Whatsapp verdienen. Der heute 46-Jährige ging – und verzichtete mit seinem abrupten Abgang auf 850 Millionen Dollar, die ihm in Aktien zugestanden hätten, wäre er länger bei Facebook geblieben. Das erzählte er nun dem Magazin «Forbes».

Brian Acton beschreibt, wie Whatsapps Kultur des Respekts gegenüber dem Nutzer mit Facebooks Werbegeldmaschine kollidiert sei. Actons Sicht bietet Einblicke in die internen Kämpfe um Moral und Geld innerhalb des Facebook-Konzerns. «Sie sind gute Geschäftsleute», sagt er über Facebooks Führungsriege. «Sie stehen nur für eine Reihe von Geschäftspraktiken, Prinzipien und eine Ethik, mit denen ich nicht unbedingt einverstanden bin.»

Einer der grössten Deals des Silicon Valley

Es gilt als einer der grössten Deals des Silicon Valley: Facebook kaufte Whatsapp 2014 für etwa 22 Milliarden Dollar. Die Gründer Acton und Jan Koum wurden mehrfache Milliardäre. Dem ehemaligen Yahoo-Ingenieur Acton hatten 20 Prozent an Whatsapp gehört. Später war er der Erste in einer Reihe von Gründern übernommener Apps, die Facebook verliessen, weil sie den neuen Kurs nicht mittragen wollten. Koum ging im Frühjahr, Anfang letzter Woche gingen auch die Instagram-Gründer. Die Foto-App gilt wie Whatsapp als entscheidend für die Zukunft des Konzerns, wichtiger als das Facebook-Netzwerk selbst.

Acton erzählte nun: Während bei Whatsapp in Ruhe und überlegt gearbeitet worden sei, habe Facebook nach seinem alten Motto «Move fast and break things» gehandelt. Die Whatsapp-Gründer hätten mit Zuckerberg vereinbart: Fünf Jahre lang solle es «null Druck» geben, Geld zu verdienen.

Gehören zur von Acton kritisierten Führungsriege von Facebook: Gründer und Chef Mark Zuckerberg (links), Geschäftsleitungsmitglied Dan Rose (Mitte) und Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg (rechts). (Bild: Drew Angerer/Getty/AFP)

Allerdings habe die Facebook-Seite schon bald darauf hingearbeitet, Werbung in der App zu platzieren. Dabei hatten Acton und Koum Nutzern einst versprochen, sie nicht mit Anzeigen zu nerven: «Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer für einen grösseren Nutzen verkauft. Ich habe eine Wahl getroffen und einen Kompromiss gemacht. Und ich lebe jeden Tag damit.»

Acton hatte einen kreativeren Plan: Nutzer sollten nach einer bestimmten Zahl von Nachrichten etwa einen Zehntel-Cent bezahlen, das würde sich summieren. Facebooks Geschäftsführerin Sandberg habe seinen Plan aber durchkreuzt. «Das skaliert nicht», habe sie gesagt. Ein Totschlagargument im Silicon Valley, wo Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen ein Mantra ist.

Acton wirft Sheryl Sandberg Gier vor

Acton warf Sandberg nun indirekt Gier vor. Auch mit Konzernchef Zuckerberg sei er nie warm geworden. Wütend sei er über Facebooks Vorgehen, als die EU-Kommission die Übernahme prüfte. Er sei «gecoacht» worden, um zu erklären, dass es technisch sehr schwierig sei, die Daten von Whatsapp und Facebook zu verschmelzen. Später habe er erfahren, dass Facebook genau daran arbeitete. Dann wurde eine entsprechende Verknüpfung der Nutzerdaten angekündigt.

David Marcus, bei Facebook für die Messenger-Apps zuständig, widersprach Acton: Zuckerberg habe Gründern übernommener Apps bemerkenswert viel Eigenständigkeit gewährt und sie intern verteidigt. Whatsapps Verschlüsselung habe er nie infrage gestellt, wie Acton behauptet. Marcus wirft ihm vor, sich nicht genug bemüht zu haben, seine Micropay-Idee durchzusetzen – da brauche er nun gar nicht «passiv-aggressiv» zu werden.

Erstellt: 02.10.2018, 07:57 Uhr

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