So will Sunrise den Mega-Deal bezahlen

Sunrise muss 6,3 Milliarden Franken aufbringen, um UPC zu kaufen. Bloss: Wie stemmt das eine Firma, deren Wert deutlich unter dem Kaufpreis liegt?

Im Shop von Sunrise gibts künftig ein der Swisscom ebenbürtiges Vollangebot. Trotzdem wird an der Übernahme von UPC auch Kritik laut. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Im Shop von Sunrise gibts künftig ein der Swisscom ebenbürtiges Vollangebot. Trotzdem wird an der Übernahme von UPC auch Kritik laut. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Ein traditionsreiches Unternehmen der Schweizer Telecombranche ist Geschichte: Der Kabelnetzbetreiber UPC Schweiz, der aus der früheren Cablecom entstanden ist, wird im Verlauf des Jahres mit Sunrise fusioniert. Der Name mit den drei Buchstaben verschwindet für immer.

Kaum war die Tinte der Unterschriften unter dem Kaufvertrag trocken, gab Sunrise die Übernahme von UPC am späten Mittwochabend bekannt. «Wir können so den grössten Herausforderer der Swisscom im Schweizer Markt schaffen», sagte Sunrise-Chef Olaf Swantee gestern in einer Telefonkonferenz.

Finanzieller Kraftakt

Bis es so weit ist, muss Sunrise aber die Kassen weit öffnen. Der Preis für UPC beträgt 6,3 Milliarden Franken. Im Vergleich zur wirtschaftlichen Grösse von Sunrise bedeutet dies einen finanziellen Kraftakt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 1,8 Milliarden Franken. An der Börse ist Sunrise 3,6 Milliarden Franken wert, was deutlich unter dem Preis für UPC liegt.

Nebst dem Aufwand für UPC kommen noch zusätzliche Ausgaben auf Sunrise zu. Ende Januar hat das Unternehmen von der Eidgenossenschaft die Frequenzen für den superschnellen Mobilfunkstandard 5G ersteigert. Sunrise hat dafür 89,2 Millionen Franken ausgegeben.

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Es stellt sich also die Frage, wie Sunrise die Übernahme von UPC stemmen will. Die Firma schlägt ihren Aktionären eine Finanzierung in mehreren Schritten vor. Einerseits übernimmt Sunrise einen Teil der ausstehenden Schulden von UPC im Umfang von 3,6 Milliarden Franken. Auf der anderen Seite überweist Sunrise die restliche Summe des Kaufpreises von 2,7 Milliarden Franken in bar an die UPC-Muttergesellschaft Liberty Global.

Um diesen Barbetrag finanzieren zu können, will Sunrise neues Aktienkapital in der Höhe von 4,1 Milliarden Franken ausgeben. Aus dem Erlös verwendet Sunrise weitere 1,1 Milliarden Franken, um Schulden zu tilgen. Die Aktionäre müssen die Kapitalerhöhung an einer ausserordentlichen Generalversammlung erst bewilligen. Das Aktionärstreffen soll im Sommer oder Herbst stattfinden.

Alle Augen sind deshalb auf den wichtigen Anteilseigner Freenet gerichtet, der knapp 25 Prozent an Sunrise hält. Der Finanzchef des deutschen Mobilfunk­anbieters deutete noch Anfang Februar an, dass er einem möglichen Zukauf von Sunrise grundsätzlich nicht im Wege stehen wolle. Allerdings komme es auf die Rahmenbedingungen an, sagte Ingo Arnold damals.

Kritik am Deal

Jetzt vollzieht Freenet eine Kehrtwende. Der Betreiber liess gestern verlauten, dass die Form der Übernahme «störend» sei und er sich deshalb nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen werde. Freenet kritisierte, dass in erster Linie die bestehenden Aktionäre die Risiken tragen müssten.

Die Anleger sehen die Pläne von Sunrise bei Börsenbeginn ebenfalls skeptisch: Bei Börsenschluss notierte die Aktie im Vergleich zum Vortag 8,5 Prozent im Minus. Der Kurs von Konkurrent Swisscom gab leicht nach.

Sunrise-Chef Olaf Swantee rechnet damit, dass die Wettbewerbskommission die Übernahme im zweiten oder dritten Quartal durchwinkt.

Unbeeindruckt von den Kursentwicklungen bezeichneten Branchenkenner die Übernahme als strategisch sinnvoll. Der Deal folge einer «sehr starken industriellen Logik», so Analyst Ulrich Rathe von der Bank Jefferies. Zu bedenken sei aber, dass die Zustimmung für die erforderliche Kapitalerhöhung keine Selbstverständlichkeit sei.

Sunrise bringt ein leistungsfähiges Handynetz mit 2,3 Milllionen Abonnenten in die Partnerschaft ein.

Mit der neuen Sunrise würde hierzulande eine starke Nummer zwei entstehen. Es wäre der erste Anbieter, der Marktführerin Swisscom ein ebenbürtiges Vollangebot entgegensetzen könnte. Die Rede ist von Mobilfunk, Festnetztelefonie, Internet und Fernsehen aus einer Hand.

Sunrise bringt ein leistungsfähiges Handynetz mit 2,3 Milllionen Abonnenten in die Partnerschaft ein. Die Mitgift von UPC ist der Zugang zu knapp 1,1 Millionen Haushalten via TV-Kabel und der Sportkanal Mysports.

Der Zeitplan sieht vor, dass die fusionierte Sunrise in der zweiten Jahreshälfte an den Start geht. Nebst der Zusage der Aktionäre braucht es auch die Genehmigung der Wettbewerbshüter. Sunrise-Chef Swantee rechnet damit, dass die Wettbewerbskommission die Übernahme im zweiten oder dritten Quartal durchwinkt.

Erstellt: 01.03.2019, 06:56 Uhr

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