«Wie ein iPhone zum Rauchen»

Wolfgang Kweitel von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz über die Gefahren des E-Zigaretten-Trends.

«E-Zigaretten sprechen auch neue Konsumenten an, die bisher nicht geraucht haben», warnt Wolfgang Kweitel.

«E-Zigaretten sprechen auch neue Konsumenten an, die bisher nicht geraucht haben», warnt Wolfgang Kweitel.

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Die «New York Times» schreibt von einer Epidemie unter jungen E-Zigaretten-Usern. Sind Sie alarmiert?
Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass Jugendliche vermehrt E-Zigaretten rauchen, insbesondere die Marke Juul. Ich sehe viele Youtube-Videos, ich sehe viele Bekenntnisse auf den Social-Media-Kanälen.

Sind Sie beunruhigt?
Ja, beunruhigt trifft es besser. 2011 gaben in einer Umfrage 2 Prozent der amerikanischen ­Jugendlichen an, E-Zigaretten zu konsumieren. Vier Jahre später waren es 16 Prozent. Worauf die US-Behörden mit ihren Aufklärungskampagnen angefangen haben. 2016 konnten sie den Wert auf 11 Prozent herunterdrücken. Dennoch haben sie Angst, dass ihre ganzen Anstrengungen nichts nützen wegen dieser Juul-­Nikotinsticks. Diese kommen so cool daher, als hätte sie Apple designt, denn sie sehen aus wie ein iPod zum Rauchen. Anders formuliert: Sie sind so leicht zu ­bedienen wie eine Nespresso-Kapsel. Gerade das macht sie so gefährlich. Denn einfacher geht es nicht.

Worin liegt der Coolness-Faktor von Juul?
Warum kaufe ich ein iPhone, das 1200 Franken kostet, obwohl mein jetziges bestens funktioniert? Natürlich weil Apple es geschafft hat, ein Image zu kreieren, das einem das Gefühl vermittelt, dabei zu sein. Juul gibt einem dieses Gefühl, ein technisches Gadget zu sein, das coole Leute haben müssen. Das hat Juul anderen E-Zigaretten voraus. Diese sehen ja schrecklich aus. Man muss schon ein sehr ­gesundes Selbstbewusstsein ­haben, um mit diesen Dingern herumzulaufen.

Was hat Nikotin für Nebenwirkungen?
Unbestritten ist, dass es abhängig macht. E-Zigaretten sprechen auch neue Konsumenten an, die bisher nicht geraucht haben. Das kann ich unter keinen Umständen gutheissen. Vor allem, weil ich den Verdacht habe, dass die Tabakindustrie die E-Zigarette als Vorwand verwendet, um neue Konsumenten zur herkömm­lichen Zigarette zu verführen. Im Wissen, dass diese viel schneller wirkt und süchtig macht.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.09.2018, 21:34 Uhr

Wolfgang Kweitel

Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz

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