Wie weiter mit der Basler Uhrenmesse?

Findet die Baselworld 2019 noch statt? Fünf Fragen zur Zukunft der Messe nach dem Rückzug der Swatch Group.

Die goldenen Zeiten der Baselworld als Leitmesse der Uhrenindustrie sind vorbei.

Die goldenen Zeiten der Baselworld als Leitmesse der Uhrenindustrie sind vorbei. Bild: Keystone

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Die Swatch Group als grösster Aussteller kehrt der Baselworld den Rücken. Was ändert sich jetzt für die traditionsreiche Leitmesse der Uhrenindustrie?

Die Ankündigung des weltgrössten Uhrenherstellers aus Biel, der Uhren- und Schmuckmesse 2019 in Basel fernzubleiben, hat die Organisatoren zur Krisenkommunikation gezwungen. Früher als vorgesehen gab die MCH Group diese Woche erste Eckpunkte zu einer überarbeiteten Baselworld bekannt. In der Halle 1.1 entsteht mit «The Loop» ein Areal, das eine Ausstellung zur Kunst der Uhrmacherei vorhält. Weiter rücken die Gastronomieflächen ins Zentrum des Geschehens. Ausstellern und Besuchern wird ein Cateringangebot geliefert, das von Take-away bis zur 3-Stern-Gastronomie reicht. Ein weiteres Vorhaben ist die neue «Show Plaza» in der Halle 1.2, in der künftig die besten Schmuckhersteller versammelt werden. Schliesslich soll ein 240-Grad-Laufsteg mit LED-Bildschirmen neue Formen ermöglichen, um Schmuck zu zeigen.

Was bedeutet die Neuausrichtung der Baselworld für den Tourismus?

Die Uhrenmesse strahlt weit über das Einzugsgebiet des Wirtschaftsraums Basel hinaus. Beispiel Tourismus: Mitarbeiter von ausländischen Ausstellern und Besucher aus dem Ausland übernachteten in Hotels, um überhaupt am mehrtägigen Anlass teilnehmen zu können. Ein grösseres Hotel in der Basler Innenstadt kann dank der Baselworld einen Umsatz von über 1,5 Millionen Franken jährlich erwirtschaften, rechnet die «Basellandschaftliche Zeitung» vor. Allerdings sorgte die Hotellerie in den vergangenen Jahren auch für Negativschlagzeilen: Die Zimmerpreise erreichten während der Messe teils astronomische Höhen. Viele Aussteller beschwerten sich darüber. Die Organisatoren wollen nun dieser Entwicklung entgegentreten. Messedirektor Michel Loris-Melikoff sucht das Gespräch mit den Hoteliers und Gastronomen in Basel. Ziel ist es, eine Charta mit Partnerhotels abzuschliessen, die ein vernünftiges Preisniveau garantieren. Im Gegenzug empfiehlt die Uhrenmesse sie als Partnerhotels.

Wie gross ist die Chance, dass die Swatch Group der Baselworld doch noch treu bleibt?

Diese liegt derzeit bei unter 50 Prozent. Swatch-Group-Chef Nick Hayek hat diese Woche in Interviews deutlich gemacht, dass sein Entscheid endgültig ist. «Swatch Group wird definitiv 2019, aber auch darüber hinaus nicht mehr an der Baselworld sein, egal, was die jetzt alles aus der Wundertüte zaubern wollen», sagte Hayek gegenüber der Zeitung «Finanz und Wirtschaft». Allerdings hat der 63-Jährige seine Meinung auch schon geändert. Hayek hatte etwa im Jahr 2013 mit dem Austritt des von der Swatch Group dominierten Verbands der Uhrenindustrie aus dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse gedroht. Es blieb bei der Kampfansage. Zur Uhrengruppe gehören Marken wie Swatch, Omega und Breguet.

Video – Baselworld feiert 100. Jubiläum

«Glanzvolle Zeitmesser und grossartige Schmuckstücke»: Was an der Baselworld (hier die Ausgabe 2017) veranstaltet wird, passt einigen Uhrenherstellern nicht mehr. (Video: Tamedia mit Material der SDA)

Findet die Baselworld 2019 überhaupt noch statt?

Nach dem Rückzug der Swatch Group als grösster Aussteller ist die kommende Ausgabe zumindest gefährdet. Im Anschluss zur diesjährigen Messe Ende März gaben wichtige Schweizer Uhrenhersteller eine Zusage für 2019. Dazu gehören Rolex, Chopard, Patek Philippe, Breitling, Corum und Chanel. Auch der französische Luxusgüterhersteller LVMH mit Marken wie Bulgari, Tag Heuer, Hublot und Zenith hat signalisiert, im kommenden Jahr wieder nach Basel kommen zu wollen. Es sollte also möglich sein, eine abgespeckte Baselworld durchzuführen. Jedoch ist offen, was nach 2019 mit der Uhrenmesse passiert. Wie die «Basler Zeitung» schreibt, bereiten offenbar auch andere Aussteller den Abgang vor. Es ist also eher wahrscheinlich, dass es ab 2020 keine Baselworld mehr geben wird.

Was verlangen die Uhrenchefs von den Messeorganisatoren?

Einfach ausgedrückt: Veränderung. «Wir brauchen mehr Lifestyle, vielleicht auch andere Aktivitäten», sagte Jean-Claude Biver, Chef von TAG Heuer und der LVMH-Uhrensparte. Ihm schwebt ein Forum über die Uhrenindustrie vor. Sein Vorschlag: Vertreter von Technologiefirmen aus dem Silicon Valley kommen in die Schweiz und diskutieren vor Publikum, was sie von herkömmlichen Uhren halten. «Das Unternehmen beschäftigt sich zu sehr mit der Optimierung und Amortisierung seines neuen Gebäudes, statt den Mut zu echten Fortschritten und tiefgreifenden Veränderungen aufzubringen», kritisierte seinerseits Swatch-Group-Chef Hayek mit Blick auf die MCH Group und den Messe-Neubau aus dem Jahr 2013. Weiter verlangte Hayek im Interview mit dem TV-Sender CNBC eine Öffnung der Messe. Die Baselworld könne nicht mehr so weitermachen wie bisher. Was er damit meint: «Etwas arrogant, etwas versnobt und nicht in der Lage, etwas Neues zu tun.»

Erstellt: 02.08.2018, 20:35 Uhr

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