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Wieso der echte Wolf der Wallstreet bei Apple aussteigt

Starinvestor Carl Icahn hat alle Aktien des iPhone-Herstellers verkauft. Seine Kritik an Apple-Chef Tim Cook.

Er hat alle seine Apple-Aktien verkauft: Der Grossinvestor Carl Icahn bei einem Fernsehinterview im Jahr 2014.
Er hat alle seine Apple-Aktien verkauft: Der Grossinvestor Carl Icahn bei einem Fernsehinterview im Jahr 2014.
Brendan McDermid, Reuters
Als er 2013 bei Apple einstieg, schoss der Aktienkurs um rund 5 Prozent in die Höhe. Bei seinem Verkauf ging der Kurs in die andere Richtung. (19. Mai 2015)
Als er 2013 bei Apple einstieg, schoss der Aktienkurs um rund 5 Prozent in die Höhe. Bei seinem Verkauf ging der Kurs in die andere Richtung. (19. Mai 2015)
Die jüngsten Zahlen Apples und die neuerlichen Aktienkursverluste haben Icahn dazu bewogen, seine 45,8 Millionen Anteilsscheine zu verkaufen. (19. April 2016)
Die jüngsten Zahlen Apples und die neuerlichen Aktienkursverluste haben Icahn dazu bewogen, seine 45,8 Millionen Anteilsscheine zu verkaufen. (19. April 2016)
Getty Images/Victor J. Blue
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Carl Icahn ist reich, sehr reich. Das Vermögen des 79-jährigen Wallstreet-Spekulanten wird auf über 20 Milliarden Dollar geschätzt. Nun hat der Starinvestor alle seine Apple-Aktien mit einem Gewinn von rund 2 Milliarden Dollar verkauft. Und wenn Carl Icahn investiert oder verkauft, bleibt die Reaktion der anderen Investoren nicht aus. Als er 2013 bei Apple einstieg, schoss der Aktienkurs um rund 5 Prozent in die Höhe. Bei seinem Verkauf ging der Kurs in die andere Richtung. Noch während seiner Bekanntgabe in einem Fernsehinterview mit dem Sender CNBC fiel der Kurs um knapp 3 Prozent.

Icahn begründet den Verkauf seiner Apple-Aktien mit Risiken im China-Geschäft. Apple hat gute Beziehungen zu China und beschäftigt viele Arbeiter dort. Gleichzeitig ist Apple auf gute Verkaufszahlen in China angewiesen. Die jüngsten Entwicklungen in China sind aber für Apple schlecht. Die Regierung hat Apples Film- und E-Book-Angebot gesperrt und damit klargemacht, dass sie verstärkt gegen den westlichen Einfluss vorgehen will.

Der Ausstieg Icahns ist bereits die zweite schlechte Nachricht für Apple in dieser Woche. Erstmals seit 13 Jahren verkündeteder iPhone-Hersteller sinkende Umsatzzahlen. Beim Kassenschlager iPhone ging der Absatz sogar erstmals seit der Markteinführung 2007 zurück. Als Grund nannte Chef Tim Cook die schwache globale Konjunktur und den Smartphone-Markt, der nicht mehr wachse. Daraufhin sank der Aktienkurs zeitweise um rund 7 Prozent.

Icahn mischt sich ein

Die jüngsten Zahlen Apples und die neuerlichen Aktienkursverluste haben Icahn dazu bewogen, seine 45,8 Millionen Anteilsscheine zu verkaufen. Schon in der Vergangenheit hat Icahn Apple mehrfach kritisiert. Er schrieb unter anderem in einem offenen Brief an Apple-Chef Tim Cook, dass die Aktie dramatisch unterbewertet sei, und forderte die Aufstockung des Aktienrückkaufprogrammes, weil Apple zu viel liquide Mittel habe.

Seit Jahrzehnten tritt Icahn aggressiv an den Finanzmärkten auf. Wenn sein Charakter in den Medien beschrieben wird, zitieren die Journalisten gerne den folgenden Satz: «Wenn du einen Freund willst, kaufe dir einen Hund.» Diesen Satz soll er einem Mitarbeiter der inzwischen nicht mehr existierenden US-amerikanischen Fluggesellschaft TWA gesagt haben. Diese hat Icahn in den Achtzigerjahren übernommen, zerlegt und zulasten des Personals einen Riesenprofit gemacht.

Icahn scheut keine grossen Namen. Immer wieder hat Icahn feindliche Übernahmen lanciert, und er versucht wie kein anderer, stets starken Einfluss auf Firmen zu nehmen, in die er investiert hat. Beispielsweise bei Time Warner, Yahoo und Lions Gate Entertainment, wo er sich öffentlich Kämpfe mit den Verwaltungsräten lieferte. Icahn stört fehlende Härte seiner Gegenspieler im Business. Über seinen Konkurrenten Bill Ackman sagte er einst: «In den Strassen von Far Rockaway hätte er nicht lange überlebt», mit Verweis auf seine raue Jugend im Aussenbezirk von Queens, dessen Bewohner als rau und kämpferisch gelten. Im September äusserte er sich wohlwollend zum US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump. Auch wenn er inhaltlich einige Differenzen mit ihm habe, könne Trump mit seiner rauen Art Washington aufrütteln, sagte Icahn in einem Video-Statement.

Nun hat er seine Apple-Anteile verkauft. Bis vor einigen Wochen bezeichnete er sein Engagement beim iPhone-Produzenten oft als etwas, das keiner Überlegung bedürfe. Icahn stellte in seinem Interview klar, dass sein Abgang nichts mit dem Management von Apple zu tun habe. Trotz früherer Kritik lobte er Tim Cooks Arbeit und bezeichnete Apple als grossartige Firma. Das Lob kommt wohl nicht von ungefähr. Sein dreijähriges Investment hat Icahn viel Geld eingebracht, sehr viel Geld. Der Aktienkurs stieg in dieser Zeit von rund 70 Franken auf 94,8 Franken.

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