«Wir fallen gegenüber den USA zurück»

UBS-Chef Sergio Ermotti sieht sein Institut als eines der wenigen in Europa, die von der Bewertung her mit der Konkurrenz in Übersee mithalten können. Von neuen Zielvorgaben hält er nichts.

«Fakt ist, dass das Umfeld anspruchsvoll ist», sagt Sergio Ermotti. Bild: Kostas Maros (13 Photo)

«Fakt ist, dass das Umfeld anspruchsvoll ist», sagt Sergio Ermotti. Bild: Kostas Maros (13 Photo)

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Ihr Ausblick für die zweite Jahreshälfte zeugt nicht eben von grosser Zuversicht. Was macht Sie so vorsichtig?
Ich finde nicht, dass mein Ausblick vorsichtig ist. Ich würde ihn als realistisch bezeichnen. Sie brauchen ja nur täglich durch die Medien zu surfen und zu blättern, um zu sehen, wo sich überall Unsicherheiten manifestieren. Hinzu kommt die Saisonalität im Bankgeschäft: Das dritte und vierte Quartal sind meist schwächer als das erste Halbjahr.

Wir interpretieren Ihren ­Ausblick so, dass das Wachstum der UBS im laufenden Jahr seinen Höhepunkt erreicht hat.
Das ist Ihre Interpretation. Fakt ist, dass das Umfeld anspruchsvoll ist, und natürlich wäre mir ein besseres lieber. Aber hinter unserem Ausblick verbirgt sich auch eine positive Botschaft ...

... mit welchem Inhalt?
So schwierig und herausfordernd die externe Situation auch ist, wir sind dennoch in der Lage, einen Mehrwert für unsere Aktionäre und Kunden zu schaffen. Bisher jedenfalls ist uns dies ganz gut gelungen.

Können Sie abschätzen, wie stark die zunehmenden welt- und handelspolitischen Spannungen das Wachstum ­der UBS beeinflussen?
Diese Einflüsse haben wir bereits im ersten und zweiten Quartal zu spüren bekommen. Für uns ist es immer noch recht gut gelaufen, dennoch bewegen wir uns in einem alles andere als idealen Umfeld. Wenn Sie an den aufkommenden Protektionismus denken – der wiederum das Wachstum in China dämpft –, wenn Sie sich die Entwicklung in Europa mit dem Brexit vor Augen halten: All das trägt dazu bei, dass sich die Investoren vorsichtig verhalten.

Wie drückt sich dies aus?
Nehmen wir als Beispiel die Verschiebungen in der Vermögensaufteilung in den USA: Laut einer Studie, die wir gerade mit sehr wohlhabenden Anlegern durchgeführt haben, wird wieder sehr viel stärker auf Liquidität gesetzt. Der Bargeldanteil erhöht sich im Vorjahresvergleich von 19 Prozent auf 24 Prozent – das ist ein gewaltiger Unterschied und untypisch für die USA. Als Vermögensverwalter bekommen wir dies zu spüren, weil die ­Leute weniger Transaktionen durchführen.

Und das schlägt entsprechend auf den Gewinn durch.
So ist es. Immerhin können wir in den USA heute einen Teil des Gewinnrückgangs kompensieren, weil dort die Zinsen gestiegen sind und wir nun auch mit Depositen etwas verdienen können. Davon sind wir in der Schweiz und Europa immer noch weit entfernt: Hier kostet uns Cash immer noch Geld.

Wie schwer wiegt für Sie der Abfluss von Kundengeldern in der US-Vermögensverwaltung?
Natürlich sind wir darüber nicht erfreut, und das darf sich im dritten und vierten Quartal nicht wiederholen. Allerdings müssen wir auch berücksichtigen, dass das vierte Quartal 2017 sehr stark und das erste Quartal 2018 erneut gut ausgefallen ist. Auf jeden Fall werden wir das Wachstumsziel bei den Kundengeldern von 2 bis 4 Prozent in diesem Jahr erfüllen können.

«Wer mehr Fantasie haben will, investiert vielleicht in Biotech-Firmen.»

Hat das fusionierte Vermögensverwaltungsgeschäft Ihre Erwartungen erfüllt?
Ja. Es wird aber ein bis zwei Jahre dauern, bis man die volle Wirkung sieht. Ein Beispiel, von dem wir uns einiges an Wachstum versprechen, sind unsere US-Kunden und auch die US-Bürger, die auf der ganzen Welt leben. Neu werden wir diese Kunden viel besser international bedienen. So können wir bei diesen Kunden wieder mit unseren US-Konkurrenten mithalten. Das Geschäft ist für uns seit dem automatischen Informationsaustausch einfacher geworden.

Auch wenn die UBS-Aktie nach Bekanntgabe der Quartals­zahlen zugelegt hat – seit einigen Jahren stagniert sie. Machen die Investoren Druck?
Wir sind eine der wenigen Bankaktien in Europa, die mit den US-Instituten mithalten können. Gegenüber unseren europäischen Mitbewerbern haben wir einen deutlichen Vorsprung. Wenn wir unsere Resultate liefern, dann wird sich das mit der Zeit in einer höheren Bewertung zeigen.

Müssen Sie heute die Bank dafür verteidigen, dass sie langweilig geworden ist?
Eine gewisse Langeweile gehört zu einer gut geführten Bank. Wer mehr Fantasie haben will, investiert vielleicht in Biotech-Firmen oder Start-ups.

Präsentieren Sie am ­Investorentag im Oktober eine neue Geschichte, um die Aktie aus ihrer Lethargie zu holen?
Wenn unsere Aktie lethargisch sein soll, dann befinden sich diejenigen von einigen Banken fast schon im Tiefschlaf. Am Investorentag werden wir keine neue Strategie vorstellen. Wir haben klar definierte Ziele, und wir werden erklären, wie wir sie erreichen. Neue Ziele gibt es erst, wenn wir die alten erreicht haben.

Die US-Banken ziehen im Investmentbanking davon. Können Sie da nur noch ­zuschauen?
Nein, das tun wir natürlich nicht. Aber wir fokussieren uns. In drei Vierteln aller Geschäftsbereiche, in denen unsere Investmentbank tätig ist, gehört sie weltweit zu den Top 5.

Die US-Banken wachsen nicht nur rasant. Sie zahlen auch enorme Löhne. Sieht sich die UBS da im Nachteil?
Es gibt einen Nachteil. Ab und zu geht jemand zur Konkurrenz, aber nicht unbedingt, weil es dort mehr Geld gibt, sondern weil es einfacher ist, mit einer grossen Bilanz Kunden zu gewinnen. Wir müssen agiler und cleverer sein, um gleichzeitig Mehrwert für unsere Kunden wie auch für unsere Aktionäre zu schaffen. 

Was fehlt Europas Banken?
Es fehlt die kritische Masse. Wir fallen gegenüber den USA und Asien zurück. Die Grösse der Banken ist ein wichtiger Faktor.

JP Morgan ist fünfmal mehr wert als die UBS. Denken Sie in schlaflosen Nächten darüber nach, dass die UBS übernommen werden könnte?
Ich habe keine schlaflosen Nächte, und schon gar nicht deswegen. Es macht aber keinen Sinn, solche Szenarien zu kommentieren. 

US-Präsident Donald Trump griff jüngst die US-Notenbank heftig an. Die Nationalbank wird kaum kritisiert. Wie beurteilen Sie den Unterschied?
Was in der Schweiz vielleicht zu wenig gemacht wird, wird heute in den USA übertrieben. Ich glaube aber nicht, dass mit so einer Intervention viel erreicht wird. Wenn überhaupt, wird die US-Notenbank nun wahrscheinlich das Gegenteil tun, um ihre Unabhängigkeit zu unterstreichen.

Sollen Politiker mehr über die Politik der SNB diskutieren?
Sicher nicht bei der Geldpolitik. Aber durchaus bei Themen wie Stabilität und Regulierung.

Erstellt: 24.07.2018, 21:55 Uhr

Teurer Rechtsstreit günstig beigelegt

Ergebnis Die UBS hat im zweiten Quartal 2018 mehr verdient als im Vorjahr. Sowohl die globale Vermögensverwaltung als Kerngeschäft als auch die Investmentbank schnitten besser ab als vor einem Jahr. Einziger Wermutstropfen war der leichte Geldabfluss. Insgesamt verdiente die grösste Schweizer Bank in der Periode von April bis Juni vor Steuern 1,7 Milliarden Franken, 12 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch in der Vermögensverwaltung lief es der Grossbank gut. Im Berichtsquartal verdiente die UBS in ihrer wichtigsten Division mehr als 1 Milliarde Franken. Das ist ein Plus von 18 Prozent. Die höheren Kundenvermögen und eine verbesserte Zinsmarge waren Treiber.

Zwar flossen in der Einheit Kundengelder von 1,2 Milliarden Franken ab, dafür waren Sondereffekte verantwortlich. Insgesamt zog die Bank in den ersten sechs Monaten aber Netto­neugelder von 17,7 Milliarden Franken an. Nicht nur die Vermögensverwaltung lief gut, auch das Investmentbanking legte zu. Die Sparte erzielte einen um ein Viertel höheren Vorsteuergewinn von 569 Millionen Franken.

Die UBS kann zudem einen bedeutenden Rechtsfall erledigen. Sie hat sich im Zusammenhang mit hypothekenbesicherten Wertpapieren (RMBS) mit den US-Behörden geeinigt. Im Rahmen der Vereinbarung werde die UBS 850 Millionen Dollar bezahlen und die Angelegenheit damit abschliessen, hiess es heute. Ein signifikanter Teil des Betrags werde von Drittparteien bezahlt, welche die UBS schadlos halten. Die Einigung müsse noch vom zuständigen Gericht genehmigt werden, so die UBS. (sda)

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