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«Wir Schweizer bezahlen ja gerne mehr für schlechtes Fleisch»

Die «Kassensturz»-Enthüllung über abgelaufenes Fleisch in Coop-Filialen weckt die Emotionen der Leser. Einzelne Kunden wussten es schon länger, andere entscheiden sich nun für den Einkauf über der Grenze.

Fehlende Richtlinien für den Verkauf von rohem Fleisch: Verpacktes Fleisch in einer Coop-Filiale.
Fehlende Richtlinien für den Verkauf von rohem Fleisch: Verpacktes Fleisch in einer Coop-Filiale.
Keystone

René Suter hatte heute ein Aha-Erlebnis: «Jetzt weiss ich endlich, warum ich im Juli Magenprobleme hatte.» So auch Hans Meier: «Das marinierte Grillfleisch kam mir stets etwas trocken vor. Jetzt ist mir klar, dass man mich veräppelt hat. Danke Coop!»

Die beiden Leser beziehen sich auf die gestrige «Kassensturz»-Enthüllung über abgelaufenes Fleisch in einzelnen Coop-Filialen. Der Aufschrei ist gross und könnte den Grossverteiler tatsächlich den einen oder anderen Kunden kosten. Marco Schwarz etwa ist ausser sich vor Wut und verkündet den persönlichen Boykott: «Adios Coop!» Leserin Lidja Jametti fühlt sich in ihren bisherigen Beobachtungen bestätigt: «In den Coop-Theken sieht das Fleisch meist grün, dunkelrot bis verkrustet aus.» Sie kaufe kein Fleisch mehr dort.

Verbindliche Richtlinien fehlen

Rudolf Berens gibt zu bedenken, dass Coop vermutlich nicht die einzige Ladenkette sei, in der das Fleisch nicht mehr ganz frisch ist: «Das Problem ist nicht Coop, sondern die Vorschriften, die in der Schweiz schlicht und einfach ungenügend sind», schreibt der Leser. Robert Herz ist der gleichen Meinung: «Naiv, wer glaubt, bei der Migros oder beim ‹Metzger des Vertrauens› laufe das anders.» Es würden ganz einfach die verbindlichen Richtlinien fehlen, wie lange welches Fleisch überhaupt roh verkauft werden könne, meint der Leser.

Für Natascha Rutschmann gibt es eigentlich nur eine Lösung, sich dem Etikettenschwindel zu widersetzen: einkaufen im Ausland. Dort sei zwar das Fleisch «nicht frischer», jedoch würden die Kunden dort auch «nicht abgezockt». Barbara Huber folgt dem Aufruf auf zynische Weise: «Wir Schweizer bezahlen ja gerne mehr für schlechtes Fleisch.» Künftig gehe auch sie über die Grenze und kaufe dort ein.

Jäger fühlt sich «privilegiert»

Für Kurt Müller erübrigt sich dieser Schritt. Jedoch nur, weil er bereits auf der anderen Seite der Grenze lebt: «Danke Gott, dass ich meinen Wohnsitz nicht mehr in der Schweiz habe, wo ich erst beim Preis und dann bei der Qualität über den Tisch gezogen werde.» Auch Andreas Tag fühlt sich im Vorteil: Wie sei er doch als Jäger «privilegiert», ab und an Wildbret von selbst erlegtem Reh oder Wildsau zu konsumieren.

Andere Leser versuchen den Fall nicht zu dramatisieren: Nur weil das Fleisch abgelaufen sei, müsse es nicht verdorben sein. Er habe nichts davon gehört, dass die Produkte schlecht oder ungeniessbar gewesen seien. «Gammelfleisch ist Fleisch, welches verdorben ist. Dieser Vergleich ist unhaltbar», schreibt Ernst Saxer. Daniel Zollinger vermutet, dass die Attacken gegen Coop auf Rachegelüsten basieren. Die Metzger, die gegenüber «Kassensturz» von den Vorfällen berichteten, seien allesamt entlassen worden. «Es verwundert kaum, dass diese nun selbst ein wenig gammlig sind.»

«Die Leute bei Coop sollten nun mariniert werden»

Andere Leser denken in grösseren Zusammenhängen. Für Marc Gubler ist die Enthüllung die logische Fortsetzung der aktuellen Wirtschaftskrise: «Erst die Banker und nun die Metzger. Egal aus welcher Wirtschaftssparte; Beschiss am Kunden ist heute die Regel.» Peter Steiner fordert Sanktionen: «Eigentlich sollten die Leute bei Coop nun mariniert werden.»

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