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«Wir sind der David, die US-Banken sind der Goliath»

UBS-Chef Sergio Ermotti ist über die Grössenunterschiede zwischen UBS und US-Banken besorgt.

«Der europäische Bankenmarkt ist zu zersplittert»: Sergio Ermotti. Foto: Reuters
«Der europäische Bankenmarkt ist zu zersplittert»: Sergio Ermotti. Foto: Reuters

UBS-Chef Sergio Ermotti ist zufrieden mit seiner Bank. Sie erwirtschaftete im ersten Quartal einen Gewinn von 1,5 Milliarden Franken. Dazu trugen vor allem das Vermögensverwaltungsgeschäft und die wieder erstarkte Investmentbank bei. Doch im Vergleich zu den wichtigsten US-Banken nimmt sich die grösste Schweizer Bank bescheiden aus.

Die grossen US-Banken vermelden wieder Gewinne wie vor der Finanzkrise. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg haben die grössten sechs US-Geldhäuser im ersten Quartal insgesamt ein Plus von mehr als 30 Milliarden Dollar ausgewiesen. Allein der UBS-Rivale Morgan Stanley zum Beispiel verdiente im ersten Quartal rund 2,7 Milliarden Dollar.

Die Wallstreet-Banken profitieren nicht nur von der gut laufenden US-Wirtschaft, sondern auch von den tieferen Steuersätzen. Laut Bloomberg kommen die Banken alleine dadurch auf einen höheren Gewinn von rund 3 Milliarden Dollar. Besonders die Investmentbanken haben die Erwartungen der Experten bei weitem übertroffen. Die oft unberechenbare Politik von US-Präsident Donald Trump sorgt für heftige Marktausschläge und damit hohe Einnahmen bei den Handelsabteilungen.

Die US-Konkurrenz ist für UBS-Chef Sergio Ermotti enteilt. «Im Vergleich mit den US-Banken spielen wir in der Investmentbank heute David gegen Goliath. Und wir sind der David», so der UBS-Chef gegenüber dieser Zeitung.

Immerhin könne die Bank mit ihrem gezielten Ansatz gute Renditen erzielen. Die US-Banken verfügen über einen bedeutenden Heimmarkt, aus dem sie die kritische Masse gewinnen. Die Amerikaner können ihre grösseren Bilanzen im globalen Wettbewerb zum eigenen Vorteil einsetzen. Sollte es aber zu einer Dominanz der US-Häuser kommen, bärge dies Risiken für Schweizer Firmen.

Denn während der Finanzkrise zogen sich US-Banken schlagartig aus Europa zurück und kürzten ihre Kreditlinien für hiesige Firmen. Mit den US-Riesen kann die europäische Konkurrenz nicht mithalten. «In Europa ist der Bankenmarkt immer noch zu zersplittert. Das Fehlen einer Bankenunion verhindert, dass es europäische Banken gibt, die gross und fokussiert genug sind, den US-Häusern Paroli zu bieten», so Ermotti. Eine Konsolidierung der europäischen Bankenlandschaft könnte laut dem UBS-Chef dieses Problem lösen.

Hildebrand mahnt Tempo an

Die Debatte um die Bankenunion hat in der EU erst vor kurzem wieder Fahrt aufgenommen. Mit Philipp Hildebrand hat sie einen weiteren Fürsprecher aus der Schweiz. «Ein paneuropäisches Bankensystem kann helfen, den Teufelskreis aus schwachen Banken, schwacher Kreditvergabe, schwachem Wachstum und schwachen Staatsfinanzen zu durchbrechen», so der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank und heutige Vizechef bei Blackrock gegenüber dem «Spiegel». Die Bankenunion sei der dringendste Teil der europäischen Reformagenda, aber er sei machbar.

Die Bankenunion wurde 2014 beschlossen, aber erst zum Teil umgesetzt. So wurde die Aufsicht über die Spitzeninstitute der Europäischen Zentralbank übertragen. Weitere Elemente sind ein zentraler Abwicklungsmechanismus sowie eine gemeinsame Einlagensicherung. Letztere fehlt noch.

Die Marktzersplitterung in Europa hat trotz der Bemühungen eher zugenommen. Daher plädiert Hildebrand vor allem für eine stärkere Vereinheitlichung von Regeln, um grenzüberschreitende Fusionen zu erleichtern.

Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron setzte sich bei seinem Staatsbesuch in Deutschland für die Bankenunion ein. Beobachter weisen darauf hin, dass Frankreich mit BNP Paribas eine Grossbank in guter Verfassung hat, welche durch Zukäufe ihre Dominanz ausbauen könnte. Die Deutsche Bank dagegen steckt seit Jahren in der Dauerkrise. Zudem gibt es in Deutschland die Sorge, dass über die Schaffung einer europäischen Einlagensicherung Deutschland für Krisenbanken aus Italien und Griechenland haften müsste.

In der Finanzkrise zeigte sich, dass in Schieflage geratene Banken nicht für einzelne Mitgliedstaaten, sondern für die gesamte EU zum Problem werden können. Die Bankenunion soll dieses Problem lösen. Das Vorhaben gilt als eines der wichtigsten und komplexesten Projekte der EU. Sollte die europäische Bankenunion einmal greifen, hätte sie auch Auswirkungen auf Schweizer Geldhäuser. So ist davon auszugehen, dass sie für ihre Tochterfirmen in der EU gelten wird und sich die Vorschriften weiter angleichen werden. Doch bis das Projekt vollendet ist, werden die US-Banken immer reicher und mächtiger.

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