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«Wir versuchen, so viel wie möglich von dem Geld wieder zu erhalten»

Raiffeisen-Präsident Guy Lachapelle nimmt nach der Publikation des Berichts zur Affäre Vincenz Stellung.

«Den Maximalschaden von 300 Millionen Franken sehen wir ziemlich klar»: Verwaltungsratspräsident Guy Lachapelle.
«Den Maximalschaden von 300 Millionen Franken sehen wir ziemlich klar»: Verwaltungsratspräsident Guy Lachapelle.
WALTER BIERI/Archivbild, Keystone

Angesichts des Riesenschadens durch die Einkaufstour von Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz prüft die Bankengruppe, ob sie Regress nehmen soll. «Wir versuchen, so viel wie möglich von dem Geld wieder zu erhalten», sagte Verwaltungsratspräsident Guy Lachapelle am Dienstag.

«Wir betrachten es als unsere Aufgabe, den Schaden für Raiffeisen möglichst klein zu halten», sagte Lachapelle in einer Telefonkonferenz zum Untersuchungsbericht des unabhängigen Wirtschaftsprofessors Bruno Gehrig über die Vorgänge in der Ära Vincenz. Der Maximalschaden belaufe sich für Raiffeisen auf 300 Millionen Franken. Da habe man alle Altlasten reingepackt, um nicht an der Bilanzmedienkonferenz am 1. März mit unliebsamen Überraschungen aufwarten zu müssen.

Für die Regressansprüche habe Raiffeisen ein Gutachten in Auftrag gegeben. Wenn dieses vorliege, werde der Verwaltungsrat über die Rückforderungen entscheiden, sagte Lachapelle, der seit Mitte November im Amt ist.

Dafür brauche man aber alle Informationen, inklusive der Ergebnisse der Strafuntersuchung durch die Zürcher Staatsanwaltschaft. Von allfälligen Regressforderungen sei niemand ausgeschlossen, auch nicht Patrik Gisel, der jahrelang die Nummer zwei hinter Pierin Vincenz war und schliesslich zum Chef aufgestiegen war. Zudem werde die Verantwortlichkeit der Revisionsstelle geprüft. Diese war während gut eines Jahrzehnts PricewaterhouseCoopers. Raiffeisen Schweiz hat bereits angekündigt, das Prüfungsmandat neu auszuschreiben.

Unprofessionelle und schlechte Arbeit

«Wir gehen nicht davon aus, dass noch mehr Geld abgeflossen ist», sagte Lachapelle. «Den Maximalschaden von 300 Millionen Franken sehen wir ziemlich klar.» Der dürfte sich nicht erhöhen, auch wenn die Wertberichtigungen noch nicht ganz abgeschlossen seien.

Die Handhabung der Beteiligungs- und Diversifikationsstrategie durch Verwaltungsrat und Geschäftsleitung in der Ära Vincenz sei einfach unprofessionell gewesen. So sei beispielsweise beim Kauf von Beteiligungen kein vertiefter Blick in die Bücher gemacht worden (sog. Due Diligence). «Hier wurde schlecht gearbeitet. Das ist die grosse Enttäuschung», sagte Lachapelle.

Strafrechtliche oder aufsichtsrechtliche Verfehlungen habe der Gehrig-Bericht allerdings keine festgestellt. Dennoch habe man eine klar Zäsur vorgenommen. Alle Personen, welche die Geschäfte von 2012 bis 2015 zu verantworten hätten, seien nicht mehr in der Geschäftsleitung, sagte Lachapelle: «In den letzten Wochen haben fünf Personen die Geschäftsleitung verlassen.»

Diese erhielten weiterhin ihren Lohn. «Die haben alle Kündigungsfristen», sagte der Verwaltungsratspräsident. Es gebe keine Gründe für fristlose Entlassungen.

Bonussystem wird geändert

Für einen Posten laufe derzeit das Besetzungsverfahren. Bei den anderen werde man vorher überprüfen, ob die Organisationsstruktur richtig aufgestellt sei. Bis im Sommer solle die Geschäftsleitung wieder komplett sein, sagte Lachapelle. Die Bank wolle einen Kulturwandel. Und der brauche Zeit. «Wir wollen auf oberster Managementstufe Leute, die eine neue Kultur prägen können», sagte Lachapelle. Einen wichtigen Einfluss habe das Anreizsystem. «Dieses wird den heutigen Anforderungen nicht gereicht. Wir werden das Vergütungsmodell überprüfen und anpassen», sagte Lachapelle. Zudem werde ein neuer Verhaltenskodex eingeführt.

Und die Checks and Balances – also die gegenseitigen Kontrollen – durch den Verwaltungsrat werden ausgebaut. «Der Verwaltungsrat wird kritische Fragen stellen und sich nicht mehr einwickeln lassen», sagte Lachapelle. Die Oberaufsicht des Verwaltungsrates über Pierin Vincenz habe schwere Mängel gehabt, stellte der Gehrig-Bericht fest.

Von Beteiligungen wolle man sich trennen. So komme der Anteil an Leonteq und am Gemeinschaftsunternehmen Arizon, das mit dem IT-Unternehmen Avaloq betrieben wird, auf den Prüfstand, sagte Lachapelle.

SDA/fal

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