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Youtube kassiert mehr Werbegelder als die gesamte TV-Konkurrenz

Google legt erstmals Zahlen zu den Einnahmen der Videoplattform vor. Sie beeindrucken – doch bei einer wichtigen Kennziffer liegt Facebook vorn.

Walter Niederberger
Youtube wächst: Die Grenzen sind noch nicht ausgereizt, glaubt Alphabet-Chef Pichai. Foto: Keystone
Youtube wächst: Die Grenzen sind noch nicht ausgereizt, glaubt Alphabet-Chef Pichai. Foto: Keystone

19 Sekunden dauerte das erste Video auf Youtube. Einer der Firmengründer zeigte sich im Zoo und kommentierte die «wirklich, wirklich lange Frontseite» der Elefanten. Mehr als 84 Millionen Menschen haben das Video seither gesehen, und der damalige Konzernchef von Google, Eric Schmidt, sollte recht behalten: «Youtube ist der nächste Schritt in der Entwicklung des Internet.» Google macht mit Youtube heute mehr Geld als sämtliche US-Fernsehstationen zusammen und erreicht weltweit mehr als 2,3 Milliarden Zuschauer. Die Dominanz dürfte noch grösser werden, da Google diese Werbequelle bei weitem nicht ausschöpft.

Am Anfang war die Videoplattform die Idee von drei Angestellten der Zahlungsplattform Paypal. Heute ist die Google-Tochter der dominierende Videokanal der Welt. Google veröffentlichte nun zum ersten Mal detaillierte Einnahmen von Youtube. Sundar Pichai, der vor kurzem die Führung des Mutterkonzerns Alphabet übernommen hatte, gab damit dem Druck von Analysten und Investoren nach, die genauer wissen wollen, wie profitabel die verschiedenen Konzernteile sind.

Die Investition hat sich fast verzehnfacht

Die Zahlen sind eindrücklich: Youtube erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 15 Milliarden Dollar, gut 30 Prozent mehr als 2018 und neunmal mehr, als Google 2005 für den Videokanal bezahlt hatte. Die Investition hat sich mehr als gelohnt.

Die heutige Youtube-Chefin Susan Wojcicki war es, die 2005 auf dem damals noch unbekannten Kanal mit nur 60 Angestellten ein Video mit zwei Buben entdeckte, die einen Song der Backstreet Boys imitierten. Sie ahnte, dass damit Geld zu machen war, und überzeugte die Firmengründer zum Kauf. Larry Page und Sergey Brin erwarben den Videokanal für 1,65 Milliarden Dollar und bauten ihn in Windeseile aus.

Das Wachstum beschleunigte sich. Ein Jahr später schon meldete Youtube 100 Millionen Zuschauer pro Tag. Heute ist der Videokanal nach Google, aber vor Facebook die am zweitmeisten besuchte Website weltweit. Doch die Grenzen sind noch nicht ausgereizt, glaubt Alphabet-Chef Pichai. Am meisten Geld mache zwar weiterhin die klassische Markenwerbung, sagte der Konzernchef diese Woche. «Allerdings ist der Raum für Kundenwerbung bei weitem nicht ausgeschöpft. Dies bildet ein riesiges Wachstumspotenzial für uns.».

Google muss die Konkurrenz von Netflix nicht fürchten, da Netflix mit Gebühren finanziert wird und nicht im Werbemarkt mitmischt.

Wie gross der Spielraum ist, zeigt ein Vergleich mit Facebook. Der Zuckerberg-Konzern erzielt mit jedem Nutzer 24 Dollar Werbeeinnahmen pro Jahr. Bei Youtube sind es nach Berechnungen der Credit-Suisse-Analysten dagegen erst 6.60 Dollar. Zudem muss Google die Konkurrenz von Netflix nicht fürchten, da Netflix mit Gebühren finanziert wird und nicht im Werbemarkt mitmischt. Unklar ist aber, wie viel Gewinn der Konzern mit Youtube wirklich macht. Der «grösste Teil» der Einnahmen komme den aussenstehenden Videoproduzenten zugute, sagte Finanzchefin Ruth Porat, ohne dies weiter zu erklären.

Obwohl Youtube wächst, enttäuschte Google die Anleger, da der Konzern zum neunten Mal in zehn Quartalen einen geringeren Betriebsgewinn ausgewiesen hat als erwartet. Zudem hatten die meisten Analysten mehr von Youtube erwartet. Die Credit Suisse etwa hatte den Umsatz um zehn Milliarden höher veranschlagt.

Kampf gegen Deepfakes

Googles Geschäft mit Suchanzeigen ist zwar gewinnbringend, wächst aber langsamer, da die sozialen Medien und der E-Commerce mehr Möglichkeiten geben, ein breites Publikum zu erreichen. Die Suchmaschine brachte letztes Jahr 98 Milliarden Dollar ein, sechsmal mehr als Youtube und zehnmal mehr als die Google-Cloud, die allerdings erst im vergangenen Jahr gestartet wurde und erst wenige Grosskunden wie die Deutsche Börse gewonnen hat.

Youtube ist kein gesicherter Aktivposten für Google. Der Konzern musste sich letztes Jahr an allen Fronten gegen die Kritik wehren, wonach Youtube die Verbreitung toxischer Videos und irreführender Informationen ungenügend überwache und limitiere. Wie prekär die Lage für den Konzern geworden ist, zeigte ein Blogbeitrag, der diese Woche am Vortag der Vorwahlen in Iowa publiziert wurde. Demnach will Youtube verfälschte Videos in der Form von «Deepfakes» und politische Beiträge mit offenkundig falschen Informationen über Kandidaten entfernen. Letztes Jahr zum Beispiel tauchte ein manipuliertes Video der demokratischen Mehrheitsführerin im Kongress, Nancy Pelosi, auf Youtube auf. Es machte glauben, dass sie betrunken war, und wurde von Rechtspopulisten im Internet zur Stimmungsmache missbraucht, bevor Youtube es entfernte. Das Geschäft mit TV hat vor allem im Internet seine Tücken.

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