Zettelt Kuoni einen Preiskampf auf dem Reisemarkt an?

Nach der Übernahme des Schweizer Reisebürogeschäfts von Kuoni beabsichtigt die deutsche DER Touristik, bei den Pauschalreisen aufzutrumpfen. Sie spricht von «preislich sehr attraktiven» Produkten.

Kuoni wird bald den Katalog für die neue Badesaison veröffentlichen. Touristen auf den Malediven. Foto: G. Amarasinghe (Keystone)

Kuoni wird bald den Katalog für die neue Badesaison veröffentlichen. Touristen auf den Malediven. Foto: G. Amarasinghe (Keystone)

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Die Transaktion ist symbolträchtig: Letzte Woche hat der Kuoni-Konzern erst seinen Hauptsitz verkauft. Für 75 Millionen Franken ging die Liegenschaft an die Zürcher Kantonalbank. Dann meldete das Unternehmen, dass der Verkauf des Reisegeschäfts in Indien an Fairfax und Thomas Cook India abgeschlossen werden konnte. Es waren die vorläufig letzten Etappen im Radikal­umbau des Reisekonzerns.

Zuvor war das gesamte europäische Reiseveranstaltungsgeschäft mit den Schweizer Reisebüros und Marken wie Helvetic Tours, Manta Reisen oder Railtour an den deutschen Handelskonzern Rewe verkauft worden beziehungsweise an dessen Reisedivision DER Touristik. Dazu gehört auch das Recht, den Namen Kuoni für die nächsten 50 Jahre zu nutzen. Während bereits Gerüchte um eine weitere Aufspaltung der verbliebenen Kuoni-Unternehmensteile die Runde machten, versucht die nach Deutschland verkaufte Sparte Tritt zu fassen.

Die bis jetzt augenfälligste Änderung für das Reisegeschäft seit Beginn der neuen Ära unter deutscher Führung ist die Umstellung an der Spitze. Die Leitung von Kuoni Schweiz, wie dieses Geschäft weiterhin heissen darf, ist von acht auf vier Köpfe halbiert worden. Gemäss dem neuen Organigramm wurden vier frühere Mitglieder der Geschäftsleitung zurückgestuft. Ein Stabsmitarbeiter wurde befördert und einer hat das Unternehmen verlassen.

Vom Konzern zu einem KMU

Als Geschäftsführer amtet wie bereits vor dem Verkauf Marcel Bürgin. «Kuoni Schweiz ist seit dem Verkauf an DER Touristik kein global tätiges Unternehmen mehr. Wir wandeln uns vom Konzern zum KMU», begründet Sprecher Marcel Schlatter die Massnahme. Ein KMU mit über 1200 Mitarbeitenden wohlgemerkt.

Der Umbau an der Spitze gab intern einiges zu reden – doch die Mitarbeitenden begrüssen in erster Linie, dass es endlich vorwärtsgeht, wie mehrere Quellen schildern. Am schlimmsten für die Schweizer Angestellten waren die Monate, nachdem am 14. Januar der Kuoni-Konzern bekanntgegeben hatte, dass das Reiseveranstaltungsgeschäft verkauft würde. Im Juni konnte dann der Deal mit Rewe präsentiert werden und Mitte September bewilligten die Wett­bewerbsbehörden die Übernahme.

Die Ungewissheit hat Kunden verunsichert und sie von Buchungen abgehalten, wie das Unternehmen einräumt: «Die Kunden hielten sich zurück, weil unsere Zukunft nicht klar war. Doch jetzt können wir vorwärts schauen», sagt Sprecher Schlatter. Diese Turbulenzen fanden in einem Umfeld statt, das sowieso schon garstig ist. Die Preise im Reisegeschäft sind ­unter Druck. Die Margen ebenfalls, denn die Aufhebung des Euromindestkurses und die darauffolgenden Preisanpassungen haben die Situation verschärft. ­Sparen ist angesagt. Hotelplan beispielsweise motiviert seine Mitarbeiter dazu, unbezahlten Urlaub zu beziehen, wie das Branchenmagazin «Travel Inside» in der letzten Ausgabe berichtete.

Auf dem Schweizer Reisemarkt stehen sich mit Hotelplan Suisse, Kuoni Schweiz und TUI Suisse drei grosse Anbieter gegenüber, die je über 500 Millionen Franken Umsatz machen. Nach TUI Suisse wird nun auch Kuoni Einkaufsvorteile aufgrund der Verbindung zu einem grossen Mutterhaus in Deutschland ausspielen können. Auf europäischer Ebene ist DER Touristik nach der Übernahme von Kuoni mit geschätzten 7 Milliarden Euro Umsatz zur Nummer drei geworden, Marktführer ist der deutsche TUI-Konzern mit über 20 Milliarden Euro Umsatz, gefolgt von Thomas Cook mit knapp 11 Milliarden Euro.

Konkurrenz wartet ab

Wenn jetzt mit Kuoni einer der drei grossen Schweizer Reiseanbieter einen Preiskampf anzettelt, kann das für die Konkurrenten ungemütlich werden. Noch gibt man sich gelassen: «Wir sind gespannt auf den neuen Auftritt von Kuoni. Angst vor deutschen Preisen haben wir nicht», heisst es bei Hotelplan.

Alles deutet darauf hin, dass Kuoni die neuen Einkaufskonditionen in Deutschland auf den Preis umsetzen wird. Im Moment wird bei Kuoni die Pauschal- und Last-Minute-Marke Helvetic Tours in Position gebracht. In der zweiten Januarwoche wird der Katalog für die kommende Badesaison erscheinen, mit «einer Vielzahl neuer und preislich sehr attraktiver Produkte», wie es heisst. Bereits ab Anfang Januar wird Helvetic Tours an das Buchungssystem von DER Touristik angeschlossen. Überraschend früh, merkt ein Brancheninsider an. Man habe damit gerechnet, dass die Zusammenführung der Informatiksysteme noch Monate dauern werde.

Tatsächlich wird die Anbindung der gehobeneren Marken Kuoni und Manta Reisen an das Buchungssystem Phoenix Unlimited von DER Touristik noch länger dauern. Laut Sprecher Schlatter hofft man, für die Wintersaison 2016/2017 parat zu sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2015, 22:51 Uhr

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