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Zockerchefin zahlt sich 265 Millionen Pfund aus

Schon letztes Jahr wurde Denise Coates’ Lohn beim britischen Online-Wettbüro Bet365 als «irrwitzig» bezeichnet. Nun setzt sie noch einen drauf.

Caroline Freigang
Bestbezahlte Chefin Grossbritanniens: Denise Coates.
Bestbezahlte Chefin Grossbritanniens: Denise Coates.
Pool New, Reuters

Als sich Denise Coates, Chefin des Wettbüros Bet365, letztes Jahr 217 Millionen Pfund auszahlte, schlug ihr viel Ärger entgegen. Briten nannten die Summe verrückt, sprachen vom «Endstadium des Kapitalismus». Jetzt setzt Coates noch einen drauf und zahlt sich ganze 265 Millionen Pfund aus (rund 339 Millionen Franken). 220 Millionen davon entsprechen dem Basislohn, weitere 45 Millionen sammelte sie in Dividenden ein. Coates hält über 50 Prozent der Aktien an Bet365.

Die Summe entspricht etwa einem Drittel der jährlichen Wetterlöse des Unternehmens. Coates ist damit die bestbezahlte Chefin Grossbritanniens. Ihr Lohn ist 9500-mal höher als das, was der durchschnittliche Brite verdient, und entspricht rund 1700-mal dem, was Theresa May erhält. Die Premierministerin verdient laut Wageindicator.co.ok etwa 150'402 Pfund im Jahr.

27-mal mehr als der Apple-Chef

Auch verglichen mit anderen Managern ist Coates’ Lohn hoch. Etwa 27-mal höher als der von Apple-Chef Tim Cook, der im letzten Jahr 12,8 Millionen Dollar erhielt. Und Apple ist mit etwas unter einer Billion Dollar immerhin der wertvollste Konzern der Welt.

Coates’ atemberaubendes Gehalt sei verantwortungslos und übertrieben, sagte Vince Cable, Parteichef der Liberal Democrats, dem «Guardian». Solche Summen seien grundsätzlich schwer zu rechtfertigen – vor allem, weil das Geld von Leuten käme, die mit Spielsuchtproblemen kämpften. Auch Luke Hildyard vom Thinktank High Pay Centre sagte: «Warum muss jemand, der bereits ein Milliardär ist, einen solch obszönen Geldbetrag aus seinem Unternehmen nehmen? Es ist schwierig, einen anderen Grund als Gier zu nennen.»

«Wie kann sie noch schlafen?»

Auch in sozialen Medien regen sich Nutzer über Coates’ Lohn auf: «Wie kann Denise Coates noch schlafen? Sie holt Cash rein, während ihr Geschäft Leben zerstört. 50'000 unter 16-Jährige sind in Grossbritannien glücksspielabhängig», schreibt dieser Nutzer auf Twitter.

Ein andere Nutzer twittert: «Denise Coates erhält 265 Millionen Pfund am selben Tag, an dem bekannt wird, dass sich Glücksspiel bei Kindern in den letzten zwei Jahren vervierfacht hat.»

Zuletzt hatte eine Studie der britischen Glücksspielkommission gezeigt, dass 450'000 Kinder zwischen 11 und 16 Jahren regelmässig zockten – mehr als solche, die Drogen nehmen, rauchen oder Alkohol trinken. 50'000 davon sollen ein Spielproblem haben, weitere 70'000 gefährdet sein, ein solches zu entwickeln.

Nichts an Suchtorganisationen gespendet

Coates selbst kommentierte ihren Lohn nicht. Aktionären sagte sie, eine höhere Vergütung des Einzelnen sei Schlüssel zur Entwicklung der Unternehmensstrategie, die den Konzern erfolgreich vorangebracht habe. Die Personalkosten seien im Geschäftsjahr von 490 auf 646 Millionen Pfund gestiegen.

Bet365 überwies im letzten Jahr zudem 75 Millionen Pfund an die Denise Coates Foundation. Die Stiftung fördert vor allem medizinische und Bildungsorganisationen. An Suchtorganisationen im Bereich Glücksspiel wurde nichts gespendet.

Vermögen von 3,6 Milliarden Dollar

Die heute 51-jährige Coates startete ihre Karriere als Aushilfe in einem der Wettbüros ihres Vaters. Mit 22 wurde sie Chefin der Kette. Nach dem Studium der Ökonometrie an der Sheffield-Universität erweiterte sie die Anzahl der Wettstudios ihrer Familie auf knapp 50 Büros. Um die Jahrtausendgrenze kaufte sie auf Ebay dann die Domain Bet365.com für 25'000 Dollar. Das Business lancierte sie aus einem temporären Büro in einem Parkhaus ihrer Heimatstadt Stoke-on-Trent.

Mittlerweile schätzt «Forbes» ihr Vermögen auf rund 3,6 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das von Starunternehmer Richard Branson liegt bei rund 4,9 Milliarden Dollar. Denise Coates gehören knapp über 50 Prozent ihrer Firma. Insgesamt 93 Prozent liegen im Familienbesitz – Teile besitzen ihr Bruder, ihr Vater und ihr Mann.

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