Zu nackt? Putin kämpft gegen britische Studenten

Der freizügige Kalender eines Ruderclubs bleibt am russischen Zoll hängen. Liegts am Gesetz gegen «LGBT»-Propaganda?

Nackte Tatsachen: Mitglieder der Warwick Rowers.

Nackte Tatsachen: Mitglieder der Warwick Rowers. Bild: Warwick Rowers

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Zumindest ein paar Dinge haben sie gemeinsam: Sie zeigen sich oft oben ohne, treiben Sport und verbringen gerne Zeit in der Natur. Dennoch stehen Wladimir Putin und das Ruderteam der Warwick University auf Kriegsfuss. Die Studenten der staatlichen Hochschule in Mittelengland bringen jährlich einen Kalender heraus, um ihr Hobby zu finanzieren. Sie zeigen sich darin ziemlich nackt und bedecken nur eine Stelle ihrer gestählten Körper dekorativ ab. Die Kalender haben inzwischen Kultstatus erreicht und werden in die ganze Welt verkauft.

Mit ihnen kämpfen die Warwick Rowers auch für einen guten Zweck. Sie setzen sich gegen Homophobie und Mobbing im Sport ein. Und genau das passt offenbar der russischen Regierung unter Putin gar nicht. Wie das Ruderteam dieser Tage mitteilte, wurden Kalender, die von Kunden in Russland bestellt worden waren, vom dortigen Zoll wieder zurückgeschickt. «In vielen Fällen wurden sie an der Grenze abgewiesen», heisst es in einem Schreiben der jungen Studenten. Gründe habe die russische Regierung nicht genannt.

«Nicht traditionelle sexuelle Wertvorstellungen»

Die Warwick Rowers machen klar, dass sie davon ausgehen, dass «Putins homophobes Russland» die Kalender wegen ihrer Botschaft nicht ins Land lässt. «Das steht für alle Werte, die wir zurückweisen», heisst es weiter. Ein Gesetz in Russland verbietet es den Bürgern, «LGBT-Propaganda» zu verbreiten, also Material, das den Lebensstil von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen fördert. Im Gesetzestext steht, dass Einwohnern, die «nicht traditionelle sexuelle Wertvorstellungen bei Minderjährigen» verbreiten, Strafen drohen.

Es blieb nicht bei den Rücksendungen, berichten die Ruderer aus England. Zusätzlich habe es «koordinierte Cyber-Attacken» auf den Webshop der Warwick Rowers gegeben. Ihren Ursprung, so heisst es weiter, hätten diese Hacker-Angriffe in Russland.

Sechsstellige Beträge

Die Ruderer hatten den Kalender im Jahr 2009 lanciert, um Geld für den Ruderclub zu sammeln. Doch die Nackt-Kalender wurden ein Riesenerfolg. Laut britischen Medien sammeln die durchtrainierten Unisportler inzwischen sechsstellige Beträge mit den Produkten ein. Seit 2012 nutzen sie die Einnahmen denn auch nicht mehr nur für den Ruderclub, sondern auch, um ihre Botschaft zu unterstützen. Ein Teil der Einnahmen geht an die wohltätige Organisation Sport Allies. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.12.2017, 16:13 Uhr

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