Zu teuer für den Treuebruch

Warum die Strategie des Reiseunternehmens Domo zu zaghaft ist, um die SBB in Bedrängnis zu bringen.

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Schon in wenigen Wochen haben die SBB einen neuen Konkurrenten auf Inlandstrecken. Domo hat vom Bundesamt für Verkehr die Konzession für nationale Fernbuslinien erhalten. So will der neue Anbieter etwa von Zürich nach Bern für 11.50 Franken mit Halbtax fahren, was mit den SBB 25.50 Franken kostet.

Dass ein neuer, preisgünstiger Konkurrent auf populären Schweizer Strecken den Markt aufmischen will, ist zunächst einmal erfreulich. Immerhin bedeuten mehr Wettbewerber auch, dass die Preise auf gefragten Strecken nicht beliebig in die Höhe schiessen können. Kein Wunder ist es daher, dass sich die Gewerkschaften der SBB nicht gerade über die Ankündigung von Domo freuten. Eine «grosse Gefahr für das Schweizer ÖV-System» nannte etwa die SBB-Gewerkschaft SEV die Pläne des Busunternehmens.

Ob Domo nun wirklich die Revolution für den inländischen Fernverkehr – oder je nach Standpunkt eine «grosse Gefahr» – bedeutet, ist fraglich. Denn auch wenn es auf den ersten Blick drastisch scheint, dass man für eine Strecke nur die Hälfte zahlt – gerade im Schweizer Markt ist das immer noch nicht günstig genug, um die Kunden von den SBB fortzulocken.

Busfahrten dauern teilweise doppelt so lange

Zum einen sind Schweizer ihren Unternehmen treu. Um wirklich vom Zug auf den Bus zu wechseln, brauchte es für viele Pendler noch grössere Preisunterschiede als die angekündigten. Zum andern geht mit dem tiefen Preis auch eine längere Reisezeit einher. Und Zeit ist für viele Reisende Geld. Die Busfahrten dauern teilweise etwa doppelt so lange wie die mit dem Zug. Hinzu kommt ein nicht unwesentlicher Faktor: die Pünktlichkeit. Klar, es kommt auch auf der Schiene immer wieder zu Verspätungen. Aber gerade auf den Hauptverkehrsachsen staut sich der Verkehr oft.

Bezieht man all diese Faktoren mit ein, müsste Domo mit den Preisen deutlich heruntergehen, um zu einem starken Konkurrenten für die SBB zu werden. Aus Konsumentensicht wäre das wünschenswert. Doch für das Busunternehmen würden sich die Fahrten dann wohl bald nicht mehr rentieren. Um die SBB ernsthaft in Bedrängnis zu bringen, ist der Angriff zu zaghaft. Und der Angreifer wohl schlicht zu klein.


Der CEO von Domo sagt, dass das neue Angebot den subventionierten Regionalverkehr nicht konkurrieren werde. Video: Tamedia/SDA


Erstellt: 19.02.2018, 23:36 Uhr

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