Zuckerbergs Kurswechsel vergrault die eigenen Topmanager

Der Konzerngründer will die drei Plattformen Facebook, Instagram und Whatsapp verschmelzen. Um jeden Preis.

Auch Produktechef Chris Cox, die Nummer drei von Facebook, hat den Konzern verlassen. Foto: Bruno Coutier

Auch Produktechef Chris Cox, die Nummer drei von Facebook, hat den Konzern verlassen. Foto: Bruno Coutier

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Mark Zuckerberg tut mit Whats­app und Instagram genau das, was er versprochen hatte, nicht zu tun: Er nimmt den Applikationen ihre Unabhängigkeit und verschmilzt sie mit Facebook zu einer globalen Kommunikationsplattform mit 2,7 Milliarden Nutzern. Der drastische Kurswechsel hat schon die Abgänge der Gründer von Whatsapp und Instagram provoziert. Nun gehen weitere Topmanager. Und die ­nahezu ­absolute Kontrolle in der Hand einer einzelnen Person dürfte Facebook noch mehr ­exponieren und den Ruf nach einem Aufbrechen des Konzerns lauter werden lassen.

Die Nummer drei von Facebook, Chris Cox, und Whatsapp-Chef Chris Daniels haben das Unternehmen wegen Differenzen mit Zuckerberg jüngst verlassen. Cox war erst im vergangenen Jahr zum Produktechef befördert worden. Er war als einer der ersten 15 Software­-Ingenieure zu Facebook gestossen und hatte 13 Jahre mit Zuckerberg zusammengearbeitet. Cox war ein persönlicher Freund des Facebook-Gründers.

Eigentlich sollte der 36-Jährige die Entwicklung von Facebook, Instagram und Whatsapp sicherstellen. Doch in seiner neuen Position waren ihm gemäss Aussagen von Facebook-Mitarbeitern die Hände gebunden. Denn Zuckerberg hatte bereits entschieden, dass Whatsapp und Instagram ihre Selbstständigkeit verlieren und zusammen mit Facebook dem Projekt «Unified Messaging» untergeordnet würden. Aus den drei unterschiedlich gelagerten und offenen Plattformen soll ein privater Kommunikationsdienst werden, der mit einem starken Datenschutz versehen wird. Cox wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, er hatte keine Mitsprache beim Entscheid, die Kommunikation auf Plattformen künftig zu verschlüsseln.

Werde die Kommunikation der Nutzer nicht überwacht, könnte das «für die Ausbeutung von Kindern, Terrorismus und Erpressung» missbraucht werden.

Mehr als zehn Jahre seien er und Zuckerberg der Meinung gewesen, «dass die Geschichte der ­sozialen Medien noch nicht geschrieben und ihre Folgen nicht neutral sind», schreibt Chris Cox in seinem Blog. Wenn die Kommunikation der Nutzer nicht überwacht werden könne, so könnte das leicht missbraucht werden, zum Beispiel «für die Ausbeutung von Kindern, Terrorismus und Erpressung».

Wegen dieser Bedenken hat auch Whatsapp-Chef Chris Daniels den Konzern verlassen – nach weniger als einem Jahr auf diesem Posten. Wie Whats­app-Gründer Jan Koum wollte Daniels die Applikation als selbstständige Einheit entwickeln. «Wenn unsere Prinzipien infrage gestellt wären, hätten wir keinesfalls in eine Partnerschaft eingewilligt», beteuerte Koum bei der Übernahme des Instant-Messaging-Dienstes durch Facebook 2014.

Doch Zuckerberg ist wild entschlossen, die drei Plattformen zu verschmelzen. Nutzer von Facebook könnten so direkt mit Whatsapp- und Instagram-Nutzern kommunizieren, ohne diese Applikationen anzuwenden. Das Projekt soll nächstes Jahr abgeschlossen werden, verbunden mit der Erwartung, dass der Mitgliederschwund von Facebook durch das Wachstum von Whats­app und Instagram aufgefangen werden kann.

«Allmächtiges Individuum»

Doch die Fragen nach der Sicherheit der Nutzerdaten und der ­Regulierung eines derart dominanten Kommunikationskonzerns dürften noch drängender werden. «Facebook ist zu einer ausserordentlichen Bedrohung der Demokratie weltweit geworden», sagt zum Beispiel David Kirkpatrick, Verfasser des Buchs «The Facebook Effect». «Angesicht der Fülle von Problemen fällt es sehr schwer zu glauben, dass ein einziges, allmächtiges Individuum genügend Verständnis und Bodenhaftung hat, die richtigen Entscheide zu fällen.»

Tech-­Investor Ben Horowitz verteidigt Zuckerberg: «Er ist der Privatsphäre und insbesondere einer lückenlosen Verschlüsselung (der Kommunikation der Nutzer) verpflichtet. Und das so stark, dass er hervorragende ­Manager zu verlieren bereit ist, die mit seinem Kurs nicht einverstanden sind», schreibt er. Zuckerberg setzte das Zitat auf seine Timeline – ein Hinweis, dass es seiner Meinung entspricht.

Erstellt: 19.03.2019, 22:36 Uhr

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