Zürich–Genf: 620’000 Personen nahmen das Flugzeug

Neue Zahlen zeigen, wie häufig Inlandflüge in der Schweiz genutzt werden. Wir haben berechnet, wie viele Tonnen CO2 sie produzieren.

Für einen Flug von Zürich nach Genf ist rund dreieinhalbmal so viel Energie nötig wie für die Fahrt auf der Schiene: Blick auf Genf.

Für einen Flug von Zürich nach Genf ist rund dreieinhalbmal so viel Energie nötig wie für die Fahrt auf der Schiene: Blick auf Genf. Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

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Die Lufthansa steht im Gegenwind: Die 40-Minuten-Flüge von Nürnberg zum 150 Kilometer entfernten München, die kürzeste Linienflugverbindung Deutschlands, seien eine «ökologische und ökonomische Absurdität», wettert der Landesvorsitzende der bayrischen Grünen in einer Agenturmeldung. Und er fordert den Ausbau der Bahnverbindungen.

In der Schweiz hingegen wird wenig über Inlandflüge diskutiert. Obwohl hierzulande auch kurze Strecken auf dem Flugplan stehen. Und obwohl die Zugverbindungen gut sind. Die wichtigsten Flugverbindungen im Inland werden von der Lufthansa-Tochter Swiss angeboten: Achtmal pro Tag fliegt die Fluggesellschaft von Zürich nach Genf und zurück. Ein solcher Flug dauert 50 Minuten und kann derzeit ab 190 Franken gebucht werden.

Viermal täglich fliegt die Swiss zudem in je einer Dreiviertelstunde von Zürich nach Lugano und zurück. «Als Airline der Schweiz ist es uns ein Anliegen, die verschiedenen Landesteile an unser weltweites Netzwerk am Zürcher Hub anzubinden», sagt Meike Fuhlrott, Mediensprecherin der Swiss.

Noch kürzer ist der Flug von Zürich nach Sitten, den die Fluggesellschaft Helvetic im Auftrag der Swiss an zwei Samstagen angeboten hat: Er dauerte lediglich 40 Minuten und war für 104 Franken zu haben, kostete also doppelt so viel wie die rund dreistündige Zugfahrt mit Halbtax. Gedacht war dieser Flug vorab als Zubringer für eine auf Wintersporttouristen zugeschnittene Verbindung von Sitten nach London.

Dreieinhalbmal so viel Energie

Alle drei Wege können problemlos mit der Bahn zurückgelegt werden – wenn man etwas mehr Sitzleder hat: Die Fahrten von Zürich nach Genf, Lugano und Sitten dauern zwischen zweieinhalb und drei Stunden. Trotzdem ist man mit dem Flugzeug kaum schneller am Ziel: Rechnet man die Zeit fürs Einchecken und Warten am Flughafen ein, löst sich der Vorsprung auf solch kurzen Strecken rasch in Luft auf.

Beim Kriterium Ökologie gewinnt die Bahn klar: Für einen Flug von Zürich nach Genf ist rund dreieinhalbmal so viel Energie nötig wie für die Fahrt auf der Schiene, wie sich auf der von mehreren Kantonen unterstützten Informationsplattform Energie-Umwelt.ch berechnen lässt. Und beim Flug wird 150-mal mehr CO2 produziert. Geht man davon aus, dass pro Passagier auf der Flugstrecke Zürich–Genf rund 50 Kilogramm CO2 produziert werden, kommt man bei 600’000 Passagieren im Jahr für diese Strecke auf ein Total von 30’000 Tonnen Kohlendioxid. Mit der Bahn produziert dieselbe Anzahl Passagiere 180 Tonnen CO2.

Trotzdem zieht eine stattliche Anzahl Passagiere den Flug der Fahrt vor. Das zeigt eine Analyse der Jahresdaten zum Linien- und Charterverkehr, die das Bundesamt für Statistik diese Woche veröffentlicht hat. Im vergangenen Jahr haben die Fluggesellschaften insgesamt 713’033 Passagiere im Inland transportiert. Das sind zwar 21’901 weniger als 2016, als ein 10-Jahres-Maximum verzeichnet wurde. Aber es sind immer noch markant mehr als vor fünf Jahren: 2013 war die Anzahl Inlandpassagiere auf einem Tiefpunkt. Damals transportierten die Fluggesellschaften lediglich noch 593’878 Passagiere.

Besonders beliebt sind die Flüge von Genf nach Zürich: 316’743 Passagiere reisten im vergangenen Jahr auf dieser Strecke; durchschnittlich also 867 pro Tag. Geht man von acht Verbindungen pro Tag aus, kommt man auf 108 Reisende pro Flugzeug. Auf dieser Strecke werden Flugzeuge der C-Serie von Bombardier eingesetzt, etwa der Airbus A220-300, der je nach Ausstattung 130 bis 160 Sitzplätze bietet. Ähnlich viele Leute nutzen den Flug zurück von Zürich nach Genf: 305’910 Passagiere wurden auf dieser Strecke gezählt. Insgesamt nutzten also über 620'000 Leute diese Verbindung.

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Dabei dürfte es sich fast ausschliesslich um Swiss-Kunden handeln. Bei der Fluggesellschaft will man die Berechnung weder bestätigen noch dementieren. Auch zur Rentabilität der einzelnen Strecken macht das Unternehmen keine Angaben. Mediensprecherin Meike Fuhlrott weist aber darauf hin, dass «ein Grossteil» der Inlandpassagiere in Zürich auf einen Langstreckenflug der Swiss umsteige. «Ohne Transferpassagiere unter anderem aus Genf und Lugano könnten wir deutlich weniger Interkontinental-Destinationen anbieten.»

Bruchlandung zwischen Genf und Lugano

Die Verbindungen zwischen Ost und West sind den anderen himmelhoch überlegen. Von Lugano nach Zürich flogen im letzten Jahr 44’554 und von Zürich nach Lugano 43’766 Personen. Zwischen Zürich und Basel waren lediglich 595 Passagiere unterwegs.

Schaut man etwas genauer hin, fällt auf: Auf allen Verbindungen nahm die Anzahl der transportierten Passagiere im Laufe der Zeit ab – ausser auf jener zwischen Zürich und Genf. Im Jahr 2018 wurden auf dieser Strecke 17’742 beziehungsweise 5,8 Prozent mehr Personen transportiert als noch im Vorjahr, und in der Gegenrichtung 13’605 mehr (plus 4,3 Prozent).

Eine Bruchlandung gabs hingegen bei der Verbindung zwischen Genf und Lugano: Nachdem die Swiss das unrentable Angebot 2016 aus dem Flugplan gestrichen hatte, versuchte die Darwin Airline zu übernehmen. Die Tessiner Gesellschaft geriet aber in finanzielle Schieflage. Dann versuchte die Fluggesellschaft Skywork aus Bern ihr Glück. Seit dieses Unternehmen in Konkurs gegangen ist, ist die Strecke verwaist.

Im Vergleich zur Anzahl der Bahnreisenden ist jene der Flugpassagiere indes trotzdem klein. So weisen die SBB für die Haltestelle Zürich-Flughafen im Jahr 2016 im Durchschnitt pro Tag eine Passagierfrequenz von 47’200 Personen aus. Die allermeisten Schweizerinnen und Schweizer scheinen den SBB-Werbeslogan aus dem Jahr 1958 also noch immer verinnerlicht zu haben: «Der Kluge reist im Zuge.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.02.2019, 11:59 Uhr

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