Zwei Google-Kader erhalten nach sexueller Belästigung 135 Millionen

Der Chef der Suchmaschine und der Erfinder der Android-Software mussten Google verlassen. Nun wird ihr Abgang versüsst.

Teure Abgänge: Amit Singhal (links) und Andy Rubin. Fotos: AP, Reuters

Teure Abgänge: Amit Singhal (links) und Andy Rubin. Fotos: AP, Reuters

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Nur dank einer Aktionärsklage ist seit dieser Woche bekannt, wie viel Google sich den Abgang von Andy Rubin und Amit Sin­ghal kosten liess und wie entscheidend die Rolle von Unternehmensgründer Larry Page dabei war.

Rubin, der Entwickler der Android-Software, zwang eine Angestellte zu Sex und wurde in einer internen Untersuchung für schuldig befunden. Trotzdem willigte die Google-Führung in einen mit 90 Millionen Dollar versüssten Abgang ein. Die erzwungene Demission von Singhal, Chef der Google-Suchmaschine, sollte mit 45 Millionen Dollar abgegolten werden, obwohl auch er Angestellte sexuell belästigt hatte. In beiden Fällen winkte der Verwaltungsrat die fürstliche Entschädigung widerspruchslos durch.

Die Hintergründe der beiden Demissionen versuchte Google zu vertuschen, heisst es in der vor dem höchsten kalifornischen Gericht eingereichten Aktionärsklage. Die Kläger werfen dem Unternehmen Machtmissbrauch, fehlende Sorgfaltspflicht sowie missbräuchliche Bereicherung vor.

Die geforderte Entschädigung in ungenannter Höhe untermauern die Aktionäre mit einer Aussage einer Google-Angestellten: «Wenn Google die Missbräuche vertuscht, schafft das Unternehmen ein Umfeld, in dem sich Angestellte nicht getrauen, Übergriffe zu melden. Sie nehmen an, nichts werde passieren – oder noch schlimmer, dass Männer entschädigt und Frauen zur Seite geschoben werden können.»

Bereits im Spätherbst kam es zu Protesten: Demonstrierende Frauen Anfang November im Silicon Valley. Foto: Jeenah Moon (Reuters)

Die Missbräuche waren letzten Herbst durch die «New York Times» teilweise aufgedeckt worden, ohne dass die Hintergründe und die Summe von 135 Millionen Dollar an die Täter bekannt gewesen wären. Die Umstände provozierten die bisher grösste Kundgebung in einem Tech-Unternehmen im Silicon Valley mit 20'000 Protestierenden. Google versprach Besserung.

Ob Google noch weitere Skandale vertuscht hat, bleibt deshalb offen. Immerhin deutet die Aktionärsklage zusätzliche frühere Fälle an, ohne allerdings Details zu nennen.

Beratervertrag und Optionen

Wie leicht die Google-Führung die Klagen nahm, zeigt die Akte Rubin. Als die Firma dem Android-Vater einen Beratervertrag über 650'000 Dollar plus Boni in doppelter Höhe anbot, damit er sich seiner Leidenschaft, der Robotik, widmen konnte, zögerte er. Nach einem Treffen mit Larry Page lehnte er die Offerte ab. Daraufhin bot Page ihm ein 150 Millionen Dollar schweres Optionenpaket auf Google-Aktien an, und nur acht Tage später willigte der Verwaltungsrat in den versüssten Abgang ein.

Die Summe von 90 Millionen war nur möglich geworden, weil Rubin die Entschädigung, gestützt auf das Optionenpaket, aushandeln konnte. Das erlaubte einen festlichen Rückzug: «Ich wünsche Andy nur das Beste für die Zukunft», sagte Page damals, «er hat mit Android etwas wahrhaft Bemerkenswertes mit über einer Milliarde glücklichen Nutzern geschaffen.» Über die Gründe des Abgangs kein Wort.

48 weitere Angestellte entlassen

Weniger elegant ging die Sache für Singhal aus. Google stellte zwar eine Abgangsentschädigung von 45 Millionen in Aussicht, zahlte aber nur 15 Millionen Dollar, da er nach seiner Demission eine Kaderstelle bei Uber fand. Damit fiel die Restzahlung von 30 Millionen dahin. Die öffentliche Empörung zwang Singhal jedoch auch bei Uber zum Abgang. Google hat nach eigenen Angaben seither 48 weitere Angestellte wegen sexueller Missbräuche entlassen, darunter 13 Manager – und dies ohne Entschädigung.

So leicht wie bei Google fiel das Vertuschungsmanöver anderswo nicht. Les Moonves musste vergangenen September die Führung des Fernsehsenders CBS abgeben, nachdem mehrere Angestellte wegen wiederholter sexueller Übergriffe und Drohungen geklagt hatten. Moonves glaubte sich unersetzlich, versuchte, die Ermittlungen zu behindern, und beharrte schliesslich auf einer Abgangsentschädigung von 120 Millionen Dollar – obwohl er dank grosszügigen Boni ein Vermögen von mehr als 800 Millionen angehäuft hatte. In diesem Fall blieb der Verwaltungsrat hart und wies sein Begehren zurück. Gemäss der Anwältin der Opfer vernichtete Moonves Beweismaterial, weshalb noch offen ist, ob und wie viel Wiedergutmachung die Frauen erhalten.

Erstellt: 13.03.2019, 09:10 Uhr

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