Zwei Milliardäre kämpfen um die Finanzinfo-Vorherrschaft

Die Investmentgesellschaft Blackstone übernimmt Thomson Reuters. Ihr Mitbegründer Stephen Schwarzman tritt damit in direkte Konkurrenz zum Erzrivalen Michael Bloomberg.

Schenken sich nichts: Die beiden New Yorker Milliardäre Michael Bloomberg (links) und Stephen Schwarzman.

Schenken sich nichts: Die beiden New Yorker Milliardäre Michael Bloomberg (links) und Stephen Schwarzman. Bild: Jason Alden/Joe Raedle (Getty Images)

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Beide entstammen jüdischen Familien, haben es als Selfmademen zu einem Milliardenvermögen in der Finanzwelt gebracht und gehören zur feinen New Yorker Gesellschaft, beide verfügen über ein sehr gesundes Sendungsbewusstsein, sie haben mit dem 14. Februar sogar den gleichen Geburtstag und sind über 70-jährig. So viel Gemeinsames es zwischen Michael Bloomberg und Stephen Schwarzman auch gibt – das Trennende zwischen den beiden Alphatieren überwiegt.

Das gilt insbesondere in der Politik. Der frühere langjährige New Yorker Bürgermeister Bloomberg erwog 2016 eine eigene Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahlen als unabhängiger Bewerber. Um einen Sieg von Donald Trump zu verhindern, verzichtete er schliesslich darauf und unterstützte stattdessen Hillary Clinton. Schwarzman, der zu den Mitbegründern der Beteiligungsgesellschaft Blackstone gehörte, zählt zu den Wirtschaftsberatern des heutigen Präsidenten Trump, und er rührt auch die Werbetrommel für dessen Steuerreform.

Von Rivalen zu Konkurrenten

Jetzt kommen sich die beiden Rivalen auch noch als direkte Geschäftskonkurrenten in die Quere. Bloomberg ist mit seinem gleichnamigen Unternehmen bislang der unangefochtene Platzhirsch im Bereich der Wirtschafts- und Börsendaten. Mit dem Verleih von Computerstationen an Banken, Wertpapierhändler, Vermögensverwalter und Grossinvestoren, die dadurch Zugang zu sämtlichen Finanzdaten in Echtzeit rund um den Globus bekommen, hat sich Bloomberg als starker und unverzichtbarer Akteur auf den wichtigsten Finanzplätzen etabliert.

Diese Position will Schwarzman attackieren. Sein Vehikel Blackstone hat sich am Mittwoch mit dem kanadischen Nachrichtenkonzern Thomson Reuters darauf verständigt, das Geschäft mit Finanz- und Wirtschaftsdaten – das im Konzernbereich Financial & Risk zusammengefasst ist – mehrheitlich zu übernehmen und in eine neue Gesellschaft auszugliedern. Thomson Reuters wird zwar mit 45 Prozent an dieser Einheit beteiligt bleiben, doch werten Beobachter den Rückzug als Eingeständnis dafür, dass die Thomson-Familie ihr Ziel, die Stellung von Bloomberg ernsthaft zu untergraben, still und leise begraben hat. Darüber hinaus hätte die Familie in nächster Zeit hohe Investitionen in technologische Innovationen wie Blockchain und künstliche Intelligenz tätigen müssen.

22'000 Dollar pro Terminal

Warum soll nun Stephen Schwarzman mehr Erfolg haben? Marktkenner verweisen zum einen auf die reichlichen Finanzmittel, die seiner Investmentgesellschaft mit ihren verwalteten Vermögen von über 380 Milliarden Dollar zur Verfügung stehen. Zum andern hat Blackstone langjährige, enge Beziehungen zu verschiedensten Investmentbanken.

Mehr noch: Die Gesellschaft gehört mit ihren Gebühren- und Kommissionszahlungen zu den wichtigsten Einnahmequellen mancher Wallstreet-Häuser. Diesen Hebel kann Schwarzman nutzen, um die Banken zu bewegen, die bisher benutzten Bloomberg-Computerterminals durch solche seiner eigenen neuen Einheit zu ersetzen.

Und drittens wird Blackstone einmal mehr dort ansetzen, wo man nach jedem Zukauf angesetzt hat – Kosten senken. Im Fall der auszugliedernden Thomson-Reuters-Einheit soll dies etwa durch die Auslagerung teurer Arbeitsplätze in Europa und den USA an billigere Standorte geschehen.

Der besondere Reiz des Finanzdaten- und Terminalgeschäfts liegt in seinen kontinuierlichen Geldzuflüssen, wenn die Computerterminals bei den Kunden erst mal platziert sind. Gemäss «Financial Times» zahlen die Kunden für jeden Bloomberg-Terminal rund 22'000 Dollar pro Jahr. Laut Expertenschätzungen kommt Bloomberg in diesem Geschäftssegment auf einen Marktanteil von gut einem Drittel, verglichen mit 23 Prozent für Thomson Reuters; auf die übrigen Mitbewerber wie Standard & Poor's, Factset und Moody's entfallen nur mehr einstellige Prozentquoten.

Agentur Reuters nicht tangiert

Allerdings scheinen die fetten Jahre für Bloomberg & Co. vorbei zu sein. Der anhaltende Spardruck in der Finanzindustrie macht auch vor den Computerstationen nicht halt. 2016 verzeichnete Bloomberg laut Medienberichten einen Rückgang bei der Zahl vermieteter Kundenterminals – was erst zum zweiten Mal in der Firmengeschichte geschah.

Dennoch scheint sich Stephen Schwarzman seiner Sache so sicher zu sein, dass er für den Einstieg ins Finanzdaten- und Terminalgeschäft die grösste Investition seit der Finanzkrise getätigt hat. Für den 55-Prozent-Anteil an der herausgekauften Einheit von Thomson Reuters zahlt er 20 Milliarden Dollar, zusammen mit einem Grossinvestor aus Kanada und dem Singapurer Staatsfonds GIC (deren Engagements im Einzelnen nicht näher beschrieben werden).

Die Nachrichtenagentur Reuters ist von dieser Transaktion nicht tangiert und verbleibt im Besitz von Thomson Reuters. Sie wird aber das neue Gemeinschaftsunternehmen von Blackstone und Thomson Reuters mit ihrem Nachrichtendienst beliefern und hierfür während 30 Jahren eine jährliche Entschädigung von mindestens 325 Millionen Dollar erhalten.

Erstellt: 01.02.2018, 17:09 Uhr

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