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Zwischen Allmacht und Ohnmacht

Von einer Verpflichtung zur nächsten rennen, unter permanentem Leistungsdruck stehen, keine Ansprechpartner haben. Coachs erkennen im Suizid von Carsten Schloter bekannte Muster.

Simon Schmid

«Man kann Stress nicht abbauen, indem man nur darüber spricht», sagt Claude André Ribaux. Es ist ein Schlüsselsatz im Gespräch, das Redaktion Tamedia nach Bekanntwerden des Todes von Swisscom-Chef Carsten Schloter mit dem Zürcher Management-Coach geführt hat. Polizeilichen Angaben zufolge hat sich Schloter das Leben genommen, nähere Umstände sind nicht bekannt. Dokumentiert ist allerdings, wie Schloter zuletzt über seinen eigenen Zustand dachte. «Das schnürt Ihnen die Kehle zu», sagte der verstorbene Manager jüngst in einem Interview. Gemeint war der Dauerstress, dem sich Schloter im Job, aber auch in der Freizeit ausgesetzt sah.

Claude André Ribaux kennt das Syndrom aus zahllosen Gesprächen, die er mit Topmanagern in seiner zwanzigjährigen Beratertätigkeit geführt hat. «Da ist diese Mischung aus Allmacht und Machtlosigkeit», sagt er, «die viele Führungskräfte empfinden.» Ribaux erkennt in den vorhandenen Bildern und Aussagen des verstorbenen Swisscom-Chefs ein charakteristisches Muster. «Auf der einen Seite fühlt sich der Manager mächtig», sagt Ribaux, «weil alle Entscheidungen von ihm abhängen und alle mit ihren Anliegen zu ihm kommen.» Auf der anderen Seite empfänden viele Führungskräfte ein Ohnmachtsgefühl.

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