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«Zyprioten haben kein Bargeld mehr»

Die Lage der Zyprioten wird immer prekärer. Die Banken im Land bleiben möglicherweise doch noch länger geschlossen. Und auch die Limite für Abhebungen wird noch mindestens eine Woche bestehen bleiben.

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«Einfach kein Geld mehr»: Essensausgabe in Zypern. (27. März 2013)

Wenigstens die Filialen zypriotischer Banken in Griechenland haben wieder geöffnet. Die Wiedereröffnung erfolgte wie angekündigt, nachdem die griechische Piräus-Bank die Niederlassungen der drei zypriotischen Grossbanken Bank of Cyprus, Laiki und Hellenic Bank übernommen hatte.

Die Piräus-Bank teilte mit, die Guthaben bei diesen Filialen seien gesichert. Es handelt sich um 312 Bankfilialen mit 5268 Angestellten. Schon vor der Öffnung der Bankfilialen bildeten sich in Athen Schlangen. «Die Leute sind beunruhigt, aber wir beruhigen sie», sagte ein Bankangestellter.

Banken bleiben möglicherweise länger zu

Die geplante Wiedereröffnung der Banken in Zypern hingegen ist nach einer zwölftägigen Schliessung nicht gesichert. Es sei «sehr unwahrscheinlich», dass die Filialen der beiden bislang grössten Banken Bank of Cyprus und Laiki morgen wieder öffneten, sagte ein EU-Vertreter in Nikosia. Die Sprecherin der zypriotischen Zentralbank, Aliki Stylianou, zeigte sich unterdessen noch optimistisch: «Die Hinweise gehen in die Richtung einer Wiedereröffnung.» Es wäre schon «sehr gut», wenn «die anderen Banken» (ausser Bank of Cyprus und Laiki) öffneten, sagte hingegen der EU-Vertreter.

Die zypriotischen Banken sind seit dem 16. März geschlossen. Die Laiki-Bank soll nach den jüngsten Beschlüssen abgewickelt werden – faule Papiere werden in einer Bad Bank angesiedelt, die abgewickelt werden soll, die weiteren Guthaben sollen an die Bank of Cyprus übergehen. Bei der Bank of Cyprus soll dann für alle Guthaben über 100'000 Euro eine Regelung in Kraft treten, nach der ein Anteil von schätzungsweise 40 Prozent in Aktienkapital umgewandelt wird. Es müsse erst noch «organisiert werden», wie Guthaben unter 100'000 Euro von der Laiki-Bank den Anlegern wieder zugänglich gemacht würden, sagte der EU-Vertreter.

Von 100 auf 300 Euro

Die Behörden in Nikosia haben bereits Massnahmen gegen eine mögliche Kapitalflucht getroffen. Wie aus Bankkreisen bekannt wurde, sollen unter anderem Höchstgrenzen für Überweisungen eingerichtet werden. Das am Wochenende eingerichtete Limit von hundert Euro für Abhebungen an Bankautomaten soll offenbar auf 300 Euro angehoben werden. Die Begrenzungen sollen für mindestens eine Woche in Kraft bleiben.

Die Bevölkerung leidet von Tag zu Tag stärker unter den Massnahmen (s. Video oben). Der Direktor einer Hilfsorganisation für Bedürftige in Nikosia sagt: «Rentner, die keine Kreditkarte besitzen, sagen uns, dass sie nicht an Bargeld kommen und sich deshalb kein Essen mehr kaufen können.»

Bankchef Kypri wurde gefeuert

Zudem wurde bekannt, dass der Chef der marktführenden zypriotischen Bank Bank of Cyprus, Giannis Kypri, auf Druck der internationalen Geldgeber entlassen wurde. Es sei Teil der Vereinbarungen mit der Troika aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), dass Kypri seinen Platz räumen müsse, berichtete die zypriotische Nachrichtenagentur CNA.

Kypri sei daher vom Gouverneur der zypriotischen Zentralbank abgesetzt worden. Kypri war bislang Exekutivdirektor der Bank of Cyprus und für das operative Geschäft zuständig. Die Bank of Cyprus ist die grösste Bank Zyperns. Gestern erklärte der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Andreas Artemis, seinen Rücktritt. Dieser wurde vom Aufsichtsrat der Bank jedoch vorerst nicht angenommen. Gemäss der Satzung der Bank erlange ein solcher Rücktritt erst Gültigkeit, wenn er nicht innerhalb von einer Woche zurückgezogen werde, berichtete CNA.

Nach Informationen zypriotischer Internetseiten wurde der Rücktritt von Artemis unter anderem durch die Ernennung eines Aufsehers für seine Bank seitens der zypriotischen Zentralbank beeinflusst. Artemis sei zudem nicht damit einverstanden, wie die Guthaben der zweitwichtigsten zypriotischen Bank, Laiki, unter dem Druck internationaler Geldgeber in die Bank of Cyprus zwangsüberführt werden, hiess es.

(AFP/AP)

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