«Wir sitzen nicht mehr auf dem hohen Ross»

Der Bittgang zum Staat schmerzt den UBS-Präsidenten Peter Kurer. Der Kollaps von Lehman führte aber dazu, dass die Bank keine Wahl mehr hatte.

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Die Wirtschaftspartei FDP kommentiert das Massnahmepaket zur Stützung der Banken mit den Worten: «Liberal sein ist kein Freipass für unverantwortliche Unternehmensführung.» Herr Kurer, unterschreiben Sie diese Aussage?
Ich unterstütze diese Aussage vollumfänglich.

Dann unterstützen Sie auch die Forderung der FDP, dass die alte UBS-Führung «mindestens die in den letzten Jahren bezogenen Boni zurückbezahlt».
Da muss ich Sie auf den Schlussbericht der Bankenkommission verweisen.

Aber der Präsident der UBS hat doch sicher eine Meinung zu dieser Frage.
Ich glaube, dass Boni, die aufgrund von bestehenden Verträgen geleistet wurden, nicht zurückbezahlt werden müssen, weil in der ganzen Untersuchung nirgends ein gesetzwidriges Verhalten festgestellt wurde. Es hat einfach Beurteilungs- und Managementfehler gegeben. Damit Sie gegenüber jemandem eine Geldforderung machen können, müssen Sie nachweisen können, dass im rechtlichen Sinn etwas falsch gemacht wurde. Das ist nicht der Fall. Es gibt keine rechtliche Grundlage für die Rückforderung von Boni.

Man könnte die Boni aber auch freiwillig zurückzahlen.
Das ist richtig. Sie können davon ausgehen, dass mir das bewusst ist und dass ich da auch das eine oder andere unternommen habe. Aber selbstverständlich geht es hier um Sachen, die man nicht in der Öffentlichkeit diskutiert.

Reden wir über die Kapitalspritze. Eigentlich ist die UBS sehr tief gefallen, wenn sie jetzt sogar beim Staat die hohle Hand machen muss.
Wir sitzen nicht mehr auf dem hohen Ross. Aber wir befinden uns in guter Gesellschaft. Die Tatsache, dass der Staat eingreifen muss, ist heute leider ein globales Problem. Die Finanzmärkte sind sehr nahe am Kollaps. Ein solcher hätte grosse Nachteile für die Wirtschaft und die Bevölkerung. Deshalb greifen die Staaten weltweit ein. Sie machen das nicht der Finanzindustrie zuliebe.

Es schmerzt Sie, dass Sie eine staatliche Kapitalerhöhung durchführen müssen?
Es ist sicher nicht etwas, das man mit Lust macht. In diesem Sinn schmerzt mich das. Aber ich kann nicht in Emotionen denken. Meine wichtigste Aufgabe ist es, diese Bank absolut sicher durch diese Krise hindurchzuführen. Das haben wir bis heute geschafft.

Muss nach diesen neuen Massnahmen niemand mehr um die UBS oder sein Geld Angst haben?
Objektiv betrachtet hat zu keinem Zeitpunkt unserer Reise durch diese Schwierigkeiten Anlass bestanden, an der Sicherheit der UBS zu zweifeln. Und vorausschauend müssen wir das machen, was diese Sicherheit gewährleistet.

Weshalb haben Sie dann, wenn das so stimmt, beim Bund angeklopft und um Unterstützung gebeten?
In der Folge des Lehman-Kollapses sind zwei Sachen passiert. Erstens verschlechterte sich die Situation in den Finanz- und vor allem in den Kreditmärkten. Zweitens haben viele ausländische Regierungen eingegriffen, teilweise mit weitreichenden Garantien für das Depositen- und Interbankengeschäft. In dieser Situation befürchteten wir, dass wir an den Rand gedrängt werden könnten. Deshalb führten wir mit den Behörden Gespräche mit dem Ziel, das Gesamtsystem stabilisieren zu können. Dabei wollten wir radikale Verstaatlichungsmassnahmen, wie wir sie in andern Ländern gesehen haben, oder teure Wochenendübungen verhindern.

Sie haben auch hausgemachte Probleme. Im dritten Quartal sind Ihnen netto 84 Milliarden Franken Kundengelder abgeflossen.
Der Neugeldabfluss bereitet uns Sorge und muss gestoppt werden. Der Prozess hat sich beschleunigt, weil die Leute nicht nur das Vertrauen in die UBS, sondern ins ganze Bankensystem verloren haben.

Die Bürger und Steuerzahler in diesem Land befürchten, dass sie am Ende für das Debakel geradestehen müssen.
Ich habe dem Bundesrat für diese weitsichtige Lösung gedankt. Das ist auch ein Dank an die Bevölkerung, die hinter dem politischen System steht. Ich glaube an die positive Wirkung dieser Massnahmen.

Was sagen Sie Ihren Aktionären? Gilt die Zusicherung, dass Sie 2009 wieder Gewinne machen und eine Dividende zahlen?
Mehr denn je, weil wir jetzt die Risiken eliminieren konnten.

Wird das UBS-Personal den Preis bezahlen?
Ihm sage ich, dass wir jetzt eine sicherere Bank sind. Aber auch, dass die Kosten ein Problem sind. Boni und Saläre werden sinken. Wo es nötig ist, wird es auch zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen – vor allem in London und New York.

In der Schweiz haben Sie knapp 28'000 Stellen. Wie viele sind es Ende 2009?
Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass es zu einem massiven Arbeitsplatzabbau in der Schweiz kommen wird. Aber wir müssen auch hier Kosten sparen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.10.2008, 11:11 Uhr

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