UBS: Eine Frage des Vertrauens

Vier Grossbaustellen, viele Risiken - aber intakte Chancen: Ralph Pöhner, Wirtschaftsredaktor von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, kommentiert die aktuellen UBS-Ergebnisse.

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Die Finanzlöcher

Das Problem: Die UBS ist schwer getroffen von der globalen Finanzkrise, über 40 Milliarden Franken musste die Grossbank in den letzten Monaten abschreiben; handlungsfähig blieb sie nur dank Kapitalspritzen aus Singapur und Nahost. Obendrein muss die Bank in Amerika Ramschtitel - sogenannte ARS - für 19 Milliarden Dollar zum Nominalwert zurückkaufen: Dies sieht ein Vergleich vor, mit dem eine Klagewelle von amerikanischen ARS-Kunden gebannt werden soll. Der Deal kostet die UBS knapp eine Milliarde Franken.

Seit Jahresbeginn verlor der Konzern mehr als die Hälfte seines Börsenwerts. Ganz grundsätzlich sabotiert die Frage, wie stabil und sicher die UBS wirklich noch ist, ein wichtiges Kapital jeder Bank: das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern.

Stand nach den Meldungen von heute: Minus 358 Millionen beim Reingewinn, nochmals minus 5 Milliarden im amerikanischen Hypothekenmarkt, und 17,3 Milliarden Nettoneugeldabflüsse: Die Zahlen wirken zwar arg negativ, blieben aber im Rahmen der Erwartungen: Sie sind quasi schon eingerechnet. Für einmal kam nicht (wie in den Vormonaten auch schon geschehen) eine weitere unerwartete Enttäuschung. Es scheint, als ob sich die UBS in der Finanzkrise gefangen hat. Die Nettoneugeldabflüsse zeigen aber auch, dass viele Kunden der Bank den Rücken kehren: Die Vertrauensfrage steht immer noch im Raum.

Die Leute an der Spitze

Das Problem: Vier Verwaltungsräte haben ihren Rücktritt angekündigt: Stephan Haeringer, Peter Spuhler, Rolf Meyer und Lawrence Weinbach wollen (bzw. müssen) Platz machen für Finanzspezialisten. Denn dass die UBS in New York innert Monaten Milliarden verlor, ohne dass man dies in der Zürcher Zentrale kommen sah, bezeugt: Das einschlägige Knowhow an der Spitze war hier zu dünn gesät.

Weiterhin umstritten ist auch die Wahl von Peter Kurer als Präsident und Nachfolger von Marcel Ospel – gilt er doch als Vertreter der alten Zeit, und ist er auch alles andere als ein charismatischer Antreiber.

Stand nach den Meldungen von heute: Bruno Gehrig, der neue Verwaltungsrat, wurde schon vor Monaten als einer der heissesten Kandidaten für die Nachfolge von Marcel Ospel gehandelt. Der Swiss-Life-Präsident, Roche-Vize und ehemalige Nationalbanker gilt also immer noch als mögliche Lösung für eine spätere Ablösung von Präsident Kurer.

Sicherlich überraschend, aber auch inspirierend wirkt das Engagement von Rainer-Marc Frey: Der 45jährige gründete einst den ersten Hedge Fund auf dem europäischen Kontinent und wurde steinreich damit. Er ist bestens vernetzt in der US-Finanzszene (er arbeitete unter anderem für Merrill Lynch und bei den Salomon Brothers).

Ebenfalls ein Kenner der Hedge-Fund-Welt ist William G. Parrett, der dritte Neue bei UBS: Der Amerikaner und ehemalige Deloitte-Touche-Chef sitzt auch im Board des grossen Private-Equity-Unternehmens Blackstone. In der amerikanischen Businesswelt könnte der Eastman-Kodak-Verwaltungsrat für eine Verbesserung der Reputation von UBS sorgen.

Sally Bott, die vierte neue Verwaltungsrätin, ist als Personalfrau bei BP zwar nicht im Zentrum der Hochfinanz, sie machte aber zuvor bei angelsächsischen Grossbanken wie Citibank und Barclays Karriere.

Die Prozesse

Das Problem: Die ARS-Klagen scheinen in den USA gebannt, doch die UBS steht unter Dauerdruck von amerikanischen Steuerfahndern. Und vor zwei Wochen wurden ihre Vertreter auch im Senat in Washington gegrillt: Die Bank steht im Verdacht, Beihilfe zur Steuerhinterziehung oder gar zum Steuerbetrug geleistet zu haben. In Fort Lauderdale sitzt der ehemalige UBS-Mann Bradley Birkenfeld in Haft und erzählt offen von den Steuerhilfen der Schweizer Bank. Auch UBS-Topbanker Martin Liechti sitzt in Florida fest – offiziell als Zeuge, allerdings droht auch ihm die Anklage der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Vor dem US-Senat kündigten die UBS-Vertreter an, mit amerikanischen Behörden zu kooperieren und grundsätzlich auf das Offshore-Geschäft mit US-Kunden verzichten zu wollen (ihnen also nicht mehr diskrete Konti oder Stiftungen in der Schweiz oder an anderen Orten ausserhalb der USA anzubieten).

Stand nach den Meldungen von heute: Neue Informationen kamen dazu bislang nicht. Der Kniefall vor dem US-Senat nahm zwar Druck weg von der Bank, aber für vergangenes Fehlverhalten droht der UBS immer noch eine Busse über ein paar hundert Millionen Dollar.

Struktur und Strategie

Das Problem: Seit Jahren versuchte die UBS, als universelle Grossbank weltweit an der Spitze mitzuspielen: Vermögensverwaltung, Investmentbanking, Asset Management. In der Vermögensverwaltung ist die UBS führend, beim Investmentbanking jedoch führten der Ehrgeiz ins Debakel: Hier entstand der Milliardenschaden. Die Finanzkrise stellt nun die gesamte Konstruktion in Zweifel. Wichtige Aktionäre fordern, dass UBS aufgespaltet werde: Sie müsse sich grundsätzlich neu positionieren und das Investmentbanking abspalten.

Stand nach den Meldungen von heute: Die UBS versucht es mit einem klassischen gutschweizerischen Kompromiss: Man bleibt bei seinen Leisten, auf radikale Schritte wird verzichtet, und alle Geschäftsbereiche bauen weiter auf der Marke UBS. Aber man engagiert sich in der Detailverbesserung. Dabei fällt vor allem auf, dass die UBS künftig die variablen Lohnanteile ihrer Beschäftigten direkt von den Ergebnissen ihrer jeweiligen Geschäftsbereiche ableiten will: Das soll die Risikokultur, welche zu den fatalen Ergebnissen im US-Investmentgeschäft geführt hat, bremsen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.08.2008, 10:18 Uhr

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