Zum Hauptinhalt springen

Unternehmensnachfolge: Ein Paradebeispiel Federnfabrik Schmid in Oetwil am See ZH geht in neuen Besitz über Von Lucia Theiler, sda Hintergrund

Der Fall der Federnfabrik Schmid ist ein Paradebeispiel einer gelungenen Unternehmensnachfolge und für vieles typisch: Zum Beispiel dafür, dass ein Käufer ausserhalb der Familie gesucht werden musste, und dafür, dass im Zentrum ein Patron steht, der seine Belegschaft in guten Händen wissen will.

Wenn Bruno Pfenninger durch den Betrieb geht, ist vor allem eines anders: Er ist nicht mehr Inhaber dieses Unternehmens. Darum wird er begleitet von Albert Enste, 50, Ingenieur, Nachfolger und damit neuer Besitzer der Federnfabrik Schmid. An ihn hat Pfenninger die Fabrik im März verkauft. Seither ist der 59-Jährige noch in beratender Funktion tätig. «Ich habe immer gehofft, an einen Privatinvestor zu übergeben, der zugleich auch die Geschäftsführung übernimmt», so Bruno Pfenninger. Im Verkaufsprozess, der von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) begleitet wurde, sei Enste damit von Anfang an, seit klar war, das die beiden Töchtern das Unternehmen nicht wollen, einer der Wunschkandidaten gewesen. Dass der Idealkandidat auch «finanziell bei den Leuten war», wie Pfenninger sagt, sei «reines Glück». 12 wollten kaufen Rund 100 potenzielle Investoren ist die ZKB anfänglich im Auftrag von Pfenninger angegangen, die Hälfte hat im Verkaufsprozess den nächsten Schritt getan und die Unternehmensdokumentation genau geprüft. 17 haben eine unverbindliche Offerte eingereicht, letztlich haben 12 in Managementpräsentationen um das KMU mit 55 Mitarbeitenden und 11 Millionen Fr. Umsatz geworben. Albert Enste sei an jeden Termin mit seiner Frau gekommen, sagt Pfenniger. «Man spürte, dass er sehr interessiert war und seine Familie den Schritt ins Unternehmertum unterstützte». So hofft er, dass sein Nachfolger, Vater von drei kleinen Kindern, die bald 100-jährige Firma in Oetwil am See ZH erfolgreich weiterführt. Er selbst hat sie in einem Management-by-Out in den 90er Jahren gekauft. Zu den damaligen Inhabern, den Gebrüdern Schmid, heute 90- und 88-jährig, pflegt er immer noch Kontakt. «Sie verstehen mein Anliegen, die Firma in kerngesundem Zustand zu übergeben», sagt er. Er selbst war damals Wunschkandidat der Gebrüder Schmid. Man hat ihn zuerst über einen Stellenvermittler als Geschäftsführer rekrutiert und ihm die Option in Aussicht gestellt, die Federnfabrik später zu kaufen. «Nicht mehr meine Entscheidung» Als gelernter Mechaniker verstand Pfenninger etwas von der Materie. Unternehmerisch tätig war er zuvor ebenfalls, allerdings in der Werbebranche. Gerade darum habe er wohl etwas Zeit gebraucht, um zu erkennen: Die Federnfabrik braucht weder Werbe-Schnörkel noch schrilles Marketing. Aufträge basieren ausschliesslich auf solidem Ruf und persönlichen Kundenbeziehungen. Sein Werbebudget war entsprechend gering. «Man erkennt es an der Webseite. Aber wir brauchen solche Auftritte ja auch nicht», sagt Pfenninger, schmunzelt und fügt an: «Solche Entscheidungen liegen nun nicht mehr bei mir.» So eine Haltung sei ein Glücksfall, sagt Oliver Schärli, der bei der ZKB den Verkaufsprozess durchgeführt hat. Nicht alle Unternehmer könnten gut loslassen. Ein Verkaufsprozess sei immer auch emotional. «Man ist nah an den Menschen dran. Diese Nähe, die unterschiedlichen Geschäftsmodelle und Branchen sind das Spannende an diesem Beruf.» Zweifel Gezweifelt am Vorhaben hat Bruno Pfenninger zwischendurch schon: Er ist ja eigentlich noch jung, noch voller Energie, das Unternehmen wächst stetig. Doch wann verkaufen, wenn nicht jetzt? Wird er in ein paar Jahren das gleiche Engagement für eine gute Lösung aufbringen können? «Ein Verkauf fordert zweifellos Energie», bestätigt Oliver Schärli. «Ich habe die Intensität unterschätzt» sagt denn auch Bruno Pfenniger. Die Aufbereitung der für den Verkaufsprozess notwendigen Unterlagen sei zeitintensiv gewesen. «Und wenn es operativ rund läuft, hat ein KMU auch nicht mit Anwälten zu tun.» Ohne Unterstützung der Bank wäre er wohl eher intuitiv und kaum derart strukturiert vorgegangen. «Es geht auch darum, den Unternehmer professionell zu unterstützen und einen Nachfrage-Markt zu schaffen», erläutert Schärli die Rolle der Bank. Eine grössere Nachfrage treibe den Preis, fördere die Qualität der Offerten und führe letztlich auch zur Identifikation und Selektion des Wunschnachfolgers. Noch nie erlebt hat Schärli, dass familieninterne Nachfolger sich einem solchen Markt aussetzen. Übernimmt ein Sohn oder die Tochter das Unternehmen, dann sei der Bankberater eher in der Rolle eines Mediators, der den anderen Erben beispielsweise Unternehmenswerte erklärt. «Man versucht, ein gemeinsames Bild zu schaffen.» Notiz an die Redaktion: Es sind Bilder von Keystone vorhanden

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch