US-Bankenchefs verkaufen ihre eigenen Aktien

Während die Kurse steigen, wächst bei den Investoren das Misstrauen in die Wirtschaftspolitik der Regierung Trump.

Fehlendes Vertrauen: Manager der Bank of America haben Aktienpakete ihres Instituts abgestossen. Bild: Christopher Dilts (Bloomberg/Getty Images)

Fehlendes Vertrauen: Manager der Bank of America haben Aktienpakete ihres Instituts abgestossen. Bild: Christopher Dilts (Bloomberg/Getty Images)

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Es ist mittlerweile ein guter Brauch, dass die Lenker grosser Konzerne einen Teil ihres Privatvermögens in Aktien des Unternehmens investieren, bei dem sie arbeiten. So demonstrieren Führungskräfte ihren tiefen Glauben an den zukünftigen Geschäftserfolg, den sie massgeblich mitverantworten. Wenn nun plötzlich die Bosse der sechs grössten US-amerikanischen Banken die Aktien ihres Instituts verkaufen, sollte man daher aufhorchen.

Die Manager der Bank of America, von Wells Fargo, J. P. MorganChase, Citi­group, Goldman Sachs und Morgan Stanley hätten 2017 bisher netto über 9 Millionen ihrer Aktien verkauft, meldete die «Financial Times» zu Beginn dieser Woche. Ein solches Misstrauensvotum gegen die eigene Adresse gibt es selten. Warum machen die Manager Kasse? Glauben sie etwa, dass die Aktienmärkte drehen und das jahrelange Rally zu einem Ende kommt?

Die Unsicherheit der Finanzmarktteilnehmer ist derzeit mit Händen zu greifen. Die Linien der Aktienkurse der grössten Indizes weltweit wirken, als hätte sie jemand mit zittriger Hand gezeichnet: Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen kleinere Rückschläge, auf die eine leichte Erholung folgte. Sind das die Vorboten eines Abschwungs oder zumindest einer deutlichen Korrektur?

Trump als Belastung

Eine zentrale Ursache für die Verunsicherung ist US-Präsident Donald Trump. Nach seinem Wahlsieg überschlugen sich die Märkte mit Erwartungen, die Kurse stiegen auf Rekordhöhen. Doch langsam tritt Ernüchterung ein: Bis jetzt hat er keines seiner vollmundigen Versprechen eingelöst. Vor allem bei seinem wichtigsten wirtschaftspolitischen Projekt, den Steuersenkungen, hat er nicht geliefert. Stattdessen stellte er vergangene Woche sogar in Aussicht, dass er es im Ernstfall auch auf einen «Government Shutdown», also den Stillstand der Administration, ankommen lassen würde, wenn der Kongress die Gelder für seine Mexiko-Mauer nicht freigeben will. Wie unberechenbar er sein kann, zeigte er bereits bei vielen Gelegenheiten. Trump, so glauben viele Beobachter, ist eine Belastung für die Finanzmärkte geworden.

Und dennoch spricht viel gegen eine bevorstehende Korrektur. Einer der wichtigsten Gründe: das Verhalten der Notenbanken. «Das Trump-Rally wird von den Notenbanken in ein Anti-Trump-Rally überführt», glaubt etwa Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der deutschen Baader Bank. Je weniger wirtschaftspolitische Wachstumsimpulse von Trump kommen, desto weniger zügelnd muss die amerikanische Notenbank eingreifen. Denn wenn die Wirtschaft nicht läuft, besteht keine Gefahr zu hoher Inflation oder gar Überhitzung. Und je länger das Fed die Zinsen nicht erhöht, desto attraktiver bleiben Aktienanlagen.

Zurückhaltung bei US-Aktien

Dass eine grössere Korrektur unwahrscheinlich ist, liegt auch an den mangelnden Alternativen zu den Aktien: Wohin sollten die Investoren ihr Geld legen, wenn nicht in Aktien? Anders als vor der Finanzkrise werfen festverzinsliche Papiere kaum Rendite ab. Das ist eine Folge der lockeren Geldpolitik und des damit verbundenen historisch niedrigen Zinsniveaus. «Zinspapiere werfen nichts mehr ab, also müssen Investoren ihr Geld in Aktien stecken», sagt Folker Hellmeyer, Chefökonom der Bremer Landesbank. Gegen einen Crash sprechen seiner Einschätzung nach auch die weltweiten Wachstumserwartungen: «Wir rechnen damit, dass die Weltwirtschaft wieder stärker wächst», so Hellmeyer.

Er verweist allerdings auf «krasse Bewertungsunterschiede» an den internationalen Aktienmärkten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) europäischer Aktien liege bei 13, das am US-Markt bei 19. Das bedeutet, dass europäische Aktien billiger sind als amerikanische, da das KGV den Aktienkurs einer Firma ins Verhältnis zu seinem prognostizierten Gewinn setzt. «Bei dieser Divergenz ist es ganz natürlich, dass Investoren bei US-Aktien etwas zurückhaltender sind», so Hellmeyer. Und auch das Erstarken des Euro gegenüber dem Dollar ist eine positive Nachricht. «Durch die Abwertung des Dollar können US-Firmen wieder mehr exportieren. Das stärkt die Ertragslage der US-Unternehmen und damit deren Aktienkurse», sagt Hellmeyer.

Unter dem Strich müssen die Anleger nach Meinung vieler Fachleute also keine Angst vor einem unmittelbar bevorstehenden Crash haben. In der Vergangenheit waren die grossen Aufwärtsphasen zwar oft nach sieben oder acht Jahren vorbei. Doch die alten Regeln gelten nicht mehr. «In der Vergangenheit haben stets die Notenbanken durch Zinserhöhungen eine Hausse beendet. Das würden sie heute nicht wagen. Das wäre Beihilfe zum Konjunkturmord», sagt Experte Halver.

Erstellt: 30.08.2017, 15:04 Uhr

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