Versprechen nicht gehalten

Gift-Einsatz bei der Kleiderherstellung: Eine Kampagne zur Verhinderung von Chemikalien haben auch Adidas und Nike unterschrieben. Nun zieht Greenpeace Bilanz – und die fällt ganz schlecht aus.

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In Ländern wie China, Pakistan oder Mexiko vergiftet die Textilherstellung Gewässer und Trinkwasser – mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt. Zwei Jahre nach dem Start ihrer Detox-Kampagne gegen gefährliche Chemikalien zieht Greenpeace eine Zwischenbilanz. Der «Detox-Catwalk», den Greenpeace International am Donnerstag veröffentlichte, zeigt auf, was die Unterzeichner der Kampagne bisher getan haben.

Greenpeace will, dass Unternehmen, die sich einmal verpflichtet haben, den Einsatz giftiger Chemikalien bis 2020 auf null herunterzufahren, auch wirklich aktiv werden. Deshalb verfolgt die Organisation, welche der Modefirmen Worten Taten folgen lässt und wer nicht. Bereits im April hatte Tagesanzeiger.ch/Newsnet geschrieben, Greenpeace werfe Adidas, Nike und Puma intern Greenwashing vor. Puma hat seither offenbar reagiert. Für Adidas und Nike hingegen ist die Anklage nun offiziell. Ebenfalls auf der Anklagebank ist der chinesische Sportartikelhersteller Li Ning.

Papierene Versprechen

Vor zwei Jahren hatte Greenpeace diese drei Konzerne als Vorreiter ihrer Kampagne präsentiert: Adidas, Nike und die chinesische Firma Li Ning. Heute tönt es anders: «Der ‹Catwalk› zeigt, dass diese Unternehmen ihre Passivität hinter papierenen Versprechen und ineffizienten Arbeitsgruppen der Industrie verstecken.» Die gleichen Konzerne, die mit Slogans wie «Impossible is nothing» und «Just do it» werben würden, hätten es nicht geschafft, sich wirklich für eine giftfreie Textilproduktion zu engagieren, sagt Ilze Smit, Campaignerin bei Greenpeace International. «Greenwasher wie Adidas und Nike täten gut daran, auf Detox-Trendsetter wie Mango oder Uniqlo zu schauen, die Antworten auf die globale Gewässerverschmutzung haben.» Nike und Adidas stellten sich selber als nachhaltige Unternehmen dar, ihre Inaktivität spreche aber eine andere Sprache. Im Fall von Adidas zeigte das auch der jüngste Bademoden-Test von Greenpeace Deutschland, bei dem der Adidas-Schwimmanzug in puncto Schadstoffbelastung unrühmlich herausragte.

Adidas erklärte, es erfülle alle Verpflichtungen, die es Greenpeace gegenüber zum Start der Kampagne abgegeben habe. «Wir arbeiten seit Jahren erfolgreich an der Reduzierung und schrittweisen Eliminierung gefährlicher Chemikalien in unserer Beschaffungskette.» Unter anderem sei Adidas die einzige Marke, weltweit die sich formell verpflichtet habe, auf zwölf spezifische gefährliche Chemikalien zu verzichten. Alle relevanten Standards zum Umgang mit Chemikalien in der eigenen Lieferkette seien öffentlich und erfüllten strengste Vorgaben. Die Einhaltung werde auch von unabhängigen Experten überwacht.

Coop ist dabei, Migros geht eigenen Weg

Greenpeace teilt die 17 Modefirmen, die sich zum Giftausstieg bis 2020 verpflichtet haben, in die Kategorien «Trendsetter», «Greenwasher» und «Schlusslichter» ein. Die «Trendsetter» veröffentlichen Daten über Schadstoffeinleitungen ihrer Zulieferer in China auf der Plattform des Institute of Public & Environmental Affairs (IPE). Ausserdem haben sie begonnen, besonders gefährliche Schadstoffe wie per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) aus ihren Produkten und Herstellungsprozessen zu verbannen.

Neben Mango und Uniqlo gehören die Massenhersteller Benetton, Esprit, H & M, Levi's, Puma und Zara oder die Luxusmarke Valentino zu den Trendsettern, denen Greenpeace grosse Schritte nach vorne attestiert. Auch der Schweizer Detailhändler Coop fällt in diese Kategorie. Die Migros strebt wie Greenpeace eine Kleiderproduktion ohne Gifte an, hat aber die Detox-Kampagne nicht unterschrieben. Sie will jedoch bis Ende 2017 alle Textilien ihrer Eigenmarken ökologisch, sozialverträglich und zu 100 Prozent rückverfolgbar produzieren. «Weshalb sollten wir eine simple Absichtserklärung unterschreiben?», hatte Migros-Sprecher Urs Peter Naef im Frühjahr gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet gesagt. Die Migros sei in ihren Bemühungen viel weiter. Greenpeace hatte die Migros wegen ihres Abseitsstehens massiv kritisiert und lädt den Konzern weiterhin zu einem Engagement in der Detox-Kampagne ein.

Firmen wie Gap, Calvin Klein, Giorgio Armani und Tommy Hilfiger reiht der «Detox Catwalk» in die Kategorie «Schlusslichter» ein. Diese Marken ignorieren das Problem bisher komplett. Greenpeace hat Gap im Report «Giftige Garne» im November 2012 nachgewiesen, in einen Abwassergiftskandal in Indonesien verwickelt zu sein.

Ergebnisse des «Catwalks» und die Stossrichtung der Kampagne hat Greenpeace in einem Video festgehalten.

Erstellt: 31.10.2013, 12:43 Uhr

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