«Viele wählen ihre Objekte aus, machen Besichtigungen»

Der griechische Immobilienexperte Georg Petras rät jetzt zu Käufen. Seine Tipps: Rhodos, Kreta und Korfu.

1,6 Millionen Euro kostet dieser herrschaftliche Wohnsitz auf der Insel Symi. Bild: Keystone

1,6 Millionen Euro kostet dieser herrschaftliche Wohnsitz auf der Insel Symi. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kenner des griechischen Immobilienmarktes verzeichnen ein deutlich steigendes Interesse an Investitionen aus dem Ausland. Auf den Inseln sind die Preise seit 2009 im Schnitt nur zehn bis 15 Prozent gesunken. In grossen Städten auf dem Festland hingegen dürften Wohnungen die Hälfte ihres Werts verloren haben. Die BaZ hat sich mit einem Experten über Chancen, Risiken und Voraussetzungen einer privaten Investition unterhalten.

Georg Petras, Griechenland steht kurz vor dem Kollaps und kann nur dank Hilfspaketen und Rettungsschirmen am Leben gehalten werden. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Kauf einer Immobilie?
Es gab nicht wenige, die dachten, dass Anfang Jahr der optimale Zeitpunkt gewesen sei. Dann aber kamen Tsipras und Co. und die Krise ging erst richtig los. Die Käufe gingen rapide zurück, der Immobilienmarkt kam faktisch zum Stillstand. Sobald das dritte Hilfs­paket unterschrieben ist, wird eine deutliche Belebung des Geschäftes einsetzen. Dies dürfte in den nächsten zwei Wochen der Fall sein. Deshalb erwarte ich einen heissen Sommer und Herbst.

Hat das Ja der Griechen zu mehr Austerität bereits positive Folgen gehabt?
Nach der 19-stündigen Marathonsitzung in Brüssel, als die Weichen für neue Hilfsprogramme gestellt wurden, haben sich über Nacht die Anfragen von interessierten Immobilienkäufern vervierfacht. Viele wählen ihre Objekte aus, machen Besichtigungen. Wir erleben gewissermassen die Ruhe vor dem Sturm.

Wird es genügend Immobilien geben, um die Nachfrage zu befriedigen?
Daran zweifle ich. Wenn der Boom im Herbst einsetzen wird, dann dürfte der Markt schon nach kurzer Zeit ausgetrocknet sein. Seit 2010, dem Beginn der Wirtschaftskrise in Griechenland, kam die Bauwirtschaft zum Erliegen. Der Hauptgrund liegt im fehlenden Kapital. Die Banken des Landes finanzieren seit drei Jahren keine Immobilien mehr.

Lässt sich die Situation auf dem Festland und auf den Inseln vergleichen?
Nein. Grosse Überbauungen, wie es sie zum Beispiel in Spanien gibt, sind auf den Inseln schon aus Platzgründen nicht möglich. Deshalb sind die Preise seit Ende 2009 nur moderat um durchschnittlich zehn bis 15 Prozent gefallen. Seit Anfang 2014 ist zudem die Grunderwerbssteuer von neun auf drei Prozent gesunken. Damit sind Zweitwohnungen um einen Fünftel günstiger. Die Preise sind seit einem Jahr mehr oder weniger stabil. Wir stellen auch fest, dass die ausgeschriebenen Preise annähernd der Kaufsumme entsprechen.

Haben während der Krise viele Verkäufer bewusst auf Zeit spekuliert?
Ausländische Hausbesitzer sind in aller Regel nicht gezwungen, ihre Immobilie zu verkaufen. Sie können eine Krise aussitzen. Das stützt die Preise. Anders sieht die Situation auf dem Festland aus. In grossen Städten wie Athen oder Thessaloniki haben Wohnungen seit 2009 die Hälfte ihres Wertes verloren. Der Erstwohnungsmarkt ist also mit dem Zweitwohnungsmarkt nicht zu vergleichen. Wer will schon eine Wohnung im achten Stock mit Blick auf Müllhalden und schmutzige Hinterhöfe? 99 Prozent der Schweizer Käuferinnen und Käufer suchen nach Meerblick und einer gepflegten Umgebung.

Mussten viele Hausbesitzer wegen der Krise ihre Wohnungen verkaufen?
Im Zweitwohnungsmarkt war dies selten. Eine Ausnahme bildeten Engländer, die vor zwei Jahren eine Immobilie erwarben, obwohl sie schon damals zu teuer für sie war. Zudem sind viele Schnäppchenjäger enttäuscht wieder nach Hause gefahren. Notverkäufe wie es sie nach 2009 in den USA gab, fanden in Griechenland nicht statt. Zwangsversteigerungen sind nämlich per Gesetz verboten. Ohne dieses Gesetz wäre jeder zweite Grieche auf der Strasse. Für die kreditgebenden Banken hiess dies, dass sie den Wert eines Objektes zwar deutlich nach unten korrigieren mussten und deshalb die Hypothek höher ist als sein Wert. Ausser eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen, können sie aber nichts tun. In Zukunft dürfte sich die Situation ändern. Im Rahmen des dritten Hilfspaketes sollen auf dem Erstwohnungsmarkt Zwangsversteigerungen wieder eingeführt werden.

Wo liegen die Preise auf einer Zeitachse von 20 Jahren heute?
Ich würde sagen, dass man aktuell so viel bezahlt wie im Jahr 2005. Bis 2008 herrschte ein eigentlicher Boom mit steigenden Preisen. Ohnehin gilt, dass all jene, die noch mit Drachmen ein Haus kauften, auch heute noch – dank dem Euro – zu den Gewinnern gehören.

Welche Regionen empfehlen Sie?
Für mich liegen Rhodos, Kreta und Korfu ganz vorne. Rhodos ist wegen seiner guten Infrastruktur mit Mallorca zu vergleichen. Man kann dort auch gut überwintern. Anders als auf Mykonos oder Santorini findet dort auch im Winter Leben statt. Zudem ist die Erreichbarkeit gut. Rhodos ist meine Erachtens sehr interessant, weil die Insel eine echte Alternative zu anderen bekannten Inseln in Europa darstellt. Wir kennen hier den Tourismus seit 70 Jahren.

Wer mehr als eine Viertelmillion Euro in eine Liegenschaft investiert, kriegt vom Staat gleich noch die Aufenthaltsgenehmigung gratis mitgeliefert. Gibt es auch andere Anreize?
Dieses Argument ist für Schweizer Käufer nicht massgebend. Sie benötigen nur eine Steuernummer. Von dieser Regelung profitieren Investoren aus dem Nahen Osten oder den USA. Sie können sich so in ganz Europa ohne Visum bewegen. Portugal und Spanien haben diese Regelung übrigens übernommen. Allerdings liegt dort die Limite bei 500'000 Euro.

Welche Risiken sind mit dem Kauf einer Immobilie in Griechenland verbunden?
Auch hier gilt es zu unterscheiden. Auf Rhodos und Kos gibt es ein gut funktionierendes Grundbuch- und Katasterwesen. Es ist einmalig in Griechenland und ist auf die italienische Besatzungsmacht von 1937 zurückzuführen. Wir Griechen mussten es lediglich weiterführen und wir haben es getan. Das ist ein Riesenvorteil, weil es von der Qualität her mit jenem in der Schweiz verglichen werden kann. Die ersten Eintragungen sind übrigens in italienischer Sprache abgefasst.

Heisst das, dass in anderen Regionen die Besitzverhältnisse komplizierter sind und Vorsicht angebracht ist?
Es gab und gibt weiterhin viele Probleme. Seit 2012 existiert jedoch ein Legalisierungsgesetz. Der Verkäufer muss nachweisen, dass ihm Haus und Boden gehören und dass die zu verkaufende Fläche mit jener übereinstimmt, die im Grundbuch eingetragen ist. Wer illegal gebaut hat, muss eine Busse bezahlen. Ein Weiterverkauf dieser Liegenschaft ist nicht vor Bezahlen der fälligen Busse möglich.

In dieser Hinsicht werden Sie also bald überflüssig?
Davon rate ich dringend ab. Wir kriegen unsere 2 bis 2,5 Prozent des Verkaufspreises zur Hauptsache für unsere Dienstleistungen ausbezahlt. Sprache und Schrift sind verschieden. Wir begleiten den Kunden aufs Grundbuchamt und regeln für ihn alles.

Wie interessant ist es, ein Baugrundstück zu erwerben? Ich rate davon ab.Wer einen Neubau schlüsselfertig bauen lässt, geht Risiken ein. Was passiert, wenn der Generalunternehmer pleitegeht?

Wie lassen sich Immobilien gegenwärtig überhaupt finanzieren?
Bis auf Weiteres gilt, dass die volle Summe aus Eigenmitteln bezahlt werden muss. Bankenfinanzierungen wird es erst wieder im Winter geben, wenn sich die Situation beruhigt hat und die Banken mit genügend liquiden Mitteln versorgt sind. Es ist ja vorgesehen, dass im Rahmen des dritten Hilfspaketes die Banken 15 bis 20 Milliarden Euro erhalten sollen. Dann, so glaube ich, wird auch die Hälfte des benötigten Kapitals wieder fremdfinanziert werden können.

Erstellt: 03.08.2015, 18:09 Uhr

Georg Petras

Georg Petras: Der 1971 geborene Grieche ist in Stuttgart aufgewachsen. Der Unternehmer ist Autor eines Ende 2015 erscheinenden Buches über die Griechenland-Krise.

Engel & Völkers-Gruppe

Die im Jahre 1977 gegründete Engel & Völkers-Gruppe (E & V)gehört zu den führenden Unternehmen im Immobilienbereich. Sie ist weltweit in 38 Ländern tätig. Im ersten Halbjahr 2015 erzielte E?&?V einen Markencourtage-Umsatz von 182 Millionen Euro. Dies entsprach einem Umsatzplus von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das kräftige Wachstum wurde von der guten Immobilienkonjunktur und der starken Präsenz der Marke in Deutschland, Spanien, Italien, Nordamerika und der Schweiz getragen. E?&?V will weiter stark wachsen und bis Ende Jahr 2000 neue Immobilienberater akquirieren und die Mitarbeiterzahl auf über 7000 erhöhen.

Artikel zum Thema

Pleite könnte Schweizer Exportfirmen hart treffen

Sollte es zum Bankrott des griechischen Staates kommen, wären nicht alle Schweizer Firmen gleich stark betroffen. Die SNB hat sich «intensiv» mit dem Szenario beschäftigt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Geldblog Solarenergie: So setzen Sie auf den Megatrend

Sweet Home Da werden wir weich

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...