VW-Manipulation – was ist mit den Schweizer Fahrzeugen?

Skandal in den USA, Desaster an der Börse: Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer zum Fall Volkswagen und den offenen Fragen.

VW-Chef Martin Winterkorn posiert neben einem Golf: In den Modellen soll Manipulations-Software eingebaut sein.

VW-Chef Martin Winterkorn posiert neben einem Golf: In den Modellen soll Manipulations-Software eingebaut sein. Bild: Uli Deck/Keystone

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Der deutsche Volkswagen-Konzern hat massive Abgasmanipulationen in den USA zugegeben. In Autos der VW-Modelle Jetta, Beetle, Passat und des Modells Audi A3 soll der Konzern einen «ausgeklügelten Software-Algorithmus» eingesetzt haben, der erkennt, wenn das Fahrzeug einen offiziellen Abgastest absolviert.

Nur dann soll das System die komplette Emissionskontrolle eingeschaltet haben, sodass die Grenzwerte eingehalten wurden. Die Folge: Ausserhalb der offiziellen Tests sollen die Grenzwerte für Stickoxide bis um das 40-Fache überschritten worden sein, wie die Behörden schreiben.

Technologisch möglich

Ob die VW-Software auch in VW eingesetzt wurde, die in der Schweiz zirkulieren, ist derzeit – zumindest hierzulande – die grosse Frage. «Auszuschliessen ist das nicht», sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor am Center Automotive Research in Duisburg. Rein von der Technologie und dem Bau der Autos her, sei es möglich.

Einen ganzen Fragenkatalog zum VW-Fall hat die «Süddeutsche» aufgestellt: «Haben auch andere Hersteller in den USA die Software eingesetzt, um Öko-Standards zu simulieren, von denen man in Wahrheit kilometerweit entfernt ist? Und hat VW die Software auch in anderen Regionen, vielleicht in Europa, eingesetzt? Werden, wie am Wochenende gefordert, nun auch Untersuchungen in Deutschland stattfinden? Wird die EU-Kommission aktiv?» All das wird für den Konzern zu klären sein.

In den USA würden Verstösse gegen das Umweltgesetz strenger bestraft als in der EU. «Die Hürde ist also geringer, eine solche Software auch in der EU einzusetzen», kommt Dudenhöffer zum Schluss. VW müsse deshalb schnell informieren, wo der Konzern die Software überall eingesetzt habe.

Die Schweiz stützt sich auf EU-Bescheinigung ab

Die Frage ist eine sehr heikle. Von der VW-Konzernzentrale in Wolfsburg gibt es bisher keine Auskunft dazu. Beim grössten Schweizer VW-Importeur, der Amag, verweist man an die Markeneinheit VW-Schweiz. Dort sagt Sprecher Livio Piatti: «Zum Zeitpunkt der Zulassung in der Schweiz erfüllen die Autos die geltenden Abgasgrenznormen.» Zur konkreten Frage, ob die Software auch VW-Fahrzeugen eingebaut ist, die in der Schweiz zirkulieren, kann Piatti nicht sagen. «Es laufen Untersuchungen dazu», sagt er.

Autos, die in der EU die Zulassung erhalten, sind seit einigen Jahren automatisch auch in der Schweiz zugelassen. Zwar führen Garagisten in den meisten Fällen eine Selbstabnahme durch, das gilt aber nicht für Emissionen. Diese werden in der Schweiz nicht nochmals geprüft, wie es beim Branchenverband Auto Schweiz heisst.

Erstellt: 21.09.2015, 12:10 Uhr

Gnadenlose Anleger

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA bringt Volkswagen massiv in Bedrängnis: An der Frankfurter Börse verlor die Aktie des Autobauers am Montag zeitweise mehr als 20 Prozent an Wert. Die Anleger reagierten damit auf den Skandal um manipulierte Abgaswerte, der am Freitag bekannt geworden war. Der Skandal ist für VW laut Dudenhöffer eine «Imagekatastrophe par exellence». Auch der Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach sprach von einem «grossen Schaden» für VW. Er rühre «am Kern des Images» des Autobauers und habe das Vertrauen beschädigt, sagte Bratzel der Nachrichtenagentur AFP. Der Skandal kommt Volkswagen teuer zu stehen. Neben dem Imageschaden, dem Verlust an der Börse und den Kosten für die Nachbesserungen an den Autos drohen dem Hersteller in den USA Strafzahlungen. Laut US-Medienberichten könnte auf Volkswagen eine Strafe von 37'500 Dollar pro Fahrzeug zukommen – und damit insgesamt etwa 18 Milliarden Dollar (knapp 16 Milliarden Euro). (afp)

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