Schweizer VW-Verkaufsverbot trifft auch private Autobesitzer

Nach der Abgas-Affäre werden 180'000 VW-Fahrzeuge praktisch unverkäuflich – betroffen sind in erster Linie Occasionen.

Die Abgasmanipulationen kommen Volkswagen teuer zu stehen.

Die Abgasmanipulationen kommen Volkswagen teuer zu stehen. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Am vergangenen Freitagabend veröffentlichte das Bundesamt für Strassen (Astra) eine Medienmitteilung zu den VW-Abgasmanipulationen. Darin wurde für Anfang dieser Woche eine Verfügung für die rund 180'000 potenziell betroffenen Fahrzeuge aus dem VW-Konzern angekündigt. Doch übers Wochenende herrschte bei vielen Händlern und Autobesitzern grosse Verwirrung. Gilt das Verkaufsverbot nur für Neuwagen oder auch für Autos im Privatbesitz? Denn das Astra schrieb zwar, dass den betroffenen Modellen die Typengenehmigung vorsorglich entzogen werde. Nicht betroffen von dieser Verfügung seien aber bereits in Verkehr gesetzte Fahrzeuge, diese dürften weiter zirkulieren. Das stimmt, aber nur bedingt. Dem «Tages-Anzeiger» ist der genaue Inhalt der behördlichen Anordnung bekannt. So weist das Astra die kantonalen Strassenverkehrsämter an, dass die 180'000 Fahrzeuge «ab sofort» nicht mehr neu zugelassen werden dürfen.

Konkret heisst das: Privatpersonen oder Gebrauchtwagenhändler, die eines dieser Modelle verkaufen wollen, können dies zwar weiterhin tun, aber der Käufer wird es nicht einlösen und fahren dürfen. Folglich sind die Autos praktisch unverkäuflich. Wie viele der 180'000 Autos momentan privat und kommerziell zum Verkauf stehen, ist unbekannt. Ein Autohändler aus dem Grossraum Zürich sagte bloss: «Das ist ja eine extreme Massnahme.» Beim grössten VW-Importeur der Schweiz, der Amag, sind es wenige Hundert an Lager. Dem Vernehmen nach wurde bereits vorsorglich ein Verkaufsstopp erlassen. Dazu sagte gestern Amag-Sprecher Livio Piatti auf Anfrage: «Wir arbeiten mit dem Astra offen und umfassend zusammen, um den Sachverhalt schnell und vollumfänglich aufzuklären.» Man könne aber zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben dazu machen.

Sorgfalt ist wichtiger als Tempo

«Die besagten Modelle werden erst wieder von den Strassenverkehrsämtern zugelassen, sobald VW die Mängel behoben hat», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach dem TA. Theoretisch könnte das Astra die Rückrufaktion anordnen, doch das wird wohl nicht nötig sein, da der VW-Importeur Amag bereits Kooperationsbereitschaft zugesagt hat. Ob aber das De-facto-Verkaufsverbot ein paar Tage, Wochen oder gar Monate bestehen wird, ist noch unklar. Die Amag weiss nicht einmal, wann die Rückrufaktion gestartet wird: «Sorgfalt ist noch wichtiger als Geschwindigkeit», so der Amag-Sprecher. Während der Rückruf für den VW-Importeur bereits eine grosse logistische Herausforderung sein wird, stehen die freien Importeure mit ihrer viel kleineren Infrastruktur vor einem weit grösseren Problem.

Wenigstens ist aber eins mittlerweile geklärt: Die meisten heute zum Verkauf stehenden Neuwagen des VW-Konzerns werden von der Verfügung nicht tangiert. Voraussetzung ist jedoch, dass sie mit den neuen Euro-6-Motoren der laufenden Produktion ausgestattet sind. Bei den 180'000 Autos handelt es sich um Modelle der Marken Audi, Seat, Skoda und Volkswagen der Baujahre 2009 bis 2014 (ausschliesslich Ausführungen Euro 5), welche mit Dieselmotoren in den Ausführungen 1.2 TDI, 1.6 TDI und 2.0 TDI ausgerüstet sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.09.2015, 23:54 Uhr

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Schweiz verbietet Verkauf von VW-Dieselfahrzeugen

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