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Warum Altersvorsorge für Mütter so wichtig ist

Je schneller Frauen nach der Kinderbetreuung wieder erwerbstätig werden, desto geringer ist ihre Rentenlücke im Vergleich zum Ehemann.

Der spätere Rentennachteil einer Frau im Vergleich zu ihrem Mann ist umso geringer, je schneller und je stärker sie nach der Mutterschaft ins Erwerbsleben zurückkehrt. Foto: Dean Mitchell (Getty Images)
Der spätere Rentennachteil einer Frau im Vergleich zu ihrem Mann ist umso geringer, je schneller und je stärker sie nach der Mutterschaft ins Erwerbsleben zurückkehrt. Foto: Dean Mitchell (Getty Images)

Für junge Menschen, die eine Familie gründen wollen, gibt es gewiss Prickelnderes, als über die Altersvorsorge nachzudenken. Gerade Frauen sind indes gut beraten, ihr Augenmerk frühzeitig auf dieses Thema zu richten. Dieser Schluss ergibt sich aus einer gestern vorgelegten Studie des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life. Sie hat die geschlechtsbedingten Unterschiede bei den Rentenleistungen – auf Neudeutsch: Gender Pension Gap – untersucht.

Um ein Beispiel herauszugreifen: Jene Mütter, die sich schon mal vertieft mit der Altersvorsorge beschäftigt haben, gehen einer Erwerbstätigkeit mit einem mittleren Pensum von knapp 50 Prozent nach. Nicht informierte Mütter hingegen haben ein deutlich geringeres Durchschnittspensum von 37 Prozent, wie die Swiss Life in einer landesweiten Repräsentativumfrage ermittelt hat.

Verheiratete Frauen besonders benachteiligt

Tatsächlich ist der spätere Rentennachteil der Frau im Vergleich zu ihrem Mann umso geringer, je schneller und je stärker sie nach der Mutterschaft ins Erwerbsleben zurückkehrt. Andreas Christen, Autor der Studie, hat dazu vor den Medien drei Szenarien dargelegt. Bei einem tiefen Pensum – 40 Prozent ab Mitte 40 bis zur Pensionierung – erhält die Frau im Durchschnitt 50 Prozent geringere Rentenleistungen aus AHV, beruflicher Vorsorge und privaten Ersparnissen als ihr Vollzeit arbeitender Mann.

Im Fall eines mittleren Pensums – 60 Prozent ab dem Alter 40 – verringert sich die Rentenlücke der Frau gegenüber ihrem Mann auf 39 Prozent. Denn gemeinsam erhält das Paar 8 Prozent höhere Rentenleistungen im Vergleich zum Szenario mit geringer Erwerbstätigkeit der Frau.

Selbst wenn verheiratete Frauen ihre Erwerbsarbeit nach der Mutterschaft rasch wieder aufnehmen, müssen sie noch eine erhebliche Lücke in Kauf nehmen.

Noch kleiner wird die Rentenlücke zum Mann – 17 Prozent –, wenn die Frau nur eine kurze Babypause einlegt und ihr Pensum bis zum Alter 50 schrittweise auf 100 Prozent erhöht; in diesem Fall kommt das Paar auf 22 Prozent höhere Rentenzahlungen gegenüber dem Szenario mit tiefem Pensum.

Die Berechnungen der Swiss Life zeigen aber auch: Selbst wenn verheiratete Frauen ihre Erwerbsarbeit nach der Mutterschaft rasch wieder aufnehmen, müssen sie noch einen erheblichen Gender Pension Gap in Kauf nehmen. Für alle verheirateten Paare beziffert der Lebensversicherer das geschlechtsbedingte Rentengefälle auf knapp 50 Prozent – verglichen mit je rund 30 Prozent bei geschiedenen und verwitweten Frauen und nur rund 3 Prozent bei ledigen Frauen.

Jährlich rund 20'000 Franken weniger

Zieht man die Gesamtbevölkerung heran, ergibt sich eine geschlechtsbedingte Rentendifferenz von rund einem Drittel. Frauen erhalten also im Durchschnitt jährlich um rund 20’000 Franken geringere Altersleistungen als Männer. Über 90 Prozent dieses Unterschieds gehen auf das Konto der beruflichen Vorsorge. Die Swiss Life musste sich bei ihren Berechnungen auf Zahlen des Bundesamts für Sozialversicherungen von 2012 stützen.

Doch «Gender Pension Gap ist nicht gleich Vorsorgelücke», wie Andreas Christen betonte. Er verwies auf die Umfrage, wonach über 80 Prozent der verheirateten Paare ihre Haushaltseinkommen zusammenlegen. Für diese Frauen, so Christen, dürften die tatsächlichen finanziellen Nachteile nach der Pensionierung meist kaum spürbar sein.

Ehescheidung als Armutsrisiko

Ganz anders ist die Lage für geschiedene Frauen: Bei ihnen habe der geschlechtsbedingte Unterschied der Rentenleistungen «grosse, effektiv spürbare Auswirkungen», wie Christen ausführte. Denn hier kommt die wirtschaftliche Einheit verheirateter Paare nicht mehr zum Tragen. Laut dem Studienautor ist denn auch fast jede dritte geschiedene Rentnerin auf Ergänzungsleistungen angewiesen – «das sind so viele wie in keinem anderen Zivilstand und deutlich mehr als geschiedene Männer».

Das Risiko, dass aus dem Gender Pension Gap eine spätere Vorsorgelücke erwächst, ist besonders gross für Frauen, die im Konkubinat leben und sich vorwiegend um die Kinder kümmern. Sie sind hinsichtlich Vorsorge schlechtergestellt als verheiratete Frauen. Trennen sich Konkubinatspaare, gibt es anders als bei Ehescheidungen keinen Vorsorgeausgleich. Das heisst: Jeder Partner behält sein Alterskapital aus der beruflichen Vorsorge – was jene Person benachteiligt, die wegen der Kinder die Erwerbstätigkeit eingeschränkt hat.

Änderungen in der Altersvorsorge zugunsten der Frauen dürften dazu beigetragen haben, das Rentengefälle zu verkleinern.

Eine gute Nachricht immerhin hatte Andreas Christen zu vermelden: «Der Gender Pension Gap ist bis zu einem gewissen Grad ein Echo der Vergangenheit.» Neben der stärkeren Präsenz jüngerer Frauen auf dem Arbeitsmarkt hätten auch Änderungen in der Altersvorsorge zugunsten der Frauen dazu beigetragen, das geschlechtsbedingte Rentengefälle zu verkleinern. Aktuelle Daten dazu liegen aber nicht vor.

Als Indiz für eine Annäherung der Rentenleistungen zwischen Mann und Frau nimmt die Swiss Life die Altersguthaben aus der beruflichen Vorsorge der bei ihr versicherten aktiven Arbeitnehmenden. Aus diesen angesparten Guthaben wird ersichtlich, dass sich die Geschlechterdifferenz für fast alle untersuchten Altersgruppen in den letzten 14 Jahren spürbar verringert hat. Dennoch: Männer können heute immer noch deutlich mehr Alterskapital ansparen als Frauen – der Gender Pension Gap wird also für lange Zeit bestehen bleiben.

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