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Was das In-Label Vetements in der Schweiz erwartet

Die Brüder Gvasalia wollen Pariser Haute Couture nach Zürich bringen. Die Schweizer Modebranche kann diese Auffrischung gebrauchen.

Diese Haute Couture wird bald in Zürich designt: Das In-Label Vetements zieht in die Schweiz.
Diese Haute Couture wird bald in Zürich designt: Das In-Label Vetements zieht in die Schweiz.
Benoit Tessier, Reuters

Zwingli-Stadt Zürich statt der Mode-Metropole Paris. Das angesagte französische Mode-Label Vetements zieht in die Schweiz. Dies berichtet die «SonntagsZeitung» in ihrer gestrigen Ausgabe. Hier sollen dereinst die Stücke entworfen werden, die an den internationalen Modeschauen für Aufsehen sorgen. Das Label der beiden Gründer und Brüder Demna und Guram Gvasalia hofft hier auf weniger Bürokratie, tiefere Steuern und bessere internationale Flugverbindungen.

Als wichtigsten Grund für den Umzug nennt Guram Gvasalia aber etwas anderes: «Paris tötet die Kreativität», so Gvasalia. Das Blingbling-Umfeld sei zerstörerisch, und er habe den vordergründigen Glamour satt. Er sucht nun die Abgeschiedenheit von der hektischen Modeszene und die Ruhe in der Schweiz.

Ganz unrecht hat Gvasalia damit nicht. Denn es gibt nur wenige mit Vetements vergleichbare Betriebe in der Schweiz. Die Textilindustrie beschäftigt laut dem Branchenverband Swiss Textiles hierzulande rund 13’000 Personen und exportierte im letzten Jahr Textilien für mehr als 1,3 Milliarden Franken. Hinzu kommen exportierte Kleider im Wert von 1,5 Milliarden Franken, wobei in dieser Zahl auch Rückwaren der Versandhändler enthalten sind. Trotz der hohen Volumen gibt es aber nur wenige Betriebe, die an den internationalen Fashionshows für Furore sorgen.

St. Galler Label Akris gibt zu reden

Allein ist Vetements dennoch nicht. Das St. Galler Modelabel Akris hat im letzten Jahr zum ersten Mal an der New York Fashion Week ausgestellt. Der 90-jährige Familienbetrieb sorgt in jüngster Zeit regelmässig mit prominenten Trägerinnen seiner Kleider für Aufsehen. So etwa wenn Amal Clooney, Menschenrechtsanwältin und Frau von Schauspieler George Clooney, in einem edlen Stück des St. Galler Herstellers auftritt.

Auch das Kleid von Bundesrätin Doris Leuthard, in dem sie im vergangenen Sommer an der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels teilnahm, stammte von Akris. Besonders wegen seines löchrigen und damit an die Veranstaltung angepassten Designs gab es damals zu reden.

Doris Leuthard im Akris-Kleid. (Bild: Keystone)
Doris Leuthard im Akris-Kleid. (Bild: Keystone)

Daneben gibt es viele Jungunternehmen, die zwar dereinst die Branche aufmischen könnten, heute aber nur Insidern bekannt sind.

Die Branche ist also klein, dennoch steckt in vielen internationalen Kreationen ein Stück Schweiz. Die hiesige Textilindustrie ist ein hochwertiger Zulieferer der internationalen Designer. So gibt es etwa exklusive Stickereien in St. Gallen, die Stoffe für Kleider der berühmten Designer Vivienne Westwood oder Karl Lagerfeld herstellen.

Im Tessin haben in den letzten zwanzig Jahren rund 40 der wichtigsten internationalen Modekonzerne Ableger errichtet. Das Mendrisiotto gilt seither gar als «Fashion Valley». Einige der Firmen, wie etwa Ermenegildo Zegna, produzieren in der Region. Rund 2000 Angestellte sollen in der Herstellung tätig sein, insgesamt soll die Branche im südlichen Kanton etwa 5000 Mitarbeiter beschäftigen.

Vorwurf der Steuerumgehung

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) Public Eye warf aber in einer Studievielen Betrieben vor, den Sitz in der Schweiz nur dazu zu nutzen, um von tieferen Steuersätzen zu profitieren.

Vetements-Mitgründer Guram Gvasalia hat Grösseres vor als nur Steuern zu sparen. «Mein Ziel ist, Zürich auf die Weltkarte als Fashion-City zu setzen», sagte er der «SonntagsZeitung». «Und mein Traum ist, dass man die Schweiz künftig mit Mode verbindet.» Bis dahin gibt es noch einiges zu tun.

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