Was den Katarern in der Schweiz gehört

Katar wird von mehreren arabischen Ländern beschuldigt, radikalislamische Gruppen zu unterstützen. Der Staatsfonds des Golfemirats ist aber auch einer der grössten Eigner der Credit Suisse und Besitzer des Bürgenstock-Resorts.

Das Bürgenstock-Resort oberhalb des Vierwaldstättersees gehört dem Katarer Staatsfonds und wird derzeit für rund 500 Millionen Franken saniert und ausgebaut.

Das Bürgenstock-Resort oberhalb des Vierwaldstättersees gehört dem Katarer Staatsfonds und wird derzeit für rund 500 Millionen Franken saniert und ausgebaut. Bild: Urs Flüeler

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Einen Teil des Reichtums, der Katar dank seiner Erdölfelder zugeflossen ist, investiert das Emirat im Westen. Bei der Grossbank Credit Suisse ist der katarische Staatsfonds momentan der drittgrösste Aktionär. Erst letzte Woche wurde über eine Pflichtmeldung an der Börse bekannt, dass die Qatar Investment Authority (QIA), wie der Staatsfond offiziell heisst, sogar noch weitere CS-Anteile dazugekauft und nun 5 Prozent der Namenaktien hält. Gewichtigere Aktionäre bei der Schweizer Bank sind derzeit nur die Beteiligungsgesellschaft Harris sowie der norwegische Staatsfonds.

Die Rolle des katarischen Staatsfonds bei der Credit Suisse ist allerdings eine besondere: Denn neben normalen Namenaktien hält er einen namentlichen Bestand an Wandelanleihen, was den Staatsfonds zum grössten Kapitalgeber der Bank macht. Würden die Anleihen in Aktien umgewandelt – was automatisch der Fall wäre, wenn es der CS sehr schlecht gehen würde –, kämen die Katarer bei der CS auf einen Schlag auf einen Stimmenanteil von knapp 18 Prozent. Eingestiegen war die Investmentgesellschaft des Golfemirats in der Finanzkrise – sie stellte der Schweizer Grossbank damals dringend benötigtes Kapital zur Stabilisierung zur Verfügung. Dank des Geldes aus dem Golfstaat kam die CS mit eigener Kraft durch die Finanzkrise, während der UBS die Nationalbank und die Eidgenossenschaft zur Hilfe eilen mussten.

Bis heute bezahlt die CS allerdings einen hohen Preis für die Kapitalspritzen aus dem Golfemirat: Denn die rund 4,2 Milliarden Franken, welche über Wandelanleihen der QIA zur Bank geflossen waren, werden mit 9 respektive 9,5 Prozent verzinst. So fliessen von der CS Jahr für Jahr Zinsen in Höhe von rund 400 Millionen Franken nach Katar. Dazu kommt noch ein erklecklicher Betrag, welcher den Katarern als Dividenden auf ihren normalen Aktien zusteht.

Grossaktionär bei Glencore, VW und Barclays

Der Katarer Staatsfonds ist aber nicht nur bei der Credit Suisse investiert: Auch bei der britischen Barclays-Bank und beim deutschen Autokonzern Volkswagen ist die QIA ganz gross drin. An Barclays hält QIA knapp 6 Prozent, am VW-Konzern 17 Prozent. Beim Rohstoffkonzern Glencore mit Sitz in Baar ist QIA mit einem Stimmrechtsanteil von 9 Prozent der grösste Aktionär. Bedeutende Beteiligung hält die QIA zudem am Londoner Flughafen Heathrow, am Londoner Warenhaus Harrods sowie bei der Immobiliengesellschaft Canary Wharf, welche das gleichnamige Geschäftsviertel in London entwickelt, gehalten.

Wie gross die Investitionen des Katarer Staatsfonds weltweit sind, wird nicht offengelegt. Auch die Schätzungen über das Investitionsvolumen gehen ziemlich weit auseinander. Gegründet wurde die QIA im Jahr 2005. Ziel des Fonds ist es nach eigenen Angaben, die im Erdölgeschäft erwirtschafteten Kapitalreserven des Emirats langfristig für zukünftige Generationen anzulegen

Besitzer und Investor des Bürgenstock

Der Staatsfonds steigt allerdings nicht nur bei Grosskonzernen und prestigeträchtigen Unternehmen ein. Mit Geld aus dem Golfemirat werden beispielsweise auch zahlreiche Hotelprojekte – namentlich in Europa – finanziert. In der Schweiz gehört dem Staatsfonds etwa das Bürgenstock-Resort, das derzeit für rund eine halbe Milliarde Franken renoviert und ausgebaut wird. Aber auch das traditionsreiche Hotel Royal Savoy in Lausanne sowie das Hotel Schweizerhof in Bern gehören Katara Hospitality, der Hotelgruppe des Staatsfonds. Zahlreiche andere Hotels, etwa das Hotel Atlantis in Zürich, sind ebenfalls im Besitz der Katarer Herrscherfamilie – ob auch sie letztlich Investments der QIA sind oder von den Emiren privat gehalten werden, ist indes unklar.

Erstellt: 06.06.2017, 13:33 Uhr

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