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Was der Starbucks-Deal Nestlé bringt

5 Fragen und Antworten zum jüngsten Kaffee-Kauf des Schweizer Lebensmittel-Multis.

Eine Marke, die zieht und von der Nestlé profitieren will: Kinder im Starbucks-Geschäft. (Archiv)
Eine Marke, die zieht und von der Nestlé profitieren will: Kinder im Starbucks-Geschäft. (Archiv)
Tom Kawara

Mit 7,15 Milliarden Dollar in bar erkauft sich Nestlé das Recht auf die weltweite Vermarktung der Konsum- und Gastronomieprodukte der Marke Starbucks. Dies teilte Nestlé am Montag mit. Die Übernahme will Nestlé bis Ende Jahr abschliessen.

1. Was übernimmt Nestlé vom Kaffeeimperium Starbucks?

Nestlé kauft die Produktionskapazitäten und alle Markenrechte der Konsum- und Gastronomieprodukte von Starbucks. Die US-Gastrokette hat in den vergangenen Jahren ein starkes Lizenzgeschäft aufgebaut. So findet man bei Detailhändlern in und auch ausserhalb der USA Kaffeebohnen und fertige Kaffeedrinks mit dem Starbucks-Logo. Mit diesem Geschäft setzt Starbucks rund 2 Milliarden Dollar um. Heissen die Wettbewerbsbehörden den Nestlé-Deal gut, so wird das Geschäft bereits Ende Jahr zum Schweizer Konzern gehören. Rund 500 Starbucks-Mitarbeiter sind von der Transaktion betroffen. Sie sollen weiterhin in Seattle tätig bleiben, wie es heisst.

2. Warum ist die Starbucks-Geschäftseinheit interessant für Nestlé?

Nestlé-Chef Mark Schneider baut den Konzern radikal um. Geschäftseinheiten mit tiefer Marge und wenig Wachstumsaussichten will er veräussern. So hat Nestlé Anfang Jahr den Verkauf des US-Süssigkeitengeschäfts an Nutella-Hersteller Ferrero für 2,8 Milliarden Franken bekannt gegeben. Im Gegenzug setzt Schneider auf Kaffee. Das Unternehmen aus Vevey ist dank Nescafé und Nespresso bereits ein wichtiger Player im weltweiten Geschäft mit dem schwarzen Muntermacher. Da Starbucks für Qualitätskaffee steht, können deren Produkte auch mit einer höheren Marge verkauft werden. Vor wenigen Monaten sicherte sich der Nahrungsmittelkonzern 68 Prozent an der relativ kleinen US-Kaffeehauskette Blue Bottle Coffee. Kaufpreis: 450 Millionen Franken. Blue Bottle Coffee wurde vor 16 Jahren gegründet und besteht aus rund 50 Filialen in den USA und Japan.

Wie viel Kaffee kommt eigentlich von Nestlé?

3. Welche Vorteile bringt die Übernahme Nestlé?

Nestlé kann seine weltweit bekannten Kaffeemarken mit einem weiteren wertvollen Namen erweitern. Starbucks zieht vor allem bei einer jungen und trendbewussten Käuferschaft. Nestlé kann auch sein Kapselsystem mit Starbucks-Produkten ergänzen und so dem langjährigen Umsatztreiber im Konzern neue Impulse verschaffen. «Dies ist ein bedeutender Schritt für unser Kaffeegeschäft. Es ist die grösste der schnell wachsenden Produktkategorien von Nestlé», wird Nestlé-Chef Mark Schneider in der Medienmitteilung zitiert. «Mit Starbucks, Nescafé und Nespresso führen wir drei herausragende Marken der Kaffeewelt zusammen.»

4. Hat es Nestlé auch auf die Starbucks-Cafés und das ganze US-Unternehmen abgesehen?

Die Starbucks-Cafés sind vom heute bekannt gegebenen Deal ausgenommen. Starbucks zählt weltweit über 27'000 Cafés, knapp die Hälfte davon wird vom Unternehmen selbst betrieben, die restlichen Filialen sind im Franchisesystem geführt. Starbucks Corp. ist an der Börse kotiert und schreibt einen jährlichen Umsatz von über 22 Milliarden Dollar. Eine Übernahme von Starbucks mit über 270'000 Mitarbeitern würde einen Käufer derzeit mehr als 80 Milliarden Franken kosten. Erste Analystenberichte schliessen aus, dass Nestlé beabsichtigt, Starbucks ganz zu übernehmen.

5. Wie kommt der Starbucks-Deal bei den Anlegern an?

Die Nestlé-Aktie startete mit leichten Gewinnen in den Markt, gegen ein halbes Prozent legte der Titel zu. Analysten sehen den Zukauf als gute Möglichkeit für Nestlé, «historische Schwächen in Nordamerika zu beseitigen». Zumal Nestlé auch Zugang zu neuen Verkaufskanälen und Kundensegmenten erhält. Gleichzeitig kann Nestlé die Starbucks-Produkte in Geschäften oder Onlineshops verkaufen, welche diese bisher nicht führten. Analysten rechnen mit einem Schub für das Wachstum und den Gewinn von Nestlé. Positiv gewertet wird auch, dass Nestlé die Transaktion mit eigenen Mitteln und allenfalls durch eine leicht höhere Verschuldung begleichen kann. Das Unternehmen gab bereits bekannt, dass das laufende Aktienrückkaufprogramm unabhängig vom Starbucks-Deal weitergeführt wird. Sowohl die Analysten der Zürcher Kantonalbank als auch von der Bank Julius Bär begrüssen den Zukauf.

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