Der Preis des chinesischen Geldes

Noch selten haben chinesische Investoren so viel Geld nach Europa gebracht wie im letzten Jahr. Besonders beliebt: die Energiebranche. Wie gefährlich ist das?

Chinesen  investieren viel in Infrastruktur: Staumauer Muttsee. Foto: Keystone, Axpo

Chinesen investieren viel in Infrastruktur: Staumauer Muttsee. Foto: Keystone, Axpo

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«China wird die Türen weit öffnen», versprach der chinesische Staatspräsident Xi Jinping am WEF in Davos. Er hoffe, dass auch andere Länder dies täten.

Wenn es um chinesische Investitionen geht, hat sich diese Hoffnung erfüllt. Das zeigen neue Zahlen des deutschen Mercator-Instituts für Chinastudien (Merics). 2016 stiegen die chinesischen Direktinvestitionen um 77 Prozent auf 35 Milliarden Euro – ein neuer Rekord. Über die Hälfte der Gelder floss nach Deutschland, Grossbritannien und Frankreich. Die europäischen Investitionen in China hingegen sinken seit vier Jahren. 2016 waren es 8 Milliarden Euro.

Auch in der Schweiz haben die Chinesen im letzten Jahr rekordträchtige Beträge investiert. Laut der Unternehmensberatung KPMG standen hinter neun Fusionen und Übernahmen (M&A) Käufer aus China. Das Volumen dieser Transaktionen liegt mit 45,6 Milliarden Dollar um ein Vielfaches höher als im Vorjahr (4,2 Milliarden) und ist das höchste weltweit. Das hat allerdings vor allem mit dem Deal zwischen Chemchina und Syngenta zu tun, bei dem es um 43,3 Milliarden Dollar geht.

«Quelle der Hoffnung»

Trotzdem ist «der grosse Appetit Chinas, im Ausland zu investieren», laut KPMG der wichtigste Trend im Bereich M&A. Das Interesse an der Schweiz habe sich mit 19 Akquisitionen in den letzten zwei Jahren verstärkt. Chinesische Käufer gälten aufgrund der fast unlimitierten finanziellen Mittel und dem Zugang zum chinesischen und südostasiatischen Raum für viele westliche Firmen, die mit Problemen zu kämpfen haben, als «Quelle der Hoffnung».

Skeptischer ist das deutsche Mercator-Institut. Peking strebe «Marktführerschaft in Bereichen an, auf denen heute das Wachstum vieler Industrieländer beruht», warnt es. China wolle ausländische durch einheimische Technologie ersetzen und den internationalen Markt erobern. Der Westen sollte Übernahmen aus China deswegen genauer prüfen.

Auf europäischer Ebene wird laut dem Institut schon darüber diskutiert, ob ausländische Übernahmen und Investments eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellten. Und zwar nicht nur in Bezug auf Technologie, sondern auch dann, wenn es um «kritische Infrastruktur» gehe. Denn chinesische Investoren erwerben immer wieder auch Anteile an Stromnetzen, Kraftwerken oder Kommunikationsinfrastruktur. Sie beteiligen sich etwa am britischen Kernkraftwerk Hinkley Point oder am deutschen Nordseewindpark Meerwind. In Europa fliessen 28 Prozent der chinesischen Direktinvestitionen in den Energiebereich. Das ist der mit Abstand grösste Teil.

In der Schweiz ist dieser Anteil einiges kleiner. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass er bald wächst – durch den Energiekonzern Alpiq. Seit dieser letztes Jahr bekannt gab, 49 Prozent seines Wasserkraft-Portfolios zu verkaufen, wird spekuliert, ob sich ausländische und insbesondere chinesische Investoren beteiligen. Letztere gehörten «dem Vernehmen nach zum Kreis der Interessenten», schrieb die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» kürzlich.

SVP ist alarmiert

Bei Alpiq will man sich nicht äussern. «Da wir uns mitten im Prozess befinden, dürfen wir – wie bei jeder anderen ­Devestition auch – aus rechtlichen Gründen keine konkreten Zwischenresultate bekannt geben», so eine Sprecherin. ­Anfang März werde man mehr sagen können. Alpiq-Verwaltungsratspräsident Jens Alder machte 2016 klar, dass er nichts gegen chinesische Investoren einzuwenden hätte. «Was spricht gegen chinesisches Kapital? Auch in anderen grossen Unternehmen steckt Geld aus China», sagte er zur «SonntagsZeitung».

Die Schweizer Politik bereitet sich deshalb auf den Ernstfall vor. SVP-Chefstratege Christoph Blocher forderte vor kurzem, den Verkauf von Kraftwerken ins Ausland zu verbieten. Und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran reichte eine parlamentarische Initiative ein, die verlangt, dass «strategische Infrastrukturen der Energiewirtschaft» der Lex Koller unterstellt werden.

Roland Dörig, Co-Geschäftsleiter der Credit Suisse Energy Infrastructure Partners, kann die Beunruhigung verstehen. «Bei versorgungskritischen Anlagen sollten die Aktionäre im selben Boot sitzen wie diejenigen, die die Anlagen nutzen und von ihnen abhängig sind», sagt Dörig. «Ich begrüsse es deshalb, dass diese Diskussion nun geführt wird.»

Erstellt: 17.01.2017, 21:28 Uhr

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