Naserümpfen in Davos – May recycelt einfach zwei alte Reden

Die britische Premierministerin recycelt am WEF, was sie bereits einmal sagte. Das kommt nicht gut an.

Alle Augen auf Theresa May gerichtet: Besucher und Medien beim Auftritt der britischen Premierministerin.

Alle Augen auf Theresa May gerichtet: Besucher und Medien beim Auftritt der britischen Premierministerin. Bild: Fabrice Coffrini/AFP

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In Davos rempeln Besucher schon mal aus Versehen einen Konzernchef auf dem Trottoir an. Oder eine Milliardärin stolpert beinahe über den Rucksack eines anderen Zuschauers. Die Dichte der Reichen und Mächtigen auf dem Weltwirtschaftsforum in dem Schweizer Ort ist hoch. Trotzdem ist Davos natürlich nicht das Zentrum der Welt.

So sieht es offenbar auch Theresa May, die Premierministerin Grossbritanniens, die in den kommenden Monaten den Brexit verhandeln muss. Nur zwei Tage nach ihrer Grundsatzrede trat sie in Davos auf – und wiederholte einfach, was sie in London gesagt hatte; zum Teil wortwörtlich.

Video – Mays Brexit-Rede in Davos:

May will die Brexit-Abstimmung nicht als Rebellion gegen die Globalisierung verstanden wissen, sondern als das Gegenteil davon. Millionen britischer Wähler hätten dafür gestimmt, «die Welt zu umarmen», sagte sie am Dienstag und am Donnerstag. Grossbritannien sei grösser als die Grenzen Europas.

Das Davoser Publikum reagierte enttäuscht. Am Tag zuvor hatte es für den US-Vizepräsidenten Joe Biden Standing Ovations für seine Abschiedsrede gegeben, in der er an die transatlantische Wertegemeinschaft appellierte.

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Auch Chinas Staatspräsident Xi Jinping hatte viel Applaus für seinen Auftritt erhalten, bei dem er sich zu freiem Handel bekannte, auch wenn China selbst auf Protektionismus setzt. May bekam nur höflichen Applaus. Auch das britische Pfund verlor während ihrer Rede leicht an Wert.

Bildstrecke – die Prominenz von Davos:

So viel zur ersten Hälfte ihrer Rede. Doch auch die zweite Hälfte war nur recycelt: May wiederholte die wichtigsten Schlagworte eines Auftritts von Anfang Januar. Die Botschaft: Die neoliberale Ideologie liegt daneben, wenn sie fordert, dass die beste Regierung diejenige ist, welche die Menschen in Ruhe lässt. Das gelte besonders für Geringverdiener. «Wenn du gerade so über die Runden kommst, brauchst du keine Regierung, die dir aus dem Weg geht», sagte May in Davos und Anfang Januar. Stattdessen möchte sie, dass die Regierung «aktiv» eingreift.

Es klingt für manche zwar immer noch erstaunlich, wenn das die britische Premierministerin und Vorsitzende der Konservativen Partei sagt. Immerhin hat eine von Mays Vorgängerinnen, Margaret Thatcher, den Neoliberalismus in dem Land erst gross gemacht. Allerdings sagt May bisher nicht, was das konkret bedeuten soll. Auch nicht in Davos.

Erstellt: 20.01.2017, 09:26 Uhr

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