Behörden gehen vor WEF von «leicht erhöhter Bedrohung» aus

Am Mittwoch beginnt das Weltwirtschaftsforum. Die Verantwortlichen haben über die diesjährigen Sicherheitsmassnahmen informiert – von denen nach den Anschlägen von Paris einzelne verschärft worden seien.

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Für das World Economic Forum (WEF) in Davos sind nach den Terroranschlägen in Paris einzelne Sicherheitsmassnahmen verschärft worden. Als grösste Gefahren gelten «jihadistisch motivierte Einzeltäter, Nachahmer und Trittbrettfahrer». Das viertägige Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums beginnt am Mittwoch.

Die Sicherheitsorgane gehen von einer leicht erhöhten Bedrohung aus, wie Walter Schlegel, Kommandant der Bündner Kantonspolizei und Gesamtverantwortlicher für die Sicherheit am WEF, vor den Medien in Davos sagte. Eine konkrete Bedrohung oder Anzeichen für Anschlagspläne lägen indessen nicht vor. Grundsätzlich könne man Anschläge wie in Paris aber nicht ausschliessen.

«Wir haben innerhalb des Sicherheitsdispositivs einzelne Massnahmen getroffen, die den Schutzgrad verstärken, sagte Schlegel. Auf das Sicherheitsdispositiv selber habe die Terrorwelle in Paris aber keine direkten Auswirkungen gehabt. Das Sicherheitsdispositiv sei eben genau auf die Verhinderung solcher Anschläge ausgerichtet.

Lage ist ruhig – Davos ist eine Festung

«Wir sind gut vorbereitet, erklärte Schlegel weiter. Der Einsatz habe begonnen. Die Lage im Einsatzraum präsentiere sich derzeit ruhig.

Davos gleicht mehr oder weniger wieder einer Festung. Die zwei Zufahrtswege durch das Prättigau und das Landwassertal werden kontrolliert, vier Sicherheitszonen im Ort können nur mit Bewilligung betreten werden, und auch Hotels sind gesichert.

Als Herausforderung bezeichnete Schlegel die besonders hohe Anzahl von VIPs, bei denen völkerrechtliche Schutzverpflichtungen bestünden. Rund 90 Personen würden in besonderem Umfang geschützt. Insgesamt werden am WEF 2500 Gäste erwartet. Eine Erleichterung für den Sicherheitseinsatz sei es hingegen, dass keine Demonstrationen angesagt seien – zum ersten Mal seit Jahren.

Interkantonale Polizeitruppe und 4500 Soldaten

Die Sicherheit am WEF wird von einer interkantonalen Polizeitruppe aus der ganzen Schweiz gewährleistet. Wie viele Polizistinnen und Polizisten im Einsatz stünden, sagte Schlegel nicht. Unterstützt wird die Polizei von der Armee.

Im Einsatz sind insgesamt 4500 Armeeangehörige, wie Divisionär Jean-Marc Halter, Kommandant des Armeeeinsatzes am WEF, sagte. Davon stehen 3000 bis 3200 im Sicherheitsdienst, etwa gleich viele wie letztes Jahr. Die übrigen Soldatinnen und Soldaten leisten Assistenzdienst. Sie werden heuer zum ersten Mal zum Total der Armeeeinsatzkräfte mitgerechnet. 95 Prozent der Truppen sind Milizsoldaten.

Die wichtigste Aufgabe der Armee am WEF sind gemäss Halter die Wahrung der Lufthoheit und der Luftpolizeidienst zur Gewährleistung der Sicherheit im Luftraum. Zum Einsatzverband Luft gehörten rund zwei Drittel der eingesetzten Truppen. Der Luftraum ist 48 Kilometer rund um Davos eingeschränkt.

Zu den Aufgaben des Luft-Verbandes gehöre auch der Transport der völkerrechtlich geschützten Teilnehmer. Um seine Aufgaben erfüllen zu können, betreibt der Luft-Verband am WEF zwei temporäre Flugplätze.

Im Einsatz stehen wird auch die Luftwaffe Österreichs. Diese wird den Luftraum auf der österreichischen Seite der Grenze zur Schweiz sichern.

350 Lastwagen und 42 Kilometer Absperrgitter

Weitere Aufgaben der Armee sind der Objekt- und Personenschutz, die Abwehr biologischer und chemischer Waffen und die Logistik, wie Halter weiter erklärte. Eingesetzt werden dafür 350 Lastwagen und 600 Personenwagen. Die Armee half erneut bei den Aufbauarbeiten. Unter anderem wurden 700 Zaunelemente oder 42 Kilometer Absperrgitter aufgestellt.

Eine neue Aufgabe hat die Armee am Flugplatz in Dübendorf ZH. Dort werden erstmals WEF-Gäste bei der Anreise landen. Die Armee ist dort etwa für die Zollabfertigung zuständig.

Die WEF-Sicherheitskosten dürften sich laut Schlegel im Rahmen der letzten Jahre bewegen und innerhalb des Kostendachs von acht Millionen Franken bleiben. Der Bund übernimmt drei Achtel davon, der Kanton Graubünden und das WEF je zwei Achtel und die Gemeinde Davos ein Achtel. Die Kosten erreichten im Jahr 2003 mit 13,7 Millionen Franken den bisherigen Höhepunkt. (mw/sda)

Erstellt: 19.01.2015, 13:57 Uhr

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