Davos nach dem Terror in Paris

Selbst CNN-Moderator Richard Quest bemerkte, dass diesmal in Davos etwas anders ist als sonst. Warum man auf der Strasse Schreie hört und was die Einheimischen zur Lage sagen.

«Ich habe keine Angst»: Davoserin Monika Angerer. (Video: Anja Metzger)


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«Die Sicherheitsmassnahmen sind verständlicherweise sehr streng», schrieb CNN-Moderator Richard Quest gestern in einem Tweet.

Mit «verständlicherweise» meinte er natürlich die zeitliche Nähe zum Pariser Terror. Tatsächlich geht es diesmal strenger zu und her. Bereits unten im Tal, kurz nach der Ausfahrt von der A 3 bei Landquart Richtung Davos, wird der Verkehr gestoppt. Wo es früher vereinzelte Stichkontrollen gab, wird nun jeder Wagen angehalten. Ein Polizist leuchtet mit der Taschenlampe in den Kofferraum, um zu checken, was sich darin befindet.

Oben in Davos nehmen es die Einheimischen eher gelassen. «Passieren kann überall etwas. Nicht nur während des WEF in Davos, sondern auch in Zürich, das wissen wir ja jetzt», sagt Schneiderin Monika Angerer aus Davos. Und sie fügt an: «Ich habe keine Angst.» Ähnlich sieht es Philipp Fesseler, der als Barchef auf der Schatzalp arbeitet: «Garantieren kann man nie für etwas, aber ich denke, wir sind sicher.»

Damit sich die Davoser sicher fühlen können, gibt man sich bei der Polizei bisweilen auch etwas ruppig. Bezeichnend dafür waren gestern Szenen zwischen der Valliant-Arena und dem Kongresshaus-Areal. Dort wo sich Teilnehmer und Journalisten akkreditieren, konnte auch mal geschrien werden. «Wegfahren da, hopp jetzt», herrschten Sicherheitsleute Autofahrer an, die kurz anhielten.

Dass sich die Menschen- und Autoströme in Davos während des WEF verlangsamen, damit haben die Davoser zu leben gelernt. «Mich stört das nicht gross. Es ist einfach anders. Aber es ist ja nur eine Woche», sagt Restaurationsfachfrau Corina Schamaun aus Davos. Wer allerdings zur Arbeit muss oder als Gewerbetreibender unterwegs ist, dem bleibt Ärger nicht erspart. «Es ist einfach stellenweise etwas mühsam, am Morgen durchzukommen», sagt Marroniverkäufer Urs Unold, der morgens jeweils von Malans nach Davos fährt.

Starautor und Nobelpreisträger aufgehalten

Einen Seitenhieb konnte sich CNN-Mann Quest aber doch nicht verkneifen. Die Sicherheit zeige manchmal etwas wenig gesunden Menschenverstand. Seinen Ärger provoziert hatte ein Problem bei der Sicherheit, das für Starautor Paul Coelho und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus Verzögerungen bedeutete. «Gestoppt von Sicherheitsmassnahmen. Ihre Badges funktionieren für weitere fünf Stunden nicht.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.01.2015, 14:23 Uhr

Ist Davos den Touristen mit dem starken Franken zu teuer? Reaktionen aus der Bergstadt. (Video: Anja Metzger)

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