Die improvisierte Abfertigung der WEF-Gäste

Erstmals können WEF-Besucher mit ihren Privatjets direkt auf dem Militärflugplatz Dübendorf landen. Eine «Hauruckübung» ohne Komfort dafür mit hohen Sicherheitsauflagen.

Ohne Luxus: Die bestehenden Räume sind während einer Woche Zollabfertigung, Lounge und Sicherheitskontrolle gleichzeitig.

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Nicht nur Davos kommt während des World Economic Forum (WEF) eine wichtige Rolle zu. Rund 150 Kilometer von der grossen Bühne entfernt, im zürcherischen Dübendorf, landen zurzeit die Privatjets hochrangiger WEF-Besucher. Zum ersten Mal dient der Militärflugplatz als offizieller Landeflughafen. In den vergangenen Jahren wurde das 250 Hektar grosse Gelände lediglich als Abstellplatz für Privatflugzeuge genutzt.

Als «ökologischen Irrsinn» bezeichnet Hans-Peter Erni, Stabschef Einsatz Luftwaffe, die bisherige Situation. Bis im letzten Jahr mussten die Maschinen erst in Kloten landen, damit die Gäste durch die dortige Zollverwaltung geschleust werden konnten. Danach flogen die Piloten alleine nach Dübendorf, weil es im grössten Schweizer Flughafen an Abstellplätzen mangelt. Damit der hiesige Flugverkehr nicht gestört wurde, mussten teils grosse Umwege in Kauf genommen werden: «Gewisse Leerflüge führten bis nach Spanien», sagt Erni.

Improvisierte Zollverwaltung

Damit nun Dübendorf direkt angeflogen werden kann, brauchte es viel Organisation: «Wir mussten alles schnell aus dem Boden stampfen», sagt Heinz Widmer. Der Leiter der Zollstelle Zürich-Flughafen steht vor dem TCS-Trainingscenter. Die Baracke wurde kurzfristig zur Zollverwaltung mit Personenkontrolle umfunktioniert. Hier werden wertvolle Mitbringsel verzollt und notfalls aus dem Verkehr gezogen. «Gerade mussten wir tierische Produkte beschlagnahmen, die gemäss der Schweizer Seuchenpolizei verboten sind», sagt Widmer.

Während das Gepäck durch einen mobilen Kofferscanner rattert, nehmen die Gäste auf der improvisierten Lounge eines kleinen, beheizten Raumes Platz: «Der Komfort ist geringer als in Kloten. Dafür profitieren wir von einer schnelleren Abwicklung», sagt ein französischer Pilot, der gerade auf einen WEF-Rückkehrer wartet. Zollverwalter Widmer lässt sich durch so viel Improvisation nicht verunsichern: «Wir sind uns solche Hauruckübungen gewohnt.»

Erhöhte Sicherheit wegen Anschlägen in Paris

Letztlich ist in Dübendorf alles vorhanden, um die Schengen-Auflagen zu erfüllen. «Die Aussengrenze verläuft für eine Woche durch Dübendorf», sagt Martin Erb nicht ohne Stolz. Für den neuen Militärflugplatz-Chef startet das Amt mit einem «Paukenschlag». «Wir sind 24 Stunden im Einsatz», sagt Erb. Um die Sicherheit der WEF-Teilnehmer zu gewährleisten, kooperiert das Militär mit der Kantonspolizei Zürich, die für Schutz und Kontrolle ausserhalb des Fluggeländes zuständig ist. Durch die Anschläge in Paris habe man das Sicherheitsdispositiv kurzfristig aufgestockt. «Es kommen zusätzliche Sicherheitskräfte zum Einsatz», sagt Stabschef Erni.

Die ersten Tage hätten gezeigt, dass sich Dübendorf als Landeflughafen eigne, sagt Stabschef Erni. «Wir können uns vorstellen, für das nächste WEF die Kapazität zu erhöhen». Das ist eine schlechte Nachricht für jene Kritiker, die befürchten, dass der Flugplatz künftig vermehrt für Zivilflugplätze genutzt wird.

Erstellt: 21.01.2015, 20:18 Uhr

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