«Etwas nervös» wegen Paris: Behörden ziehen WEF-Bilanz

8 Millionen Franken haben Bund, Kantone und das WEF dieses Jahr für die Sicherheit in Davos ausgegeben – eine Investition, die sich offenbar gelohnt hat.

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Das Weltwirtschaftsforum (WEF) 2015 ist aus Sicht der Bündner Behörden ohne sicherheitsrelevante Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Vor Medienvertretern zogen sie eine positive Bilanz.

Die Sicherheitskräfte hätten ihre Auftrag hervorragend ausgeführt, sagte der Bündner Sicherheitsdirektor Christian Rathgeb. Die Zusammenarbeit im Sicherheitsverbund habe sich einmal mehr bewährt. Am Einsatz beteiligt waren alle 26 kantonalen Polizeikorps sowie Einheiten aus den Städten Chur, Zürich und St. Gallen sowie aus Liechtenstein. Die Armee war mit rund 4500 Angehörigen im Einsatz.

Besonders erfreut zeigte sich Rathgeb über die vielen Komplimente für die Freundlichkeit der Sicherheitskräfte - sowohl von den WEF-Teilnehmern wie auch aus der Bevölkerung, wie er sagte.

Zahlreiche Kontrollen, keine Verhaftungen

Der Davoser Landammann Tarzisius Caviezel begrüsste, dass sich die Einsatzkräfte im Hintergrund gehalten hätten. «Die Bevölkerung ärgert sich, wenn sie ständig von Polizei und Militär begleitet wird», sagte er.

Mit dem Ablauf zeigte er sich ebenfalls zufrieden. Vor dem WEF sei man wegen der Vorfälle in Paris etwas nervös gewesen. Umso grösser sei die Erleichterung, dass der Anlass ohne Zwischenfälle abgelaufen sei.

Zu Verhaftungen sei es im Zusammenhang mit dem WEF nicht gekommen, sagte Gesamteinsatzleiter Walter Schlegel, Kommandant der Kantonspolizei Graubünden. Die Polizei habe zahlreiche Kontrollen durchgeführt und mehrere Personen abgeklärt. Dabei sei aber nichts Bedrohliches festgestellt worden.

Die Sicherheitskosten beliefen sich dieses Jahr auf rund 8 Millionen Franken. Davon trägt der Bund 40 Prozent, der Kanton und das WEF je 25 Prozent und die Gemeinde 10 Prozent. (fko/sda)

Erstellt: 24.01.2015, 18:57 Uhr

Friedliches Zeichen gegen das WEF

Der Widerstand gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) ist nicht ganz verstummt. Auf dem Postplatz in Davos haben am Samstag rund 50 Personen ein friedliches Zeichen gegen das WEF gesetzt.

«Auch wenn wir wenige sind, stehen wir hier für viele», sagte Organisator Henning Zierock, Präsident der deutschen Friedensorganisation «Gesellschaft Kultur des Friedens». Seinem Aufruf gefolgt waren Aktivistinnen und Aktivisten von Amnesty International, der Davoser Grünen und der Solidaritätskampagne für 43 verschwundene mexikanische Studenten.

«Wir sind nicht gegen, sondern für etwas», erklärte Zierock der Nachrichtenagentur sda. «Wir streiten für eine friedliche und solidarische Welt.»

Am WEF fällten mächtige Männer und Frauen Entscheide, die Milliarden Menschen beträfen. Deren Stimme werden aber nicht gehört. Nur wenn man mit den Betroffenen rede und nicht nur über sie, könnten tragfähige Lösungen entstehen. «Deswegen sind wir hier», sagte Zierock.

Marugg unter den Demonstranten

Die «Gesellschaft Kultur des Friedens» ist seit Jahren in der Bewegung gegen das WEF engagiert. Dieses Jahr ist sie als Veranstalterin einer Demonstration eingesprungen, weil Grünen-Sekretär Rolf Marugg als Organisator ausfiel.

Marugg ist vor kurzem zum Präsidenten des Gemeindeparlaments und damit formell zum obersten Davoser gewählt worden. Das Amt hinderte ihn aber nicht daran, sich unter die Demonstranten zu mischen.

An der Kundgebung wurden Porträts der 43 verschwundenen mexikanischen Studenten gezeigt. Die deutsche Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel erinnerte daran, dass die Vertreter der Regierung Mexikos am Samstag in Davos zu einem mexikanischen Abend geladen hätten, während in dem Land praktisch Straffreiheit herrsche und weiterhin schwere Menschenrechtsverletzungen begangen würden. «Das ist zynisch», sagte Hänsel.

Freilassung von Blogger Badawi gefordert

Amnesty-Aktivisten und Aktivistinnen trugen Transparente mit Bildern des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi. Sie forderten die saudische Regierung und den in Davos anwesenden Prinzen Turki Al Faisal Al Saud auf, sich für ein sofortiges Ende der Prügelstrafe und die Freilassung des Journalisten einzusetzen. Badawis Auspeitschung sorgt derzeit weltweit für Empörung.

Die Polizei war wie üblich mit einem Grossaufgebot vor Ort, hielt sich aber im Hintergrund. Der Anlass verlief friedlich. (sda)

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