«Europa ist nicht zurück, nur die Schlagzeilen sind weg»

UBS-Präsident Axel Weber liest Europa die Leviten: Die grössten Probleme seien nicht behoben worden. An einer WEF-Diskussionsrunde findet er hingegen lobende Worte für die Schweizerische Nationalbank.

«Die europäischen Politiker haben die Zeit nicht genutzt»: Axel Weber am WEF. (21. Januar 2015)

«Die europäischen Politiker haben die Zeit nicht genutzt»: Axel Weber am WEF. (21. Januar 2015)

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UBS-Präsident Axel Weber kritisiert Europas Politiker, nicht genügend für Reformen getan zu haben. Da helfe es wenig, wenn die EZB morgen entscheide, ihre Geldschleusen zu öffnen.

Europa habe Chancen verpasst, sagte Axel Weber in einer Diskussionsrunde am Weltwirtschaftsforum (WEF). Die grössten Probleme, wie etwa die hohe Arbeitslosigkeit, seien nicht behoben. Die europäischen Politiker hätten die Zeit nicht genutzt, welche die Europäische Zentralbank (EZB) ihnen verschafft habe. Zeit zu kaufen und sie nicht zu nutzen, sei wie Medizin, die nicht wirke.

Wenn die EZB ihren breit angelegten Aufkauf von Eurostaatsanleihen beschliesse, sollte sie nicht zu weit gehen, sagte Weber. Seiner Ansicht nach werden dadurch Anreize zu echten Reformen verhindert. Europa habe strukturelle Probleme, die endlich gelöst werden müssten, so der Präsident der Grossbank UBS.

Bereits vor einem Jahr habe er auf den echten Reformbedarf in der EU hingewiesen, sagte er. «Europa ist nicht zurück, nur die Schlagzeilen sind weg», zieht er Bilanz.

SNB-Entscheid war richtig

Anerkennende Wort fand Weber aber für die Schweizerische Nationalbank (SNB). Sie habe richtig entschieden, den Mindestkurs aufzuheben.

«Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende», sagte er. Es sei immer klar gewesen, dass der Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro nur eine temporäre Lösung sein könne.

Mittelfristig würden sich die Turbulenzen auf den Devisenmärkten aber beruhigen, gab sich Weber zuversichtlich. Die SNB habe keine andere Möglichkeit gehabt, als überraschend zu handeln.

Weber diskutierte am WEF unter anderem mit John Rice, Vizepräsident des US-Konzerns GE, und Min Zhu, einem der Vizechefs des Internationalen Währungsfonds (IWF), zum Thema «The New Growth Context» (Wachstum in neuem Kontext).

Umstrittener Entscheid

Die Europäische Zentralbank wird am Donnerstag über die sogenannte quantitative Lockerung entscheiden. Es gilt als wahrscheinlich, dass EZB-Präsident Mario Draghi für den umstrittenen Entscheid die Mehrheit des EZB-Rates hinter sich hat.

Die deutsche Bundesbank steht dem Programm kritisch gegenüber. Axel Weber war von 2004 bis 2011 Präsident der deutschen Bundesbank und damit eine der Schlüsselfiguren in den EU-Rettungsprogrammen für die Banken. (bru/sda)

Erstellt: 21.01.2015, 11:05 Uhr

Goldpreis vor EZB-Sitzung im Aufwind

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«Die Anleger sehen das gelbe Metall als sichere Anlage an - und die Unsicherheit über die Entscheidung der EZB ist sehr hoch», sagte ein Händler. Die Abkehr der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Euro-Mindestkurs habe die Nervosität noch erhöht.

«Einige fragen sich, wie berechenbar Zentralbanken noch sind, und in dem Umfeld ist Gold als sicherer Hafen gefragt», so der Händler. Von der EZB erwarten die meisten Anleger ein Programm zum Kauf von Staatsanleihen (QE) im Volumen von mindestens 600 Milliarden Euro.

Viele fürchten aber auch, dass die Erwartungen teils noch wesentlich höher sind. «Und wenn die EZB diese nicht erfüllen kann, könnte es ein böses Erwachen geben», warnte ein Händler. (sda)

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