Stille am Paradeplatz

Welche Banken ihr Spitzenpersonal ab nächster Woche im Rudel ans Weltwirtschaftsforum nach Davos schicken. Und welche Chefs lieber zu Hause bleiben.

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Von der Credit Suisse pilgert gleich die ganze oberste Führungsstufe ab nächster Woche nach Davos. Präsident Urs Rohner wird am Weltwirtschaftsforum (WEF) sein, ebenso sein Konzernchef Brady Dougan, Vermögensverwaltungsleiter Hans-Ulrich Meister, der langjährige Investmentbank-CEO Eric Varvel, der heute in Asien und Middle East die Grossbank repräsentiert, sowie die für neue Kundensegmente zuständige Pamela Thomas-Graham. Logieren dürften sie standesgemäss im umstrittenen Intercontinental-Hotel, schliesslich hat die Bank dieses finanziert.

Drei Amerikaner und zwei Schweizer von ganz oben schickt die Credit Suisse in die Bündner Berge, wo sie traditionsgemäss ein umgebautes Davoser Möbelgeschäft als eigenes Tagungszentrum bezieht. Dieses wird faktisch zum temporären Headquarter. Am CS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz 8 zieht hingegen während des WEF Ruhe ein.

UBS erstmals mit eigener Sponsoring-Challenge

Bei Erzrivalin UBS ist die WEF-Delegation ähnlich umfangreich. Sowohl Bankpräsident Axel Weber als auch CEO Sergio Ermotti werden am Gipfeltreffen der Weltelite teilnehmen. Weitere Spitzenleute der Nummer 1 des Finanzplatzes dürften ebenfalls in Davos aufkreuzen.

Die UBS wartet heuer zudem unter dem Motto «The Davos Challenge» erstmals mit einer eigenen Sponsoringpräsenz auf. Sie animiert die Forumsteilnehmer zur Fitness, statt die Limousine zu nutzen. Wer in der WEF-Woche insgesamt über 6 Kilometer zu Fuss zurücklegt, der hat für ein Kind in Afrika ein von der UBS finanziertes Velo erlaufen. Damit will die Bank den Schulweg auf dem Schwarzen Kontinent verkürzen, was zum übergelagerten Thema Bildung der UBS passt.

Auch die Zürcher Privatbanken respektive deren Aushängeschilder lassen sich einen Auftritt im Scheinwerferlicht der Wirtschafts-Oscarverleihung nicht nehmen. Von der Julius Bär geht CEO Boris Collardi nach Davos, wie die Pressestelle bestätigt. Und bei Vontobel ist es Präsident Herbert Scheidt, der wie in den zurückliegenden Jahren im Landwassertal aufkreuzt. Sein CEO Zeno Staub hingegen zieht in diesen Tagen nichts nach oben. Staub überlässt den grossen WEF-Auftritt seinem Vorgesetzten – so wie immer.

Nicht alle Banken wollen nach Davos

Der grosse Abwesende ist der Chef der Dritten Bankenkraft im Land. Auf Anfrage heisst es in der St. Galler Zentrale der Raiffeisen-Gruppe, dass CEO Pierin Vincenz nicht am Weltforum teilnehmen würde; auch sonst würde niemand von der Genossenschaftsbank nach Davos gehen. Gleiches vernimmt man aus der Direktionsetage der Zürcher Kantonalbank. Weder Chef Martin Scholl noch ein anderer Verantwortlicher der grössten Staatsbank des Landes würde ans WEF gehen.

Damit zieht sich eine Trennlinie querbeet durch die Wirtschaft. Die inlandorientierten Unternehmen und deren Führungspersonal versprechen sich vom globalen Forum im Schweizer Kurort kaum Vorteile. Lieber bleiben die obersten Chefs zu Hause, treffen Kunden oder Mitarbeiter, als sich im Glanz mit den Grossen der Welt zu sonnen. Ganz anders verhalten sich die CEOs und Präsidenten der helvetischen Multis. Sie gehören zum WEF wie das Fett zur Butter.

Damit passt Davos ins Bild einer Schweiz als zweigeteiltes Wirtschaftsland. Weltunternehmen wie die UBS und die CS finanzieren lieber eine eigene Repräsentanz in Brüssel, als sich an vorderster Front für die Sorgen und Nöte der Branche im Inland einzusetzen. Das überlassen sie gerne den Raiffeisen- und Kantonalbanken.

Heute Mittag wird die offizielle Teilnehmerliste bekannt gegeben – Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet.

Erstellt: 14.01.2015, 12:32 Uhr

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