Was in Davos im Fokus steht

Darüber diskutieren Politiker und Wirtschaftsführer am WEF.

In Davos wagen sich die Mächtigen der Welt an die ganz grossen Themen heran. Foto: AFP

In Davos wagen sich die Mächtigen der Welt an die ganz grossen Themen heran. Foto: AFP

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Ungleichheit
Die wachsende Ungleichheit gilt als die grösste Herausforderung für die entwickelte Welt. Das betrifft nicht nur die Einkommensunterschiede zwischen der Ersten und der Dritten Welt, sondern vor allem diejenigen innerhalb westlicher Gesellschaften. Das Thema steht nicht zum ersten Mal auf der Agenda. Mittlerweile sind es aber nicht mehr nur Gewerkschaften und Gutmenschen, die sich damit beschäftigen. Auch viele Ökonomen sehen die wachsende Ungleichheit als unerwünschte Nebenwirkung der Globalisierung. In Davos gehören etwa Hélène Rey oder Robert Shiller dazu. Geht der Trend weiter, werden 2016 die reichsten 1 Prozent der Weltbürger 50 Prozent der Vermögen besitzen. Das geht aus einer Studie von Oxfam hervor, einer Organisation, die sich dem Kampf gegen Armut verschreibt. In Europa und den USA gilt die Steuerpolitik als wichtigstes Instrument zur Bekämpfung der Ungleichheit.

Geldpolitik
Die Schweiz war letzte Woche Epizentrum eines Bebens, das die ganze Welt ­erschütterte: Als die Nationalbank (SNB) den Euromindestkurs aufhob, sackte sogar die Börse in Japan ab. Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) bekannt geben, ob und in welchem Umfang sie Geld auf den Markt schütten will, um den Euro zu verbilligen. EZB-Chef Mario Draghi wird darum dieses Jahr nicht in Davos anwesend sein. Dafür treffen sich an diesem Tag die IWF-Chefin Christine Lagarde und der US-Ökonom und Politiker Larry Summers, um über einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik zu diskutieren. Auch SNB-Präsident Thomas Jordan, Mark Carney von der Bank of England und mindestens sechs weitere Notenbankchefs werden die Zukunft der Geldpolitik erörtern.

Digitalisierung der Welt
Daten gelten als Öl des 21. Jahrhunderts, das Internet als grösste Revolution seit der Erfindung der Dampfmaschine. Bislang waren es vor allem US-Konzerne wie Google, Apple, Facebook oder Amazon, welche die technologische Entwicklung vorangetrieben haben. Neuerdings spielen aber auch chinesische Konzerne mit. In Davos haben darum Ren Zhengfei, der zurückgezogen lebende Gründer des Technologiekonzerns Huawei, und Jack Ma, der Gründer der Handelsplattform Alibaba, einen grossen Auftritt. Auch der Erfinder des Internets, Tim Berners-Lee, ist vertreten. Ausserdem werden Google-Präsident Eric Schmidt, die Nummer 2 bei Facebook, Sheryl Sandberg, und Microsoft-Chef Satya Nadella gemeinsam auf einem Podium sitzen. Diskutiert wird am WEF nicht nur über Urheberrechte, Datenschutz und Cyberrisiken, sondern auch über die Frage, was mit unseren ­Arbeitsplätzen passiert, wenn wir von Computern ersetzt werden.

Politische Instabilität
2014 stand das WEF ganz im Zeichen des Iran. Die Sanktionen gegen das Land waren im Zuge der Atomgespräche erstmals gelockert worden, politisch hoffte man auf Tauwetter. Dieses Jahr dürften die offenen Konflikte die Agenda dominieren.

In der Wahrnehmung vieler langjähriger WEF-Besucher wurden die Sicherheitsbemühungen nach dem Charlie-Hebdo-Anschlag deutlich verschärft. Der Auftritt des französischen Präsidenten François Hollande wird denn auch mit Spannung erwartet – insbesondere, weil er am WEF auf zahlreiche Staatsoberhäupter aus dem Nahen Osten trifft, etwa den ägyptischen Präsidenten Abdel Fatah al-Sisi, König Abdullah von Jordanien oder den irakischen Premier Haidar al-Abadi. Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat einen Auftritt, allerdings halten sich die russischen Spitzenpolitiker dieses Jahr fern. Zu den teilnehmenden Spitzenpolitikern gehören zudem Angela Merkel und John Kerry.

Erstellt: 20.01.2015, 23:43 Uhr

Der «Tages-Anzeiger» und die «SonntagsZeitung» berichten vom 21. bis zum 25. Januar gemeinsam aus Davos über den diesjährigen Weltwirtschaftsgipfel. Unsere Berichte, Interviews und Analysen zum World Economic Forum finden Sie täglich unter wef.tagesanzeiger.ch.

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