In Davos gibts viel Lob für die Amerikaner

Während Jahren haben die USA am WEF keine grosse Rolle gespielt. Doch heuer ist das Land omnipräsent – nicht nur wegen des Trump-Besuchs.

Tidjane Thiam lobt am WEF die US-Steuerreform.

Tidjane Thiam lobt am WEF die US-Steuerreform. Bild: Markus Schreiber/Keystone

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Finanzkrise, Abbau der Industrie, drohender Zusammenbruch der Banken, wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung und schliesslich die überraschende Wahl des Politneulings Donald Trump zum US-Präsidenten. Die Stimmung in den USA war in den letzten zehn Jahren zunehmend negativ geprägt.

Am WEF spielte Amerika jeweils nur eine Nebenrolle. Seit dem Besuch von Bill Clinton im Januar 2000 war nie mehr ein US-Präsident in Davos. Im Fokus standen europäische Staatsoberhäupter oder die Regierenden von China, Brasilien und anderen Wachstumsstaaten. Der Besuch des US-Vizepräsidenten Joe Biden vor zwei Jahren beispielsweise warf keine hohen Wellen. Das Aussenbild der USA hatte zweifellos sowohl bei der Weltbevölkerung als auch den Wirtschaftsführern stark gelitten.

Dieses Jahr ist alles anders. Nach einem Tag WEF sowie den ersten Referaten und Diskussionsrunden kann man sagen: Die USA sind zurück. Dabei ist es nicht nur der morgige Besuch von Trump, der Amerika in den Mittelpunkt des Wirtschaftstreffens setzt. Die grösste Volkswirtschaft der Welt scheint dank fortgeschrittener konjunktureller Erholung für die WEF-Teilnehmer wieder eine Vorreiterrolle innezuhaben.

US-Steuerreform als Glücksfall

In einer gestrigen Diskussionsrunde in Davos sprach Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam voller Lob über die USA. Er sieht das Land als Retter der kriselnden europäischen Wirtschaft. Der CS-Chef zählte die grossen Probleme auf, mit denen Europa zu kämpfen hat. Thiam sprach vom «demografischen Ungleichgewicht, das eine Herausforderung für die Altersvorsorge ist», von der konstant hohen Arbeitslosigkeit und der tiefen Kaufkraft in europäischen Ländern. «Dies alles habe zum Aufstieg von gewissen populistischen Kräften geführt», sagte der Banker.

Tidjane Thiam betonte, dass für den Rückgang der Arbeitslosigkeit und des wirtschaftlichen Wachstums in Europa «strukturelle Reformen, wie man sie in Frankreich vornimmt, unablässig sind». Europa sei aber auch auf eine höhere externe Nachfrage angewiesen. «Und diese geht derzeit von den USA aus», sagte Thiam. Er sieht Amerika und seine erstarkte Konjunktur als Motor für Europa und auch die Weltwirtschaft – nach den schwierigen Jahren der Finanzkrise.

Dabei lobte Tidjane Thiam speziell die Steuerreform von Donald Trump. «Die US-Steuerreform ist genau das, was wir jetzt brauchen, um dem weltweiten Wachstum neuen Schub zu geben», sagte Thiam und schloss: «Ich glaube, der positive Effekt der Reform wird unterschätzt.»


«Die USA sind wieder beliebt»

Chefökonom Markus Diem Meier über den Start des WEF in Davos.


Erstellt: 24.01.2018, 13:48 Uhr

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