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«Mittelklassen-Joe» warnt am WEF

US-Vizepräsident Joe Biden «machte sich am WEF unbeliebt»: Er sorgt sich vor den Folgen der Wirtschaft 4.0 und fordert den Schutz der Mittelklasse.

Die Gesellschaft könne die Welt verändern, sagte US-Aussenminister John Kerry im Kongresszentrum in Davos. (22.1.2016)
Die Gesellschaft könne die Welt verändern, sagte US-Aussenminister John Kerry im Kongresszentrum in Davos. (22.1.2016)
Keystone
Laut einer WEF-Studie sind weltweit wenig Frauen in Führungspositionen zu finden. Ist im Verwaltungsrat von mehreren Firmen: Carolina Müller-Möhl in Zürich. (18. Juni 2010)
Laut einer WEF-Studie sind weltweit wenig Frauen in Führungspositionen zu finden. Ist im Verwaltungsrat von mehreren Firmen: Carolina Müller-Möhl in Zürich. (18. Juni 2010)
Keystone
Begleitet wurde Bidens Maschine von einem Black-Hawk-Helikopter. (18. Januar 2016)
Begleitet wurde Bidens Maschine von einem Black-Hawk-Helikopter. (18. Januar 2016)
Gian Ehrenzeller, Keystone
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US-Vizepräsident Joe Biden hat an der Eröffnungssession des Weltwirtschaftsforums (WEF) eine Hommage auf den Mittelstand gehalten. Er warnte vor den Gefahren der vierten industriellen Revolution für die Beschäftigung – und fand mit seinen Forderungen wohl nicht bei allen im Saal Zuspruch.

Seine Kollegen in Washington würden ihn «Mittelklassen-Joe» nennen, gestand Biden im Davoser Kongresszentrum. Wieso, das stellte er in seiner Rede vor den Reichen und Mächtigen der Welt unter Beweis. Dass die vierte industrielle Revolution (Wirtschaft 4.0) unsere Gesellschaft umformen werde, stellte er ausser Frage. «Die digitalen Fortschritte hatten bereits drastischen Einfluss auf unser Leben», sagte der demokratische US-Vizepräsident. Nun stelle sich aber die Frage, ob dadurch die Welt besser oder schlechter werde.

Bei den vergangenen Revolutionen hätten sich die Veränderungen für die Gesellschaft ausbezahlt. «Mein Instinkt sagt mir aber, dass dies mit der Wirtschaft 4.0 schwieriger wird», äusserte sich Biden pessimistisch. Er bezeichnete die Mittelklasse als «das Gewebe, das die Gesellschaft zusammenhält». Ein Arbeitsplatz sei mehr als ein Lohn - es gehe um den Platz in der Gesellschaft, um Würde.

Auch Gefahr für Sicherheit

Die Grundfrage für die Zivilgesellschaft laute deshalb: «Wie können wir dafür sorgen, dass die Mittelklasse nicht weiter ausgehöhlt wird?» Denn bereits in den vergangenen Jahren habe sich eine Lücke ergeben zwischen Gewinnen und Löhnen. Biden stellte einen Katalog vor, um die negativen Folgen der wirtschaftlichen Veränderungen für die Mittelklasse abzufedern. Er warnte: «Ich werde mich damit hier vermutlich nicht beliebt machen.»

So forderte er, dass alle Länder progressive Steuersysteme bräuchten; jeder solle einen verhältnismässig fairen Anteil zahlen müssen. Weiter verlangte er den verstärkten Kampf gegen Steuerhinterziehung, Bildung für alle und einen Grundschutz für alle Arbeitnehmer.

Der Zerfall des Mittelstands sei nicht nur eine Bedrohung für die Weltwirtschaft, sondern auch für die weltweite Sicherheit, sagte Biden. Menschen reagieren mit Furcht und Wut auf den Verlust des Arbeitsplatzes, was ein Nährboden für Extremismus sei. Dies berge schliesslich die Gefahr des Zusammenbruchs des gesamten Systems.

SDA/ofi

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