«Noch nie so viele Bussen gegen WEF-Limousinen»

Eine Stunde für hundert Meter Fahrt: Das Verkehrsaufkommen in Davos ist katastrophal. Das WEF will jetzt eine Fussgängerzone einrichten.

Fahrer sorgen für Ärger: eine Polizistin diskutiert mit einem Limousinenfahrer in Davos. Video: Tamedia

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Landammann Tarzisius Caviezel ist stolz auf sein neues Verkehrskonzept. 16 Massnahmen hat er ergriffen, um den notorischen Dauerstau rund ums Kongresszentrum in den Griff zu bekommen. Die Bahn hat zwischen Davos Platz und Davos Dorf eine Zwischenstation eingeführt und so eine temporäre S-Bahn geschaffen. Gegenüber dem letzten Jahr, als wegen des Besuchs von US-Präsident Donald Trump und der damit verbundenen Sicherheitsmassnahmen das totale Chaos ausgebrochen war, gab es tatsächlich Fortschritte. Bis zu vier Stunden brauchten damals die Shuttlebusfahrer für die 3,7 Kilometer lange Strecke zwischen Davos Platz und Davos Dorf.

Und trotzdem: Donnerstagnacht staute sich der Verkehr vor dem Kongresszentrum auch noch um 24 Uhr. Ein Fahrer erzählte, er hätte für die 100 Meter vom Busbahnhof beim Kongresszentrum bis zur Promenade eine Stunde gebraucht. Und auch nach Mitternacht waren noch überall im Dorf Limousinen mit laufenden Motoren zu sehen. Verständlich zwar – die Fahrer wollen nicht erfrieren –, aber aus Umweltsicht natürlich eine Katastrophe, vor allem, wenn man daran denkt, wie viele Bekenntnisse zu Nachhaltigkeit und grüner Technologie am WEF abgegeben werden.

Die Autos stehen bis nach Mitternacht: Verkehr während des WEF in Davos. Foto: Keystone

«Es ist eigentlich illegal, den Motor laufen zu lassen», sagt Caviezel. «Aber was wollen Sie tun? Wenn sich ein Polizist nähert, stellen die sofort ab.» In einigen Fällen aber hat sich die Polizei durchaus mit den Limousinenfahrern angelegt. «Es wurden so viele Bussen verteilt wie noch nie während eines WEF», sagt Caviezel. Das hat zu einigem Streit mit den Limousinenfahrern geführt. Caviezel: «Am schlimmsten sind aber die Einheimischen, die halten sich am wenigsten an die Regeln.»

Die Forumsteilnehmer sollen öfters zu Fuss gehen

Ende Februar will die Gemeinde Davos zusammen mit dem WEF eine Standortbestimmung vornehmen. «Wir können nicht zufrieden sein», sagt denn auch Michele Mischler, WEF-Beauftragte für Nachhaltigkeit. Man suche darum zusammen mit der Gemeinde nach neuen Lösungen. Beispielsweise soll die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge ausgebaut werden. Bisher genügt diese nicht, es gibt zu wenig Ladestationen, und auch das Stromnetz würde zusammenbrechen, wenn die Autos oder nur schon die Shuttlebusse plötzlich elektrisch betrieben werden müssten. Aber in ein paar Jahren soll es so weit sein.

Mischler würde gerne noch weiter gehen. «Unser Traum wäre eine autofreie Promenade», sagt sie. Um das zu erreichen, versucht man die Teilnehmer zu ermuntern, zu Fuss zu gehen. Darum verteilt das WEF allen Teilnehmern «Iseli» für einen sicheren Gang auf den Davoser Trottoirs.

Da gäbe es für die Gemeinde noch etwas Nachholbedarf. Dieses Jahr waren die Trottoirs dermassen vereist, dass viele Stürze zu beobachten waren.

Erstellt: 27.01.2019, 12:59 Uhr

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