Reste-Essen am WEF in Davos

Übriggebliebene Gerichte aus den Küchen der Sternehotels werden gespendet. Das Ziel: Food-Waste reduzieren.

Was die WEF-Teilnehmer nicht essen, spenden die Hotels in Davos: Hier holt einer der Freiwilligen das Essen ab. (Video: Anja Stadelmann)

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Im Langlaufzentrum abseits des WEF-Trubels werden Essensreste aufgetischt. Aber nicht irgendwelche. Die Teller voll verschiedener Speisen kommen aus den Küchen der Davoser Sternehotels: grüner Spargel mit Schinken umwickelt, Kalbsfilet mit Curry-Blumenkohl oder Brombeeren auf süssem Mousse – mit Goldstaub besprüht. Hier kann an vier Tagen während des Forums mittags und abends gegessen werden, was die rund 3000 WEF-Teilnehmer übrig lassen.

Insgesamt haben sich zwölf Hotels und eine Bäckerei in Davos bereit erklärt, das Projekt «4reasons» zu unterstützen. Ins Leben gerufen wurde es vom methodistischen Pfarrer in Davos, Stefan Pfister, und Cyrill Ackermann, dem Direktor des Hotels Grischa. Ihr Ziel: Food-Waste reduzieren.

2,6 Millionen Tonnen landen im Müll

In der Schweiz landen pro Jahr um die 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall. Der Anteil, der bereits in der Landwirtschaft verloren geht, beträgt laut dem Bundesamt für Umwelt9 Prozent. Mit 39 Prozent schmeissen die Schweizer Haushalte den grössten Anteil an essbaren Lebensmitteln weg, 11 Prozent landen in der Gastronomie im Abfall.

Als Hoteldirektor weiss Cyrill Ackermann, wie schwierig es sein kann, die richtige Menge Lebensmittel für die Verköstigung seiner Gäste zu kalkulieren. An einem Freitag während der Hochsaison im Winter müsse sein Hotel zwischen 50 und 75 Kilo an übriggebliebenen Nahrungsmitteln in den Abfall schmeissen. «Mindestens zwei Schweinekübel voll – einer fasst gut 25 Liter», sagt er.

Für ein Hotel wie seines, das in der Hochsaisonzwischen 400 und 600 Gäste am Tag bewirte, liege das im Durchschnitt. Teller, die in der Küche zurückbleiben, gebe er auch mal an seine Mitarbeiter weiter. «Aber wenn einer unserer Gäste seinen Teller nicht leer isst, landet der Rest natürlich im Abfall.» Nicht nur die Hotels, auch die Gäste seien gefragt, wenn es darum gehe, Food-Waste zu reduzieren.

200 Menschen stehen Schlange

Unter den Hotels, die ihr übriggebliebenes Essen vom Vortag spenden, sind neben dem Hotel Ameron, dem Waldhuus, dem Intercontinental, dem Hardrock oder dem Dischma auch das Steigenberger Belvédère. «Wir achten immer darauf, dass wir nicht überproduzieren», sagt Hoteldirektorin Tina Heide. Was nicht gegessen wird, komme in die Kantine und werde den Angestellten zur Verfügung gestellt. Und bei 320 Veranstaltungen während des WEF kommt einiges zusammen: «Letztes Jahr reichten wir insgesamt 43’000 Canapés herum», sagt Heide.

Im Langlaufzentrum Davos ist der Andrang um 12 Uhr gross – an die 200 Menschen sind gekommen, die Schlange geht durch den ganzen Raum. Auch am Mittwoch, dem dritten Tag des Projekts, haben die Hotelküchen einiges an Menüs gespendet. Die Davoserin Regula Meier ist das erste Mal hier, um «mal zu probieren, was die Teilnehmer vom WEF so essen». Dass es sich um Gerichte vom Vortag handelt, störe sie überhaupt nicht. Etwas kritischer sieht es ein anderer Mittagsgast: Die Idee sei ja gut, aber wahrscheinlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein. «Es wird immer noch zu viel weggeschmissen», meint er.

400 Gerichte bewahrt

Auch an den vorangegangenen Tagen kamen um die 150 Leute, um sich – gegen eine kleine Spende – zu verpflegen. Bisher wurden so über 400 Gerichte vor dem Abfall bewahrt. Und zudem fast 3000 Franken an Spendengelder eingenommen. Das Geld soll den Kindern und Jugendlichen von Davos zugutekommen. Ein gemeinsamer Ausflug ist angedacht. «Dass sich so viele Hotels bereit erklärt haben, uns ihr Essen zu spenden, zeigt, dass auch sie froh darüber sind, weniger wegschmeissen zu müssen», sagt Pfarrer Pfister. Bisher kommen die Davoser und Arbeiter ortsansässiger Unternehmen. WEF-Teilnehmer haben sich jedoch noch nicht ins Langlaufzentrum verirrt.

So gut das Projekt auch gemeint ist, es landen immer noch viele Lebensmittel im Abfall der Hotelküchen. Denn die Hygienevorschriften für Gastronomiebetriebe sind in der Schweiz hoch. Lebensmittel, die die Küche verlassen haben, so wie Buffetauslagen oder Apéro-Häppchen, die auf Tabletts herumgereicht wurden, dürfen nicht gespendet, sondern müssen weggeschmissen werden.

Erstellt: 23.01.2020, 06:11 Uhr

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