Trumps Davoser «Boom»-Aussage im Faktencheck

Der US-Präsident nutzte die Bühne, um Werbung in eigener Sache zu machen. Wir haben seine wichtigste Aussage überprüft.

Lobte bei seiner WEF-Rede vor allem sich selbst: US-Präsident Donald Trump. Foto: Keystone

Lobte bei seiner WEF-Rede vor allem sich selbst: US-Präsident Donald Trump. Foto: Keystone

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US-Präsident Donald Trump hat seine Eröffnungsrede am WEF in Davos als Wahlkampfplattform genutzt. Rund vierzig Minuten zählte er eine ökonomische Errungenschaft nach der anderen auf, die sein Land unter ihm erreicht habe. Trump lieferte Zahlen zu Jobs, Arbeitslosenquoten und Löhnen. Am Schluss liess sich aber alles Gesagte auf ein Zitat herunterbrechen.

Donald Trump, US-Präsident, behauptet:

«Die USA erleben einen Wirtschaftsboom, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat.»

Der Check:
Trump hat diese oder eine ähnliche Aussage laut den Fact Checkern der renommierten Washington Post schon mehr als 250 Mal gemacht, seit er vor drei Jahren sein Amt als US-Präsident angetreten hat. Normalerweise spricht er nur vom «grössten Boom in der amerikanischen Geschichte», aber auch das ist nicht korrekt. Zweifellos sei die US-Wirtschaft aktuell in einem sehr guten Zustand, schreibt die Washington Post. Doch in der Geschichte habe es schon mehrere Phasen gegeben, in denen es noch besser gelaufen sei.

  • So wurden seit dem Amtsantritt Trumps zwar viele Jobs geschaffen – laut aktuellen Zahlen sind es inzwischen beinahe 6,7 Millionen (nicht ganz 7 Millionen, wie er am WEF sagte) –, aber unter seinem Vorgänger waren es noch mehr. Obama schuf während seiner zweiten Amtszeit 217’000 Jobs pro Monat, Trump kommt auf einen Schnitt von 191’000.

  • Die Arbeitslosenquote ist in den letzten drei Jahren weiter gesunken und liegt jetzt bei 3,5 Prozent – der tiefste Wert seit 1969 (wie Trump am WEF betonte). Doch ein Rekord ist auch das nicht: Im Mai 1953 betrug die Quote lediglich 2,5 Prozent.

  • Das Bruttoinlandprodukt – die vielleicht wichtigste Kennzahl – ist unter Trump zwar gewachsen, aber nicht so stark, wie er versprochen hat: Statt 4 Prozent waren es im Jahr 2018 durchschnittlich 2,9 Prozent. Andere Länder wie China oder Indien hatten gemäss der Weltbank ein mehr als doppelt so hohes Wachstum. Zuletzt lag die Quote nur noch bei 2,1 Prozent. Das ist kein Vergleich zum Ende der 90er-Jahre, als die USA ein Wirtschaftswachstum von über 4,5 Prozent verzeichneten. In den 50ern waren es zeitweise sogar über 8 Prozent.

  • Die Staatsverschuldung der USA steigt seit der Präsidentschaft vom George W. Bush. Doch unter Trump hat das Tempo noch einmal zugenommen. Die Schulden stiegen um 3,4 Billionen auf insgesamt 23,2 Billionen US-Dollar. Experten warnen, dass dies das Wirtschaftswachstum der kommenden Jahre bremsen könnte.

Das Fazit:
Die US-Wirtschaft hat in den drei Jahren unter Trump tatsächlich in vielen Bereichen zugelegt. Allerdings handelt es sich nicht um den grössten Boom in der (amerikanischen) Geschichte – zumal viele ökonomische Trends schon unter der Obama-Regierung begonnen haben. Trumps Aussage ist also stark übertrieben und deshalb eher falsch.

Alle bisherigen Faktenchecks finden Sie in unserer Collection.

Erstellt: 21.01.2020, 16:38 Uhr

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